Umwelt : Giftiges Geschäft

Ein neues Gesetz der Europäischen Union soll sicherstellen, dass Frachter und Tanker nicht länger an Stränden in Entwicklungsländern entsorgt werden können.

Sophie Garbe
Strandleben in Pakistan. Allein in der Stadt Geddani, etwa 40 Kilometer entfernt von der Metropole Karatschi, leben Zehntausende von dem oft schmutzigen Geschäft mit den ausgemusterten Frachtern und Tankern.
Strandleben in Pakistan. Allein in der Stadt Geddani, etwa 40 Kilometer entfernt von der Metropole Karatschi, leben Zehntausende...Foto: AFP

Insgesamt 40 000 Handelsschiffe durchqueren die Weltmeere. Nach Informationen des Umweltbundesamtes beenden um die 1000 von ihnen jedes Jahr ihren Dienst. Ihre Entsorgung findet in sogenannten Abwrackwerften statt, wo man die Schiffe auseinandernimmt. Vor allem der Stahl wird von dort aus zur Wiederverwertung weiterverkauft. Das Abwracken, so organisiert, ist teuer. Oft enthalten die ausgemusterten Frachter Giftstoffe wie Asbest oder Ölschlamm. Um zu verhindern, dass diese in die Umwelt gelangen, werden entsprechende Anlagen mit ausgebildeten Arbeitskräften benötigt.

Viele Schiffseigner wollen diese Zusatzkosten vermeiden – häufig auf illegalem Weg. Sie greifen dabei auf das sogenannte „beaching“ zurück. Dabei lässt der Kapitän sein Schiff auf einen Strand auflaufen, wo es dann demontiert wird. Der Initiative „Shipbreaking Platform“ zufolge finden derzeit 70 Prozent der weltweiten Abwrackarbeiten an den Stränden Südasiens statt.

Die Folgen für Mensch und Umwelt sind verheerend: Die Nichtregierungsorganisation berichtet, dass die giftigen Abfälle nicht richtig entsorgt werden, sondern an Ort und Stelle bleiben. Das führt zur Verschmutzung von Stränden und Wasser sowie der Ausrottung verschiedener Fischarten. Außerdem gelten die Arbeitsbedingungen an den Stränden als desolat. Aufgrund mangelnder Schutzmaßnahmen kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen durch herabfallende Metallteile und Explosionen. Viele der Arbeiter leiden zudem unter den Spätfolgen des ungeschützten Hantierens mit toxischen Stoffen. „Das Abwracken von Schiffen bleibt einer der gefährlichsten Jobs weltweit“, sagt Patrizia Heidegger, die Geschäftsführerin der „Shipbreaking Platform“. Laut der Organisation werden die Arbeiter in den Abwrackanlagen im Durchschnitt 40 Jahre alt.

Aufgrund der toxischen Stoffe, die Schiffe mitführen, gelten sie als Sondermüll. Dieser darf nach internationalem Recht nicht aus der EU in Entwicklungsländer ausgeführt werden. Dass viele Besitzer diese Regelung umgehen, zeigt sich in den von „Shipbreaking Platform“ veröffentlichten Zahlen. Demnach sollen im vergangenen Jahr 365 Schiffe von europäischen Reedern in Südasien abgewrackt worden sein – im Schnitt pro Tag also eines. Die meisten dieser Frachter kommen aus Griechenland, Deutschland liegt mit 48 Schiffen auf Platz zwei. Die EU-Kommission erklärt die Verstöße damit, dass in den Industrieländern der OECD nicht genügend Abwrackkapazitäten vorhanden seien. Auch die Kontrolle der Reeder sei bisher nur unzureichend geregelt.

Ein neues EU-Gesetz, über das vor einigen Tagen im Umweltausschuss der Europaparlaments abgestimmt worden ist, soll das ändern. Die Regelung legt strenge Umwelt- und Sicherheitsauflagen für Abwrackwerften fest. Erfüllen die Anlagen die Bedingungen, sollen sie in eine Liste weltweit zugelassener Abwrackstellen aufgenommen werden. Zudem sollen die Schiffe eine Inventarliste aufstellen, die alle Gefahrenstoffe an Bord aufführt. Der Ausschuss stimmte zudem für einen Fonds, der Werften unterstützen soll, Schiffe sicher und umweltgerecht abzuwracken. Der Fonds wird aus Gebühren finanziert, die Reeder in Zukunft zahlen sollen, wenn ihr Schiff in einen EU-Hafen einläuft. Außerdem soll das „beaching“ nun erstmals ganz offiziell verboten werden. Der italienische Sozialdemokrat Vittorio Prodi versichert: „Wir tolerieren nicht, dass mit der Gefährdung von Umwelt und Arbeitern Geld verdient wird.“

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