Umstrittene US-Ölpipeline : Der Kampf der Indianer gegen „Keystone XL“

Indianer, Farmer und Umweltschützer wollen eine Pipeline von Kanada zum Golf von Mexiko verhindern. Die Genehmigung von „Keystone XL“ steht noch aus. Aber sowohl Republikaner als auch einige Demokraten unterstützen sie.

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Proteste von Sioux-Angehörigen in Washington gegen die Ölpipeline "Keystone XL".
Proteste von Sioux-Angehörigen in Washington gegen die Ölpipeline "Keystone XL".Foto: Reuters

Der Vertrag von Fort Laramie aus dem Jahr 1868 spricht amerikanischen Indianerstämmen westlich des Missouri große Siedlungsgebiete in South Dakota zu. Nur ein kleiner Stamm wurde damals bei der Landabsicherung vergessen: die Ponca-Indianer. Kurzerhand schob man sie in ein unwirtliches Gebiet im „Indian Territory“ nach Oklahoma ab. Im Mai 1877 aber zogen unter ihrem Häuptling Standing Bear von dort 60 Ponca-Indianer mehr als 1000 Meilen zu Fuß in den Osten Nebraskas, um bei einem anderen Stamm Unterschlupf zu finden. Nicht alle überlebten den langen Treck. So wird die Geschichte erzählt. Heute heißt der Weg „Ponca Trail of Tears“.

Hier in Nebraska, am Rand des kleinen Ortes Neligh, stand am 29. September Neil Young auf einer improvisierten Bühne im Roggenfeld. Singend protestierte die Rocklegende dagegen, dass auf dem Gebiet des historischen Trails bald die „Keystone XL“-Ölpipeline gebaut werden könnte. „This land is your land“, intonierte Young die Folk-Hymne neu. Mit ihm demonstrierten mehrere tausend Indianer, Cowboys und andere Pipeline-Gegner. „Keystone“ ist in den vergangenen Jahren zum zentralen Thema der US-Umweltbewegung geworden. Möglicherweise schon in dieser Woche aber will eine Mehrheit im Kongress in Washington die Genehmigung der Pipeline durchsetzen.

“Keystone “ versammelt eine breite Mischung an Opponenten. Indianer fürchten um ihr Land, Farmer fürchten mögliche Öllecks und Umweltaktivisten verurteilen insbesondere das, was die Leitung transportieren soll. „Keystone XL“ soll, wird die Pipeline denn genehmigt, über 1179 Meilen vom kanadischen Hardisty bis zu Steel City in Nebraska aus Ölsand gewonnenes Rohöl transportieren. Von dort aus brächten dann schon fertige Pipelines das hoch umstrittene kanadische Öl an den Golf von Mexiko. Die Genehmigung allerdings steht noch aus.

Am Ende muss Präsident Barack Obama entscheiden

Die kanadische Firma „Transcanada“hat bei der US-Regierung den Bau beantragt. Zuständig für eine Genehmigung ist das Außenministerium, da die Pipeline grenzüberschreitend verlegt werden würde. Angesichts der Dimension sollte jedoch schlussendlich der Präsident entscheiden. Allerdings hat der Kongress die Sache jetzt an sich gezogen. Das republikanisch dominierte Repräsentantenhaus stimmte vergangene Woche für die Konstruktion. Der Senat könnte jetzt nachziehen, da auch viele Demokraten das Projekt unterstützen. US-Präsident Barack Obama, auf dessen Schreibtisch das Gesetz zur Unterzeichnung landen würde, könnte es dann nur noch mit seinem Veto stoppen. Bisher hat Obama erheblich gezögert, der Pipeline seine Zustimmung zu geben. Das Außenministerium wie die nationale Umweltschutzbehörde (EPA)haben sehr kritische Stellungnahmen ans Weiße Haus geliefert.

Proteste von Umweltschützern in New York.
Proteste von Umweltschützern in New York.Foto: AFP

Die Extraktion von Öl aus dem kanadischen Sandboden, argumentiert die EPA, produziere das 17-Fache an Treibhausgasen gemessen an der durchschnittlichen Ölförderung in den USA. Deshalb müsse erwogen werden, ob das Öl überhaupt importiert werden soll. Es verstärkte zudem die Abhängigkeit des Landes von fossilen Brennstoffen. Darüber hinaus führt die EPA die Umweltschäden von Öllecks an, die aktive Pipelines verursacht haben.

Farmer und Indianer fürchten genau diese Lecks für ihr Land. Die Pipelineführung wurde zwar schon einmal umgeplant und lässt jetzt die ökologisch sensiblen „Sand Hills“ in Nebraska aus. Trotzdem führt die Planung immer noch nahe am „Ogalla Aquifer“, einem riesigen Grundwasserreservoir vorbei. Umweltschützer weisen außerdem darauf hin, dass die Extraktionsmethode in Kanada eine zerstörte Landschaft hinterlässt.

Indianer des Rosebud-Sioux-Stammes sehen sich im Krieg

Befürworter der Pipeline werben vor allem mit den ökonomischen Vorteilen, die „Keystone XL“ mit sich brächte. Unternehmer wie Gewerkschaftsvertreter hoffen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen beim Bau der Trasse. In der Evaluation des Außenministeriums wird die Konstruktion mit mehr als 40000 Arbeitsplätzen angesetzt. Und das Projekt könne der Region auch durch das spätere Geschäft mit dem Öl Jobs bringen. Letzteres bestritt Obama gerade: „Kanada pumpt das Öl, sendet es durch unser Land und verkauft es dann anderswo.“

2008 wie 2012 war die Umweltbewegung eine wichtige Basis für Barack Obama. Inzwischen sitzt mit John Podesta ein entschiedener Umweltschützer als enger Berater im Weißen Haus. Dass der Präsident eine Kongressgenehmigung von „Keystone XL“ ohne Widerspruch durchwinken könnte, gilt als unwahrscheinlich.

Indianer des Rosebud-Sioux-Stammes hielten am Montag Mahnwache am Haus der demokratischen Senatorin, die „Keystone XL“ jetzt durch den Senat bringen will. Der Beschluss des Repräsentantenhaus war eine „Kriegshandlung“, sagt der Chef des Stammes, Cyril Scott. „Wir werden die Grenzen unseres Reservats vor ’Keystone XL’ verschließen.“

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