• Ursache der Kälte: "Nordatlantische Oszillation" schneidet Deutschland vom Golfstrom ab

Ursache der Kälte : "Nordatlantische Oszillation" schneidet Deutschland vom Golfstrom ab

Sie frieren und bibbern und wüssten gern, warum uns dieser Frühlingsanfang Schnee und Kälte bringt? "Nordatlantische Oszillation" heißt das Phänomen - noch ist nicht klar, in welchem Maße der Mensch schuld daran ist.

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Bis Ostern wird sich wenig ändern.
Bis Ostern wird sich wenig ändern.Foto: dpa

Für manche Menschen ist das ganze Jahr Frühling. Sie wissen: Wahre Frühlingsgefühle kommen von innen. Experten behaupten zwar, die Menschen müssten bei dem anhaltenden Winterwetter depressiv werden, weil es an Licht mangele. Aber stimmt das? Schnee macht hell. Mancher muss sogar die Augen zukneifen, wenn er morgens aus dem Fenster guckt und eine Schneelandschaft vor sich sieht. Am Donnerstag begann dann auch der kalendarische Frühling in dichtem Schneetreiben. Der Norden und Osten Deutschlands liegt unter einer geschlossenen Schneedecke.

Zur Wettervorhersage für Berlin

Nur im schneefreien Süden lässt sich ab und an die Sonne blicken. Geht es den Süddeutschen deshalb besser? Die sollten sich nicht zu früh freuen. Für nächste Woche – dann ist Ostern – sind Schneefälle für Baden-Württemberg angekündigt.

Die Meteorologen haben eine Erklärung für den langen Winter. Es ist ein seltenes Phänomen und es gibt einen Begriff, der es erklärt: „Nordatlantische Oszillation“, abgekürzt NAO.

Orkan "Xaver" bringt Berlin den ersten Schnee
Schneegestöber vor dem Brandenburger Tor: Orkan "Xaver" hat der Hauptstadt die ersten Flocken gebracht. Haben Sie auch Schneefotos gemacht? Dann schicken Sie sie an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
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06.12.2013 16:33Schneegestöber vor dem Brandenburger Tor: Orkan "Xaver" hat der Hauptstadt die ersten Flocken gebracht. Haben Sie auch Schneefotos...

Normalerweise existiert ein Gegensatz zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden. Diese Normalwetterlage führt dazu, dass vom Atlantik her mildwarme und feuchte Tiefs nach Europa strömen. Man nennt das auch die Westwind-Wetterlage. Die Meteorologen sprechen auch von einem positiven NAO-Index, das heißt, der Luftdruckgegensatz zwischen Azorenhoch und Islandtief ist hoch. Bei einem negativen NAO-Index ist der Luftdruckgegensatz sehr stark abgeschwächt, es liegt eine Umkehrung der Wetterlage vor. Die warmen und feuchten Westwinde vom Westen her schaffen es dann nicht mehr nach Mitteleuropa, Kaltluft dringt vom Polarmeer nach Deutschland. Mitteleuropa ist damit von der meteorologischen Wirkung des Golfstroms abgeschnitten. Die Meteorologen sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer blockierenden Wetterlage. Wenn aber der Golfstrom keine Auswirkung mehr hat, wird es eisig, fast so, als wäre der Golfstrom versiegt.

Nach Angaben des Meteorologen Frank Brennecke der Berliner Wetteragentur MeteoGroup ist diese Wetterlage selten, käme aber immer öfter vor. Die Frage, was die Ursache ist, ob das Ausdruck einer menschengemachten Klimaerwärmung ist, wird kontrovers diskutiert. Eine Beurteilung ist wohl deshalb schwierig, weil die „Nordatlantische Oszillation“ Teil eines hochkomplexen Systems ist. Ihre Schwankungen hängen sowohl von Meeresströmungen wie auch von Luftströmungen in der Stratosphäre ab. Je mehr die Wissenschaftler dies untersuchen, umso komplexer werden die Zusammenhänge. Früher war nur von Ursachen im Atlantik und auf der Nordhalbkugel die Rede, inzwischen werden die Wechselwirkungen auf dem ganzen Planeten untersucht.

Es gilt als gesichert, dass mit der Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre auch die Intensität der NAO zunimmt, allerdings ist nicht klar, in welchem Ausmaß. Es gibt interessanterweise die These, dass eine höhere NAO-Intensität eine globale Erwärmung um mehrere Jahrzehnte hinauszögert. Das hieße, menschengemachte Treibhausgase, die das Klima erwärmen, sorgten gleichzeitig über den NAO-Effekt dafür, dass sich eben diese Klimaerwärmung verzögert.

Beruhigend ist das aber nicht. Negative NAO-Werte häufen sich. Sowohl 2009/10, als auch 2011/12 sowie dieses Jahr kamen sie vor, und zwar in einer Stärke wie nie zuvor in den vergangenen 150 Jahren. Ein solcher Trend spricht eher gegen einen Zufall. Noch ein Grund für eine Winterdepression. Es wird langsam Zeit, dass sich etwas ändert.

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