Verkehrsstau aus politischer Rache : Justiz ermittelt gegen New Jerseys Gouverneur Chris Christie

New Jerseys Gouverneur Chris Christie galt bisher als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von US-Präsident Obama. Jetzt kratzt ein massives Verkehrschaos, das eine Beraterin als Racheakt an einem Gegner organisiert hat, an Christies Image.

Das Image von New Jerseys Gouverneur Chris Christie gerät ins Wanken - wegen eines Verkehrschaos.
Das Image von New Jerseys Gouverneur Chris Christie gerät ins Wanken - wegen eines Verkehrschaos.Foto: dpa

Ein anscheinend als Racheakt absichtlich herbeigeführtes massives Verkehrschaos auf einer der meistbefahrenen Brücken des Landes sorgt in den USA für einen politischen Skandal.
Von zahlreichen US-Medien veröffentlichte E-Mails legen nahe, dass enge Mitarbeiter des republikanischen Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie, die tagelangen Sperrungen auf der George Washington Brücke zwischen New York und New Jersey im vergangenen Herbst beabsichtigten - als Rache für mangelnde politische Unterstützung.

Chris Christie schiebt die Schuld auf seine Mitarbeiterin

„Ich war bei der Planung und Durchführung dieser Sache nicht informiert oder involviert“, verteidigte sich Christie am Donnerstag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Der Republikaner, der als aussichtsreicher Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2016 gilt, übernahm zwar die Verantwortung und entschuldigte sich bei den Bürgern von New Jersey, lehnte einen Rücktritt aber ab. Seine Mitarbeiterin Bridget Anne Kelly, von der einige der E-Mails stammten, habe er mit sofortiger Wirkung gefeuert. „Sie hat mich belogen.“ Die Staatsanwaltschaft in New Jersey plant nach Angaben der „New York Times“ eine offizielle Untersuchung der Angelegenheit.
Tagelang hatten die Sperrungen rund um die George-Washington-Brücke zwischen Manhattan und dem Städtchen Fort Lee in New Jersey den Verkehr nach New York blockiert. Den jetzt ans Licht gekommenen E-Mails zufolge wandte sich Kelly vor Gouverneur Christies Wiederwahl Anfang November an den für die Brücke zuständigen Leiter der Verkehrsbehörde: Es sei „Zeit für ein paar Verkehrsprobleme in Fort Lee“.

Es geht um Rache an einem Bürgermeister, der Chris Christie nicht unterstützt hat

Christie wurde im November mit der Unterstützung mehrerer demokratischer Bürgermeister wiedergewählt. Einer, der sich in den Monaten vor der Wahl nicht für ihn einsetzte, war der demokratische Stadtchef von Fort Lee, Mark Sokolich. Anfang September wurden in seiner Stadt, die nur durch den Hudson River von Manhattan getrennt ist, plötzlich für mehrere Tage zwei von drei Zugangsstraßen zur George-Washington-Brücke in Richtung New York gesperrt. Die Folge waren massive Verkehrsprobleme in Fort Lee.

Der vier Tage andauernde Stau auf der Hauptverkehrsader in die Acht-Millionen-Metropole wurde schnell zum Politikum: Notarztwagen blieben im Verkehr stecken, auch Schulbusse kamen nicht durch.
Christie und die Verkehrsbehörde Port Authority begründeten die Sperrungen damals mit der Durchführung einer Verkehrsstudie. Dazu, dass zahlreiche Schüler von Fort Lee nicht in die Schulen kamen, soll Christies Beraterin Kelly laut der „New York Times“ in einer späteren E-Mail geschrieben haben, dies seien „die Kinder von Buono-Wählern“.
Barbara Buono war Christies demokratische Gegenkandidatin bei der Gouverneurswahl.

Der politische Gegner hätte ihn nicht wirksamer beschädigen können, als sein eigenes Büro

Nach Bekanntwerden des Schriftverkehrs dementierte der Gouverneur zunächst in einer schriftlichen Erklärung, von den Vorgängen gewusst zu haben und machte sein Büro für den Vorgang verantwortlich. „Was ich heute erstmals erfahren habe, ist nicht annehmbar. Ich bin empört und zutiefst getroffen von der Nachricht, dass eine Mitarbeiterin mich hinters Licht geführt hat. Ich war über ihr völlig unakzeptables und eigenwilliges Handeln nicht informiert.“ Der zuständige Leiter der Verkehrsbehörde war nach ersten Vorwürfen wegen der Sperrung von seinem Posten abgetreten. Er soll sich laut „Washington Post“ am Donnerstag vor einer Ermittlungskommission zu den Vorgängen äußern.

Dem Republikaner Christie dürfte der „Racheakt“ seiner Mitarbeiter im Wahlkampf 2013 nachhaltig schaden, mutmaßten US-Medien am Donnerstag. Es sei schwer vorstellbar, was Christies Anhänger Schlimmeres hätten tun können um dessen präsidiale Hoffnungen zu verletzen, kommentierte unter anderen die Tageszeitung „USA Today“ am Mittwoch. Christie galt bisher als einer der aussichtsreichsten konservativen Kandidaten für die US-Präsidentenwahl 2016. (dpa)

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