Unwetter : Orkan "Andrea" fordert ein Todesopfer

Sturmtief Andrea hat mit voller Wucht über Deutschland gewütet. Eine Frau kam in Bayern bei einem wetterbedingten Verkehrsunfall ums Leben. In Berlin ist der Sturm noch nicht überstanden.

Orkanböen treibt das Sturmtief "Andrea" am Abend des Donnerstag (05.01.2012) über die norddeutsche Landschaft bei Dorum (Kreis Cuxhaven).Weitere Bilder anzeigen
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06.01.2012 08:49Orkanböen treibt das Sturmtief "Andrea" am Abend des Donnerstag (05.01.2012) über die norddeutsche Landschaft bei Dorum (Kreis...

Orkantief Andrea ist am Donnerstag mit heftigen Sturmböen und kräftigem Regen durch Deutschland gefegt. In Bayern kam eine Autofahrerin bei einem wetterbedingten Unfall ums Leben. In Berlin sollen die Sturmböen eine Stärke von acht bis neun, in freien Lagen sogar zehn erreichen. Das entspricht Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern in der Stunde.

Deutschlandweit wurden laut DWD Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern gemessen. Über die Zugspitze fegten die Böen mit 176 Stundenkilometern hinweg. Zudem ließ der Dauerregen die Pegel mehrerer Flüsse ansteigen. In den Alpen bestand erhöhte Lawinengefahr.

Im oberfränkischen Strullendorf kam eine 43-jährige Frau ums Leben, als ein 19-jähriger Autofahrer bei Regen und starkem Wind mit seinem Auto auf die Gegenfahrbahn geriet und mit dem Wagen der Frau kollidierte. In Krefeld prallte eine 57-jährige Autofahrerin gegen einen Baum und kam ums Leben. Ob dabei das Unwetter eine Rolle spielte, war laut Polizei zunächst unklar.

Vielerorts wurde der Verkehr durch entwurzelte Bäume und Überschwemmungen behindert. Mehrere Landes- und Bundesstraßen wurden zeitweise gesperrt. In Regensburg blockierten vom Sturm verwehte Teile eines Daches die A 3. Auf der A 45 bei Langgöns zwischen Südkreuz Gießen und Gambacher Kreuz erfasste eine kräftige Windböe die Containerdachabdeckung eines Lastwagens. Das mehrere Hundert Kilogramm schwere Teil blieb an einer elektronischen Schilderbrücke hängen und fiel auf einen nachfolgenden Sattelzug. Beide Lkw-Fahrer blieben unverletzt.

Bei Reken im Münsterland fuhr ein Regionalzug gegen einen umgekippten Baum. Die Bahn sprang aus den Gleisen und blieb 200 Meter später stehen. Die vier Fahrgäste blieben unverletzt und wurden von Rettungskräften in Sicherheit gebracht. In Sachsen und Sachsen-Anhalt führte Tief Andrea zu Stromausfällen. Zeitweise waren fast 10.000 Haushalte von der Energieversorgung abgeschnitten.

Sturmflutwarnung in Hamburg

Für die Nordfriesische Küste und das Elbegebiet mit Hamburg warnte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) vor einer nächtlichen Sturmflut. Das Hochwasser am Mittag sei ohne größere Schäden verlaufen, hieß es. Die Polizei in Hamburg forderte die Bürger auf, die niedrig gelegenen Bereiche des Hafens und des Elbufers zu räumen. Für Freitag besteht nach Angaben der Behörde auch für die deutsche Ostseeküste die Gefahr einer Sturmflut.

Auch der Pegel des Rheins stieg wegen des starken Regens an und erreichte am Mittag in Köln bereits die Hochwassermarke 1. Die ersten Uferbereiche standen unter Wasser. Zudem wurde die Schifffahrt auf dem Rhein eingeschränkt. Auch die Pegel der Flüsse in Niedersachsen stiegen flächendeckend an. Für Teile Mittelhessens galt eine Hochwasser-Frühwarnung. Die Schifffahrt auf der Mosel sollte wegen der steigenden Wasserstände voraussichtlich im Laufe des Donnerstags eingestellt werden.

Wegen der Verletzungsgefahr durch entwurzelte Bäume und herabfallende Äste wurden zudem Zoos, Friedhöfe und Parks in mehreren Städten geschlossen. Auch das für Donnerstagnachmittag geplante Testspiel von Fußball-Drittligist Rot-Weiß Erfurt gegen Zweitligist Dynamo Dresden in Weißensee wurde kurzfristig abgesagt.

Unwetterwarnungen galten am frühen Nachmittag vor allem noch für den Süden und an die Nordseeküste. Besonders starke Unwetter erwarteten die Meteorologen im Harz und in den Alpen. Neben Orkanböen sei oberhalb von 800 Metern auch mit starken Schneeverwehungen zu rechnen.

Zudem stieg in weiten Teilen der bayerischen Alpen die Lawinengefahr. In den größeren Skigebieten im Freistaat mussten zahlreiche Lifte geschlossen werden. Das Tief soll in der Nacht zum Freitag aus Deutschland abziehen.

Dennoch bleibt es auch in den kommenden Tagen regnerisch und stürmisch. Zudem werden ergiebige Schneefälle vorausgesagt. In den Höhenlagen Bayerns sollen bis zum Samstag 30 bis 50 Zentimeter Schnee fallen.

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