• „Tokyo Game Show“: Computerspiele für das Smartphone sind der große neue Trend

„Tokyo Game Show“ : Computerspiele für das Smartphone sind der große neue Trend

Simulierte Liebe und gespielter Krieg: Immer mehr Hersteller von Computer Games setzen auf das Smartphone. Dieser Trend zeigt sich auf der „Tokyo Game Show“. Nintendo, Playstation und Microsoft haben das Nachsehen.

Felix Lill
Ein Spezialgerät ermöglicht das Spielen im Liegen.
Ein Spezialgerät ermöglicht das Spielen im Liegen.Foto: dpa

Abgedunkeltes Licht, in allen Richtungen flimmern große und kleine Bildschirme. Glückliche, vor allem junge Menschen schlendern mit Einkaufstüten durch die Halle, gelegentlich bleiben sie stehen. Schon wieder ein spannendes Spiel. Man reiht sich ein, wartet geduldig in der Schlange, bis ein paar Minuten gezockt werden darf. Der Lärm aus hohen Frauenstimmen, laut aufgedrehten musikalischen Untermalungen der laufenden Spiele und aufgeregten Unterhaltungen der Gäste stört hier niemanden.

Die Tokyo Game Show, eine der bedeutendsten Videospielmessen der Welt, ist dieses Jahr besonders groß. 352 verschiedene Aussteller sind zugegen und präsentieren Spiele aus allen Gattungen. Von den in Japan so beliebten Rollenspielen und Autorennen über Kreationen aus Action, Abenteuer, Sport und Liebessimulationen ist alles dabei.

„Tokyo Game Show“: Viele Games für das Smartphone sind kostenlos

Von den knapp 1000 präsentierten Spielen laufen rund 250 auf den Smartphoneplattformen iOS oder Android. Das ist mehr als die neuen und alten Konsolen von Nintendo, Playstation und Microsoft zusammen auf der Messe erreichten. Dieses Bild entspricht dem Trend der Branche. Mit dem Boom intelligenter Telefone ist ein neues Segment an Videospielen entstanden, das exklusiv auf Smartphones angelegt ist. Steuerung und Spieltiefe sind zwar allenfalls simpel. Dafür können die meisten Spiele kostenlos heruntergeladen werden. Downloads zusätzlicher Fähigkeiten, um im Spiel Erfolg zu haben, sind meist für kleine Preise um einen Euro erhältlich.

Der Hit auf der „Tokyo Game Show“ ist ein Angel-Spiel: "Tsuri-sta"

„Unsere Spiele eignen sich für kurze Sessions“, schreit Shinichi Iriyama von der Firma Gree, die Smartphonespiele herstellt und verlegt, gegen den Lärm an. Um ihn herum steht eine Traube junger Menschen und probiert neue Spiele aus. Eines der erfolgreichsten Produkte von Gree ist die Angelsimulation „Tsuri-sta“. Ziel darin ist es, Fische zu fangen. Die Lenkung funktioniert über den Touchscreen des Telefons, der bloße Daumen reicht dafür. Wer Tsuri-sta spielt, kann zudem online einen Blog führen und vor Freunden damit prahlen, wie groß die eigenen Fische sind. „Das schafft Ansporn für andere Spieler, alle wollen dann besser werden.“ Das Konzept geht auf. Derzeit spielen 15 Millionen Menschen Tsuri-sta, und zahlen immer mal hier und da ein paar hundert Yen, um sich mit einer neuen Angel zu verbessern. In den letzten zehn Jahren hat Gree 3000 solche Spiele hergestellt. Neben den verbreiteten Kriegsspielen gibt es noch ein anderes, fast ausschließlich in Japan beliebtes Genre, mit dem Gree und andere Hersteller Geld verdienen: Liebessimulationen. Darin schlüpft der Spieler in die Rolle eines Mannes oder einer Frau, die versucht, eine virtuelle Figur anzuflirten, zu erobern, ins Bett zu kriegen oder die Beziehung zu ihr zu retten. In der Messehalle hatten die zahlreichen Titel zu „romantic simulation“ sogar einen eigenen Bereich. Auch diese Art von Videospiel, die sowohl junge Frauen als auch Männer spielen, werden auf dem Smartphone bedient. Insgesamt werden schon heute mehr Videospiele auf Handys als auf Konsolen gespielt.

Sony macht sich Sorgen bei der „Tokyo Game Show“

Der Boom der „mobile games“ bereitet alteingesessenen Herstellern wie Sony, Microsoft und Nintendo Kopfschmerzen. „Wir machen uns schon Sorgen“, gesteht Masaki Tsukakoshi von Sonys Öffentlichkeitsabteilung. Nicht weit von Tsukakoshi lockt Gree mit leicht bekleideten Mädchen Besucher zu dem riesigen Stand. Sony versucht es mit derselben Methode, und verlässt sich außerdem darauf, dass sie auch sonst das bessere Angebot haben. „Unsere Spiele haben viel mehr Tiefe als das, was auf dem Handy möglich ist. Da gibt es richtige Handlungen und Entwicklungen der Charaktere. Als ernsthafter Spieler braucht man einfach eine Playstation.“

Und wer unterwegs spielen will, könne schließlich schon seit zwei Jahren die tragbare Playstation Vita kaufen, die kaum größer ist als ein Smartphone. Nur setzt sich das Produkt bisher nur schleppend ab, von der Presse wurde es bereits als Misserfolg abgetan. Zuletzt reduzierte Sony den Preis drastisch auf 200 Euro und hofft so, die Umsätze zu steigern. „Aber es ist manchmal schon frustrierend zu sehen, wie viele Nutzer diese ganz simplen Spiele auf dem Handy bevorzugen.“ Trotz der Schwierigkeiten will Sony an seiner eigenen Hardware festhalten, obwohl es für viele Nutzer einfach praktischer ist, Videospiele gleich auf dem eigenen Telefon zu bedienen.

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