Verheißungen und Wissenschaft : Wann die Welt untergeht

Am 21. Dezember endet der Maya-Kalender – was weiß die Wissenschaft über das Ende des Lebens auf diesem Planeten?

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Ob die Maya das Ende ihres Kalenders wirklich als Ende der Welt deuteten, ist unklar. Szene einer Massenbeschwörung aus dem Maya-Spielfilm „Apocalypto“, USA 2006, Regie: Mel Gibson.
Ob die Maya das Ende ihres Kalenders wirklich als Ende der Welt deuteten, ist unklar. Szene einer Massenbeschwörung aus dem...Foto: Cinetext/Constantin Film

Die Uhr läuft. Am 21. Dezember 2012, so legen es Verheißungen nahe, geht die Welt unter. An diesem Tag endet der Maya-Kalender. Ob die Mayas das Ende ihrer Kalenderzählung gleichzeitig als Ende der Welt deuteten, ist umstritten.

Das legendenumwobene Datum ist vielleicht eine Gelegenheit, die heutige seriöse Wissenschaft zu fragen, wie wahrscheinlich es ist, dass irgendwann einmal tatsächlich ein Weltuntergang stattfinden wird. Die Antwort ist eindeutig. Dass es einen Weltuntergang geben wird, ist nicht wahrscheinlich, sondern sicher. Nur den Zeitpunkt, den kennt keiner. Astrophysiker, Geoforscher und Klimawissenschaftler kennen mehrere Szenarien, die das gesamte Leben auf der Erde auslöschen werden.

In einem Szenario nimmt die Menschheit ihren Untergang selbst in die Hand. Der britische Astrophysiker Martin Rees von der University of Cambridge hält das Risiko, dass in nächster Zeit große Teile der Menschheit durch einen Atomkrieg oder Bioterrorismus mit Killerviren vernichtet werden, für mindestens hundert Mal wahrscheinlicher als ein zeitnaher Weltuntergang durch eine natürliche Katastrophe. Sollte ersteres in nächster Zeit vermieden werden, letzteres wird irgendwann eintreffen.

Explodiert in der kosmischen Nachbarschaft der Erde ein Stern und wird zu einer „Supernova“, würde ein gigantischer Schauer tödlicher Gammastrahlen auf die Lufthülle der Erde prasseln. Ein sehr großer Teil dieser Strahlung bleibt zwar in der Atmosphäre hängen, erzeugt dabei aber aus Stickstoff und Sauerstoff sogenannte Stickoxide. Diese Verbindungen zerstören die Ozonschicht in der Stratosphäre, die normalerweise die starke kurzwellige ultraviolette Strahlung von der Sonne bereits in großen Höhen unschädlich macht. Ohne Ozonschicht dringen diese UV-Strahlen ungehindert zum Erdboden durch, vernichten dort einen großen Teil der Vegetation und so auch die Nahrungsgrundlage von Tieren und Menschen, deren Erbgut sie obendrein stark schädigen. Naturwissenschaftler diskutieren, ob Gammastrahlen aus dem Weltraum zwei riesige Artensterben vor rund 440 und 250 Millionen Jahren verursacht haben könnten. Spezialisten wie Thomas Janka vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München können die Risiken solcher Ereignisse zumindest grob einschätzen: „Eine solche Supernova müsste in weniger als 150 Lichtjahren Entfernung passieren, um solche Ereignisse auszulösen.“

Ein ganzer Kontinent versinkt im Meer. Der Maya-Kalender inspirierte auch Roland Emmerich zu seinem Katastrophenepos „2012“, USA/Kanada 2009.
Ein ganzer Kontinent versinkt im Meer. Der Maya-Kalender inspirierte auch Roland Emmerich zu seinem Katastrophenepos „2012“,...Foto: Sony Pictures/Cinetext

In 150 Lichtjahren Entfernung gibt es glücklicherweise nur eine überschaubare Zahl von Sternen, von denen sich voraussichtlich keiner – zumindest in den nächsten Jahrmillionen – zu einer Supernova entwickeln wird. „Der nächste bekannte Kandidat für eine solche Supernova ist der Stern Beteigeuze im Sternbild Orion. Und der ist mit rund 600 Lichtjahren viel zu weit für eine Gefährdung entfernt“, sagt Thomas Janka und nimmt solchen Befürchtungen den Schrecken. Es wird sehr lange dauern, bis sich irgendwann ein Supernova-Kandidat der Erde ausreichend nähert, um sie zu zerstören. „Laut Statistik sollte die Erde ein solcher verheerender Gammablitz nur alle 200 Millionen Jahre einmal treffen“, sagt Thomas Janka.

Zeitlich naheliegender ist da schon die Gefahr eines Asteroiden-Einschlages. Für solche kosmischen Volltreffer gibt es ein wissenschaftlich sehr gut belegtes Beispiel eines Weltuntergangs. Vor 65,5 Millionen Jahren donnerte ein Asteroid in das Gebiet, das heute als Golf von Mexiko bekannt ist. Es handelte sich um einen kosmischen Brocken, der mit einem Durchmesser von rund zehn Kilometern größer als der höchste Berg der Erde, der Mount Everest, war. Als dieser Koloss mit einem Gewicht von 3000 Milliarden Tonnen auf die Erde traf, setzte er schlagartig so viel Energie wie eine Milliarde Hiroshima-Atombomben frei.

Diese Wucht sprengte einen Krater in die Region, der am Ende mit einem Durchmesser von knapp 200 Kilometern beinahe die Fläche der Schweiz hatte. Der Einschlag löste vermutlich Erdbeben mit einer Stärke von zwölf oder 13 aus. Sie übertrafen das stärkste bisher gemessene Erdbeben 1960 in Chile mit einer Stärke von 9,5 exponentiell. Unvorstellbare Tsunamis rasten durch die Weltmeere, verwüsteten Küsten und Landschaften. Im gesamten Karibik-Raum herrschten Backofentemperaturen von mehreren hundert Grad Celsius, die die Pflanzen der Region in Brand setzten. Es entstanden riesige Flächenbrände. Gleichzeitig fing das gewaltige in die Luft geschleuderte Erdmaterial das Sonnenlicht so effektiv auf, dass die Temperaturen praktisch von einem Tag auf den anderen weltweit um rund zehn Grad fielen. Eine weltumspannende Eiszeit setzte fast allem Leben auf dem Planeten ein Ende.

Als der Staub aus der Atmosphäre niedersank und sich das Klima nach Jahren wieder aufwärmte, waren vermutlich alle Wälder auf der Erde zerstört und die meisten Tiere verhungert. Die prominentesten Opfer damals waren die Dinosaurier.

Die Auswirkungen ähnelten sehr stark denen eines Gammablitzes. „Die Statistik lässt alle hundert Millionen Jahre einen ähnlichen Einschlag wie vor 65 Millionen Jahren vermuten“, erklärt Ralf Schmitt, der am Berliner Museum für Naturkunde solche Vorgänge untersucht. Auch kleinere Einschläge können verheerend sein, treffen aber meist nur bestimmte Weltregionen und nicht gleich den ganzen Globus. So donnerte vor nur 14,6 Millionen Jahren ein Brocken mit einem Durchmesser von vielleicht einem Kilometer in das heutige Süddeutschland. Ein Krater von 22 Kilometern Durchmesser entstand, der „Impakt“, wie die Forscher sagen, verdampfte große Mengen Gesteins. Eine Glut- und Druckwelle mit Windgeschwindigkeiten von 600 Kilometern in der Stunde tötete im Umkreis von 100 Kilometern vermutlich alle Säugetiere und die meisten Pflanzen. Solche regionalen Volltreffer wie damals im Nördlinger Ries aber sind viel häufiger: „Etwa alle eine Million Jahre trifft ein rund ein Kilometer großer Brocken die Erde“, erklärt Ralf Schmitt. Das ist dann zwar noch kein Weltuntergang, aber eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes.

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