Waldbrände bei Rom : Nero vor den Toren

Rom ist immer mehr von Flammen umzingelt, angefacht von einem Hoch, das den Namen des Kaisers trägt. Ganz Italien leidet unter einer beispiellosen Hitze.

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Feuer am Monte Mario. Hubschrauber versuchen seit Tagen, dort zu löschen.
Feuer am Monte Mario. Hubschrauber versuchen seit Tagen, dort zu löschen.Foto: dpa

Rom - Als sich am späten Abend der Halbmond über Rom zeigte, leuchtete an den nachtschwarzen Hügeln östlich der Stadt auch noch ein anderes Halbrund auf, das dort nicht hingehörte, das aber lebte und sich rasch durchs Dunkel voranfraß – eine Linie lodernder Flammen, 40, 50 Kilometer weit zu sehen.

In Flammen stand ein ganzer Hügel unweit der Stadt Tivoli, 250 Hektar Olivenhaine und Buschwerk sind zerstört – und das war bei Weitem nicht der einzige. Rom sieht sich vom Feuer derzeit regelrecht umzingelt. Im Stadtgebiet ist am Donnerstag der Monte Mario wieder aufgeflammt. Dort brennt es seit zehn Tagen, seit Jugendliche nebst einer Parkbank auch das verdorrte Gras und Gestrüpp angezündet hatten und die Feuerwehr – allzu beschäftigt mit einem Brand an der Autobahn vor der Stadt – zu spät gekommen war. Nach Norden hin blockierten Flammen am Mittwoch den römischen Zugverkehr, nach Süden und zum Meer hin die Autobahn. Mehr als sechzig Brände hat Italiens Hauptstadt allein diese Woche registriert – gleichzeitig mit einem Hitzehoch, das Meteorologen sinnigerweise nach dem antiken Zündelkaiser Nero benannt haben, und gleichzeitig mit einer Jahrhunderttrockenheit, die südlich von Rom, in der Toskana sowie in den Marken bereits zur Rationierung von Trinkwasser geführt hat. Landesweit zählt der Zivilschutz dieses Jahr schon 4700 Wald- und Buschbrände, doppelt so viele wie in den Vergleichsmonaten 2011. „Und alle Brände“, resümiert Marco Pezzotta, Vizechef der Forstpolizei, „sind menschlichen Ursprungs: zum Teil absichtlich entfacht, teils leichtsinnig verursacht. Sieben Brandstifter hat die Forstpolizei bereits auf frischer Tat ertappt, den bisher letzten am Mittwoch in Tivoli.

Gestorben sind mittlerweile drei Menschen, ein Waldarbeiter beim Löschen in Sizilien und zwei mehr als 80 Jahre alte Bauern, die – nach dem Motto: das haben wir schon immer so gemacht – „nur mal das trockene Buschwerk“ vor ihren Höfen heiß abmähen wollten. Italiens Zivilschutz gebietet zwar nach eigenen Angaben über die weltgrößte Flotte von Löschflugzeugen und Hubschraubern, weist aber darauf hin, dass auch er es in den vergangenen Tagen nicht mehr geschafft hat, alle Brennpunkte zu versorgen. Und nächstes Jahr, sagt Behördenchef Franco Gabrielli, werden auch noch die Staatsgelder für dieses fliegende, „überaus teure Heilmittel“ von gut 130 Millionen Euro auf 42 Millionen Euro zusammengestrichen.

Der finanzielle Kahlschlag jedoch, fügt Gabrielli an, sei nur „ein kleiner Teil des Problems“: Würden die Regeln zur Vorbeugung eingehalten, „hätten wir auch auf unserem so anfälligen Territorium 80 Prozent weniger Brände“. Gabrielli nennt als Hauptprobleme die vernachlässigte Waldpflege, das viele wild zugewachsene Gelände in oder neben den Städten, die ungenügenden Wachposten und die unwirksame Kontrolle gegenüber Brandstiftern. Paul Kreiner

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