Überraschender Fund : Guillotine der Geschwister Scholl im Museum entdeckt

Das Fallbeil, mit dem die Geschwister Scholl und andere Widerstandskämpfer im Dritten Reich hingerichtet worden waren, ist im Depot des Bayerischen Nationalmuseums in München aufgetaucht.

Das Fallbeil aus den 40er-Jahren.
Das Fallbeil aus den 40er-Jahren.Foto: AFP

Sophie Scholl ging ohne äußeres Anzeichen von Angst zu ihrer Hinrichtungsstätte. Ihr Bruder Hans machte es ihr nach und rief „Es lebe die Freiheit.“ Er habe niemals solch unbeugsame Menschen zu seinem Fallbeil kommen sehen, soll der Henker der Geschwister Scholl, Johann Reichhart, später gesagt haben. Seine über Jahrzehnte verschollen geglaubte Guillotine ist nun wieder aufgetaucht -
und könnte bald öffentlich gezeigt werden.


Von Straubing nach Regensburg

Lange war geglaubt worden, die Guillotine, mit der die Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose und hunderte weitere Menschen von den Nationalsozialisten hingerichtet worden waren, sei spurlos verschwunden. In den Wirren am Ende des Zweiten Weltkriegs war das Fallbeil ins niederbayerische Straubing gebracht worden. Dort hieß es dann, das Mordwerkzeug der Nazis sei in der Donau versenkt worden. Doch spätere Suchaktionen in dem Fluss blieben erfolglos - und tatsächlich nahm das als Erinnerungsstück an die Brutalität der NS-Justiz bedeutsame Fallbeil wohl einen ganz anderen Weg. Die Guillotine wurde wohl von Straubing ins Gefängnis von Regensburg gebracht, sagt Sybe Wartena, Referent für Volkskunde im Bayerischen Nationalmuseum in München. Und von dort wurde es 1974 an das Nationalmuseum übergeben, das zu den großen europäischen Museen zählt.


Erst einmal zu sehen

Nur ein einziges Mal bekam die Öffentlichkeit in den vier Jahrzehnten das Fallbeil zu sehen. Das war 1980 in einer Ausstellung über den Komiker Karl Valentin. Damit sollte daran erinnert werden, wie Valentin 1934 in seinem Panoptikum eine Hinrichtungsszene nachstellte und dies von den Nationalsozialisten unterbunden wurde - dass es sich um das Fallbeil handelte, mit dem die Geschwister Scholl getötet wurden, erfuhren die Betrachter damals nicht. Allerdings gab es schon seit längerem auch im Museum Gerüchte, es handle sich um das bei der Hinrichtung der Widerstandskämpfer am 22. Februar 1943 eingesetzte Gerät, berichtet Wartena. Nach eineinhalbjähriger Recherche ist er nahezu sicher, dass dem so ist.


Indiz für die Echtheit

Das wichtigste Indiz: Henker Reichhart hatte zum Zeitsparen an seiner Guillotine das übliche Kippbrett abmontiert - und dies ist auch bei der nun gefundenen Guillotine der Fall. Statt dass die Delinquenten zunächst über mehrere Minuten festgeschnallt wurden und dann in die Hinrichtungsposition gekippt wurden, ließ Reichhart sie einfach von seinen Helfern packen und unter das Fallbeil legen. Danach dauerte es nur Sekunden, bis er den Mechanismus auslösen konnte und das etwa 15 Kilo schwere Messer seine Opfer köpfte. Und noch ein weiteres, makaberes Indiz spricht dafür, dass es sich um das Fallbeil aus dem Münchner Gefängnis Stadelheim handelt. In den bayerischen


Gefängnissen wurden nirgendwo mehr Hinrichtungen vollzogen als in Stadelheim - und die Abnutzung sei deutlich zu sehen, sagt Wartena. „Es ist richtig verwittert durch das Blut und das regelmäßige Reinigen vom Blut.“ Mit bloßen Auge sei an vielen Stellen noch Blut zu sehen. Wegen dieser intensiven Spuren erwägt das Museum sogar, einen Gen-Vergleich mit der DNA der Geschwister Scholl zu machen, sagt der Museums-Referent.

Noch immer Blutspuren

Die Grausamkeit, die sich durch die Blutspuren offenbart, führe aber auch zu hohen Ansprüchen an die mögliche Ausstellung der Guillotine in der Öffentlichkeit, sagt Wartena. Das Fallbeil solle nicht makaber wirken, sondern könne und solle bei seinen Betrachtern intensive Empfindungen auslösen. Wo das Fallbeil ausgestellt wird, ist noch offen. Interesse an einer Ausstellung hat laut Wartena das Haus der bayerischen Geschichte. Aber auch andere Orte wie das Münchner Stadtmuseum oder das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg kämen sicher in Frage. (AFP)


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