Welt : Unauffällig – bis auf einmal

Wer ist der Flieger Franz-Stephan „Steven“ Strambach, der am Sonntag die Öffentlichkeit in Atem hielt? Seine Mutter gibt sich die Schuld

Astrid Ludwig[Darmstadt]

Bis zum Sonntagnachmittag war der 31-jährige Darmstädter Franz-Stephan Strambach ein völlig unbekannter Mann. Das hat der Student der Psychologie, der sich selbst „Steven“ nennt, gekonnt geändert, als er mit einem gekaperten Motorsegler die Frankfurter Innenstadt in Angst versetzte und Erinnerungen an den 11. September wachrief.

An der Universität Darmstadt, wo der 31-Jährige seit dem Wintersemester 1995/96 studiert, war der von der Raumfahrt begeisterte Mann bis dahin gänzlich unauffällig. Im Institut für Psychologie, so die Pressesprecherin der TU Darmstadt, Sabine Gerbaulet, habe niemand auf Anhieb etwas mit dem Namen des Studenten verbinden können. „Er ist dort nicht bekannt, außer dass er sich regelmäßig für den Semesterbeginn zurückgemeldet hat.“ Auch in der Akademischen Fliegergruppe der TU ist Franz-Stephan Strambach ein Unbekannter.

1989 soll der damals 18-Jährige auf dem Flugplatz Egelsbach im Kreis Offenbach seinen Pilotenschein erworben haben. Der wurde jedoch bereits im November 2000 nicht mehr verlängert, wie der Sprecher des Regierungspräsidiums, Gerhard Müller, erklärte. Strambach habe die alle zwei Jahre fällige Verlängerung einfach nicht mehr beantragt, tritt Müller Spekulationen entgegen, dass die Lizenz aufgrund von gesundheitlichen Problemen oder Auffälligkeiten entzogen wurde. Als der Darmstädter am Sonntag auf dem Flugplatz im benachbarten Babenhausen den kleinen Sportflieger für einen Rundflug gemeinsam mit seiner Mutter charterte und mit vorgehaltener Pistole den Piloten anschließend zum Aussteigen zwang, besaß Franz-Stephan Strambach also keine gültige Fluglizenz mehr.

Astronomie und Raumfahrt sind das Hobby des Darmstädters, der mit seiner Mutter gemeinsam in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Darmstadt lebt. Auf seiner Homepage für die Challenger-Astronautin Judith Resnik hat der Student Daten zu dem Challenger-Unglück aufgelistet und einen Link zu „Dark Sky“, einer Fachgruppe der Vereinigung der Sternenfreunde, die sich gegen die zunehmende Lichtverschmutzung des Alls durch elektrisches Licht wendet. Deren Leiter Andreas Hänel von der Uni Osnabrück hatte persönlichen Kontakt zu Franz-Stephan Strambach. Rund drei Jahre, berichtet Hänel, habe sich der Darmstädter in der Fachgruppe engagiert und auch an Tagungen teilgenommen. „Er hat sich sehr für das Thema interessiert, sich jedoch vor zwei Jahren aufgrund familiärer Probleme zurückgezogen.“ Hänel vermutet dahinter eine Erkrankung der Mutter Strambachs. Der Osnabrücker beschreibt den 31-Jährigen als einen „liebenswerten, netten Menschen“.

Als psychisch verwirrt haben Polizeibeamte und Mitarbeiter der Flugsicherung, die über Funk Kontakt zu ihm hatten, den Geister-Piloten beschrieben.

Als unauffällig und normal bezeichnen ihn dagegen Nachbarn an seinem Darmstädter Wohnhaus, vor dem sich seit Sonntag die Journalisten und Kamerateams die Klinke in die Hand geben. Seine Mutter Ruth Strambach sagte RTL, sie gebe sich die Schuld an dem Vorfall, weil sie für den Jungen seit seiner Kindheit alle Probleme aus dem Weg geräumt habe.

Strambach erhielt am Montagabend keinen Haftbefehl, sondern wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Das teilte ein Justizsprecher mit. Ihm wird gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr, Flugzeugentführung und schwere räuberische Erpressung vorgeworfen.

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