USA : Das Entsetzen nach dem Blutbad

Der Todesschütze von Oregon besaß 13 Waffen und soll im Umpqua Community College gezielt Christen erschossen haben. Präsident Barack Obama äußert sich schockiert und fordert strengere Waffengesetze.

Die Gegend rund um das College wurde weiträumig abgesperrt.
Die Gegend rund um das College wurde weiträumig abgesperrt.Foto: REUTERS/Lucy Nicholson

Der Todesschütze von Oregon, der an einem College neun Menschen erschoss, besaß 13 Waffen. Sechs davon habe die Polizei am Tatort entdeckt und sieben bei ihm zu Hause, sagte Celinez Nunez von der für Waffen und Sprengstoff zuständigen Bundespolizei ATF am Freitag. Außerdem fand die Polizei neben seinem Gewehr am College eine schusssichere Weste und fünf Magazine. Bei ihm zu Hause entdeckten die Ermittler laut Nunez weitere Munition. Alle Waffen seien in den vergangenen drei Jahren legal gekauft worden. Ob zwischen dem 26-jährigen Schützen und dem Umpqua Community College in der Kleinstadt Roseburg eine Verbindung bestand, sagte Polizeisprecher John Hanlin nicht. „Wir stehen mitten in diesen Ermittlungen.“

Laut Augenzeugenberichten soll der 26-Jährige gezielt Christen ins Visier genommen haben. Demnach fragte der 26-Jährige seine Opfer nach ihrer Religion und schoss Christen in den Kopf, anderen dagegen ins Bein oder auf eine andere Stelle ihres Körpers. Ermittler prüften zudem Hinweise, ob der Mann seine Tat im Internet angedeutet hatte. Unterdessen gab ein tief erschütterter Präsidenten Barack Obama der alten Debatte um schärfere Waffengesetze einen neuen Schub.

„Weil Du ein Christ bist, wirst Du Gott in wenigen Sekunden gegenüberstehen“, sagte der Schütze laut Stacy Boylan, der CNN einen Augenzeugenbericht seiner Tochter wiedergab. „Ich habe seit Jahren darauf gewartet, das hier zu tun“, sagte der Schütze demnach, bevor er den Professor im Unterrichtsraum niederstreckte. Im veralteten Profil einer Website zur Partnersuche bezeichnet er sich laut „New York Times“ als „introvertierten“ Menschen, der eine Abneigung gegenüber „organisierter Religion“ hat.

Die Tat schlug hohe Wellen bis nach Washington, wo der seit langem für strengere Waffengesetze kämpfende Präsident Obama sich erschüttert zeigte. „Wir sind das einzige fortschrittliche Land der Erde, das diese Massen-Schießereien alle paar Monate erlebt“, sagte er. Obama forderte erneut strengere Gesetze zur Vermeidung vergleichbarer Fälle. Die mächtige Waffenlobby und viele Republikaner im Kongress wollen dies unbedingt verhindern.

Sieben weitere Menschen wurden bei der Tat verletzt, der Schütze wurde im Schusswechsel mit der Polizei getötet. Hunderte nahmen in der kleinen Gemeinde an einer nächtlichen Mahnwache teil, wie die Lokalzeitung „Oregonian“ berichtete.

Nachbarn beschrieben den Schützen als zurückgezogenen und verletzlich wirkenden jungen Mann, der mit seiner Mutter lebte und vor Kontakt mit anderen Menschen zurückzuschrecken schien. Laut einem Porträt der „New York Times“ trug er häufig Springerstiefel und grüne Armee-Hosen, wollte einem Bekannten zufolge aber nicht darüber sprechen, warum er militärische Kleidung bevorzugte. Behördenangaben zufolge wurden am Tatort drei Pistolen und ein Gewehr sichergestellt.

Am Umpqua Community College (UCC) sind mehr als 3000 Studenten in Vollzeit eingeschrieben. Die Kleinstadt mit rund 22.000 Einwohnern liegt etwa drei Autostunden südlich von Portland. Bis Montag sollte das College geschlossen bleiben, alle studentischen Aktivitäten wurden bis dahin gestrichen. Noch Stunden nach der Tat untersuchten Sprengstoff-Experten in der Nähe geparkte Autos nach Bomben.

Obama erinnerte an besonders dramatischen Amokläufe in Columbine und Aurora (Colorado), Newtown (Connecticut) und Charleston (South Carolina). Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton zeigte sich ebenfalls geschockt. „Ich habe das so satt. Dieses Land muss dringend damit anfangen, Waffen von Leuten fernzuhalten, die keine Waffen haben sollten“, sagte sie dem Sender NewsCenter 5.

Colleges und Universitäten seien wegen ihrer offenen Anlagen „anfällig für solche Ereignisse“, teilte der Verband American Association of Community Colleges mit. Die Organisation Everytown, die sich für eine Reform der laxen US-Waffengesetze stark macht, sprach von einer „Tragödie“. Oregons Gouverneurin Kate Brown ordnete an, die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden am Freitag auf halbmast zu setzen.
(dpa)

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