Vatikan : Geheimarchiv des Vatikans zeigt spektakuläre Dokumente

Der Vatikan öffnet sein Archiv. Mit spektakulären Dokumenten wie der Bannbulle gegen Luther oder dem Freispruch der geheimnisumwitterten Tempelritter. Der Nationalsozialismus bleibt aber außen vor.

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Am Donnerstag wurde die Ausstellung in den Kapitolinischen Museen eröffnet.
Am Donnerstag wurde die Ausstellung in den Kapitolinischen Museen eröffnet.Foto: dpa

Ach, das Vatikanische Geheimarchiv. Verborgen im Gewirr endloser Korridore, tief unter der Erde, enthält es die Wahrheit – die einzig wahre Wahrheit – über alle Verschwörungen dieser Erde. Nur ein paar Eingeweihte, geschult von Dan Brown, haben dort Zutritt, und nachts bei Vollmond raffen die Dunkelmänner von heute hinter jahrhundertealten Spinnweben jene unfehlbaren Formeln an sich, die die Welt retten oder zerstören, ganz nach Geschmack.

So weit die Karikatur. In Rom enthüllt sich das Archiv des Vatikans jetzt „als das, was es ist, als Hüter der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche, sowohl in den Zeiten, in denen die Kirche die Welt war, als auch danach.“ So formuliert es Sergio Pagano, der Präfekt des Archivs. Seinen Anspruch erhebt er zu Recht. Im „Archivium Secretum“ der Päpste ist Weltgeschichte zusammengetragen. Hundert Schlüsseldokumente daraus blättern der Vatikan und die Stadt Rom nun gemeinsam auf. Die bis Anfang September laufende Ausstellung „Lux in Arcana“ – „Licht in die Geheimnisse“ – verspricht in Rom der Touristenmagnet des Jahres zu werden.

Die Bannbulle gegen Luther.
Die Bannbulle gegen Luther.Foto: dpa

Dabei ist das „Archivium Secretum“ gar nicht so geheim. „Geheim“, das ist die eingebürgerte, aber irreführende Übersetzung eines Wortes, das ursprünglich das Archiv des Papstes als „privat“ kennzeichnen sollte. Seit 1881 dürfen Historiker jedweder Nationalität und Religion in den vatikanischen Akten stöbern, sofern sie ein abgeschlossenes Studium und einen konkreten Forschungsauftrag in der Tasche haben. Auch jüdische und muslimische Historiker forschen hier.

Ob sie etwas finden, ist eine andere Frage – und, in heiklen Fällen, eher vom Zufall abhängig als von den Machenschaften irgendwelcher Leute, die etwas vertuschen wollen. Anfangs, bei seiner Gründung vor 400 Jahren auf 200 Regalmeter Platz berechnet, ist das Archiv bis heute auf 85 Kilometer angeschwollen. Es umfasst nicht nur die gesamten Akten der Kurie und der päpstlichen Diplomatie. Hinzugekommen sind im Lauf der Zeit 600 weitere Archive aus der Engelsburg, aus Abteien, Diözesen, Adelshäusern.

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