Umweltbelastung : Super-Sauger gegen Feinstaub

Beim Thema Sauberkeit haben die Stuttgarter traditionell die Nase vorn. Schwäbische Reinigungsrituale wie die berühmt-berüchtigte Kehrwoche sorgen für Ordnung auf Gehwegen. Jetzt startet die Stadtverwaltung einen Versuch mit einer Feinstaub-Kehrmaschine.

Stuttgart - Ganze Kolonnen von Reinigungsmaschinen kehren nahezu täglich den Dreck von Stuttgarts Straßen. Das Feinstaub-Problem bekommen aber auch sie nicht in den Griff. Die Stadtverwaltung fährt deshalb schwereres Geschütz auf und präsentierte am Freitag eine neue Hightech-Kehrmaschine.

"Ich seh' nicht nur gut aus, ich sorge auch dafür, dass Sie saubere Luft atmen" steht auf dem Super-Sauger geschrieben, der in den nächsten Monaten in einem bundesweit einmaligen Großversuch getestet wird. Drei Kehrmaschinenfahrer des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) sollen mit dem orangefarbenen Reinigungsfahrzeug regelmäßig die Straßen am Neckartor abfahren, wo seit Jahren teilweise extrem hohe Feinstaubbelastungen gemessen werden. Von der Universität Stuttgart wird das Projekt wissenschaftlich begleitet. Die Testergebnisse sollen im März 2007 vorliegen.

Maschine formt "Filterkuchen"

Das vom Unternehmen Faun entwickelte Kehrfahrzeug ist hinten mit einer breiten Sauganlage ausgestattet, die zunächst mit lautem Zischen Wasser auf die Fahrspur spritzt und die dabei entstehende Mischung aus Flüssigkeit und Staub dann einsaugt. Ein Filter auf Keramikbasis im Fahrzeuginneren soll schließlich den Feinstaub sammeln, der letztlich mit Pressluft zu einem "Filterkuchen" geformt und im normalen Schmutzbehälter aufgefangen wird.

Die Theorie klingt Erfolg versprechend: Rund die Hälfte der Feinstaubpartikel auf der Straße, die von Autos und Lastwagen ständig neu aufgewirbelt werden, soll die rund 190.000 Euro teure Maschine beseitigen können. AWS-Geschäftsführer Manfred Krieck warnt jedoch vor allzu großer Euphorie. Als "Primärmaßnahme" gegen Feinstaub kommen die Maschinen seiner Auffassung nach nicht in Frage. Wenn das Fahrzeug aber einen Teil zur Feinstaubreduktion beitragen kann, wäre das "eine schöne Sache".

Hohe Belastung am Neckartor

Mehr als 80.000 Fahrzeuge passieren täglich die mehrspurigen Straßen am Neckartor. Die dort gemessenen Feinstaubkonzentrationen gehören zu den höchsten in der ganzen Republik. Allein in diesem Jahr wurde der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bereits an rund 140 Tagen überschritten. Erlaubt sind jährlich nur 35 Überschreitungen. Das zu Jahresbeginn in ganz Stuttgart eingeführte Lkw-Durchfahrtsverbot, das mit Ausnahme des gewerblichen und privaten Lieferverkehrs alle Lastkraftwagen mit einem Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen betrifft, hat an der Problematik bislang nichts geändert.

Um gründlich sauber zu machen, wird die Kehrmaschine mit einer Geschwindigkeit von nur drei Stundenkilometern eingesetzt. Die Einsatzzeiten liegen außerhalb des Berufsverkehrs, damit der Verkehrsfluss nicht behindert wird und durch einen Rückstau nicht noch mehr Feinstaub entsteht. Vergleichszahlen sollen zwei zusätzliche Messstationen liefern, die eigens für den Großversuch abseits der Teststrecke installiert wurden. "Ich bin gespannt, was herauskommt", sagt Kehrmaschinenfahrer Claus Fischer. Schließlich könne das Fahrzeug zur Sicherung seines Arbeitsplatzes beitragen. (Von Tanja Wolter, ddp)

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