Welt : Weimar-Prozess: Das Urteil bleibt: Monika Böttcher ist schuldig

Einer der spektakulärsten Justizfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte scheint nach 14 Jahren Tauziehen nun seinen Schlusspunkt erreicht zu haben. Im Mordfall Monika Böttcher, ehemalige Weimar, verwarf der Bundesgerichtshof (BGH) die Revision der Angeklagten gegen ihre Verurteilung zu lebenslanger Haft. Das Urteil des Landgerichts Frankfurt/Main, das Böttcher im Dezember des Mordes an ihren beiden Töchtern im August 1986 für schuldig befunden hatte, ist damit rechtskräftig. Als letztes Rechtsmittel könnten die Böttcher-Anwälte nun zwar noch zum Bundesverfassungsgericht ziehen. Sie ließen dies am Montag zunächst noch offen. Allerdings gilt ein solcher Schritt wegen mangelnder Erfolgsaussichten als eher unwahrscheinlich. Doch auch wenn die juristische Bearbeitung des Falles voraussichtlich abgeschlossen ist, bleiben viele Fragen offen - der Fall Weimar bleibt weiter rätselhaft.

Im Laufe der vergangenen Jahre wurde die Weimar-Mutter zunächst 1988 vom Landgericht Fulda in einem Indizienprozess zu Lebenslänglich verurteilt, dann 1997 in einem neuen Verfahren mangels Beweisen freigesprochen und zuletzt vom Landgericht Frankfurt wieder zu Lebenslänglich verurteilt. Der BGH bestätigte nun dieses letzte Urteil. Die Karlsruher Richter trafen diese Entscheidung nur nach Aktenlage und ohne mündliche Verhandlung.

Böttcher-Anwalt Gerhard Strate meinte dazu: "Dieses Urteil ist jetzt rechtskräftig. Ob es richtig ist, muss angesichts der kontroversen Beweissituation nachhaltig bezweifelt werden." Widersprüchlich sind seiner Ansicht vor allem die Aussagen von Reinhard Weimar, des ehemaligen Ehemanns der Angeklagten. Reinhard Weimar ist psychisch krank und vernehmungsunfähig. Monika Böttcher beteuert ihre Unschuld und bezichtigt ihren früheren Mann des Mordes an den beiden Töchtern Karola und Melanie. Trotz der Widersprüchlichkeiten war der Vorsitzende Richter am Landgericht Frankfurt/Main, Heinrich Gehrke, zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. "Vorsätzlich und heimtückisch hat sie ihre Kinder ermordet", urteilte er. Aus Angst, ihren Geliebten - einen US-Soldaten - zu verlieren, soll Böttcher die Mädchen erwürgt haben. Doch den in der Öffentlichkeit heftig ausgetragenen Glaubenskrieg um Schuld oder Unschuld der Angeklagten vermochte der Richter nicht beizulegen. Die Beweisanträge der Böttcher-Anwälte hatte er im Eiltempo abgefertigt. Dass Reinhard Weimar während des Prozesses ausgeblendet wurde, rügte Strate vor dem BGH vergeblich. Weimar, der sich nach der Tat angeblich selbst beschuldigte, psychisch erkrankte und an religiösen Wahnvorstellungen leiden soll, entzog sich der Vernehmung im Verfahren dadurch, dass er sich als Ex-Ehemann auf sein Zeugnisverweigerungsrecht berief. Strate beanstandete, dass damit die polizeilichen Vernehmungen Reinhard Weimars mit all den widersprüchlichen Aussagen zu den Morden nicht in das Verfahren eingeführt werden durften. Diese Aussagen hätten Monika Böttcher entlasten und ihre "Nachtversion" des Mordes bestätigen können, meint der Anwalt. Böttcher will in der Mordnacht nach einem Schäferstündchen mit ihrem Geliebten morgens um drei Uhr nach Hause gekommen sein. Dort habe sie ihren Mann auf einem der Kinderbetten sitzend vorgefunden, beide Mädchen hätten tot in den Betten gelegen. Sie habe vor Schock und Schuldgefühl gegenüber ihrem Mann nicht gewusst, was zu tun sei, und sich zu ihrem Mann ins Bett zum Schlafen gelegt.

Ob Böttcher nochmals hinter Gitter muss, ist gleichwohl offen. Bei guter Führung kann Lebenslang etwa schon mit zehn Jahren beendet werden, der Rest wird zur Bewährung ausgesetzt. Böttcher hat bereits neun Jahre in Haft verbracht.

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