Tipps : Angst und Schweiß macht Wespen heiß

Sie sind überall - Wespen. Wie man mit den ungewollten Besuchern am besten umgeht – zehn Meter entfernt Wurst und Marmelade anbieten.

Maris Hubschmid

Der Kampf um die Lufthoheit über dem Pflaumenkuchen ist eröffnet: Im August sind Wespenvölker kopfstärker denn je. Zahlreiche Arbeiterinnen sind unterwegs in der Mission, das Überleben ihres Stammes für das nachfolgende Jahr zu sichern. Sie sind dabei keineswegs auf Menschenfleisch aus, doch wenn sie sich oder ihr Nest bedroht fühlen, nimmt das Unheil schnell seinen Lauf. Wespenstiche sind unangenehm, in der Rachengegend gefährlich und können für Allergiker sogar tödlich enden. Experten warnen nichtsdestotrotz vor überstürzter Panik und betonen, dass man sich durchaus mit den schwarzgelben Hautflüglern arrangieren kann. Wer bei seiner Gartenparty auf ungebetene Gäste verzichten möchte, sollte zunächst einer Anlockung vorbeugen. Süßes und Eiweißhaltiges wie Grillgut darf nicht zu offen dargeboten werden. Wespen schneiden sich gerne ein erstaunlich großes Stück aus der Bratwurst und fliegen damit weg. Getränke sollten abgedeckt werden. Auf bunt gemusterte Kleidung, blumige Parfums und fruchtige Körperpflegeprodukte sollte verzichtet werden. Kein Deodorant ist allerdings keine Lösung, auch Schweißgeruch zieht Wespen an. Außerdem können sie Angst „riechen“, werden davon in eine aggressive Grundstimmung versetzt. Selbst wer tapfer stillhält, kann bei einer umkreisenden Wespe also Alarmbereitschaft auslösen.

Eine Möglichkeit, die Insekten abzulenken, ist das Schaffen einer alternativen Nahrungsquelle. Das kann ein Schälchen verdünnte Marmelade oder ein Stück Wurst sein. Noch besser geeignet sind halbierte, überreife Weintrauben, fanden die Schülerinnen Maike Sieler und Henrike Weidemann bei einem Experiment für „Jugend forscht“ heraus. Aber Achtung: Am anderen Ende der Tafel platziert, sind die Köder lediglich eine willkommene Einladung, das Angebot weiter kennenzulernen. Nur in deutlicher Entfernung deponiert verheißen sie Erfolg. Rainer Michalski vom Naturschutzbund Nabu spricht von fünf bis zehn Metern und rät dazu, die Lockmittel bereits ein bis zwei Tage vor einer geplanten Veranstaltung auszusetzen. „Wespen sind konservative Geschöpfe, haben sie eine verlässliche Futterstelle entdeckt, kehren sie immer wieder dorthin zurück.“

Ein weiterer Hinweis des Experten: „Die feinste Konfitüre kann wirkungslos bleiben, weil nur die Tiere, die auf Selbstversorgung aus sind, Zuckriges wollen. Zur Ernährung der Brut indessen sind Proteine gefragt.“ Es wird also nicht gegessen, was auf den Tisch kommt. Ferner gibt es zur Abschreckung der Tiere altbewährte Hausmittel: eine nelkengespickte halbe Zitrone oder einfach einen Topf frischen Basilikums auf den Tisch stellen. Mit Salmiakgeist getränkte Tücher oder das gern geratene Verbrennen von Kaffeepulver hingegen zeigen nur äußerst kurzzeitige Effekte.

Wer lieber über Leichen geht, für den gibt es allerlei Waffen zu kaufen. Wespenspray, das mit Chemie sofort abtötet, ist darunter noch die mildeste. Bau- und Gartenmärkte bieten erfinderischste Insektenvernichter für Picknickliebhaber bis Großküchen. Fallen, in denen die Tiere qualvoll verenden und zudem überwiegend alte Wespen gefangen werden, kritisiert Nabu-Geschäftsführer Sönke Hoffman. „Das aktive Volk wird nicht dezimiert.“

Wenn es zu einer schmerzlichen Begegnung kommt, nützt Imkern zufolge der Trick mit der aufgeschnittenen Zwiebel. Auf den Stich gepresst, hilft ihr Saft, das Gift zu neutralisieren.

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