Wer ist diese Frau? : Kachelmanns Amazone

Bei „Günther Jauch“ dominierte die Frau des Wettermoderators die Runde. Seine Geschichte macht sie zu der ihren.

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Dominante Rolle. Miriam Kachelmann am Sonntag bei Jauch.
Dominante Rolle. Miriam Kachelmann am Sonntag bei Jauch.Foto: dapd

Bei Wikipedia wird heftig gestritten. Ist diese Frau einen Eintrag in der Online-Enzyklopädie wert? Oder ist Miriam Kachelmann eine „irrelevante Studentin, Mitautorin eines Buches über das Leben eines anderen und Ehefrau von“, wie ein Nutzer meint, weshalb die wenigen Zeilen über sie gelöscht werden müssen.

Spätestens seit Sonntagabend dürfte der Wikipedia-Eintrag über Miriam Kachelmann deutlich an Relevanz gewonnen haben. Denn nach ihrem Auftritt bei „Günther Jauch“ in der ARD fragen sich viele Zuschauer, was die Frau des Wettermoderators umtreibt.

Noch vor wenigen Jahren war Miriam Kachelmann ein „Luusmaitli“, ein „Lausemädchen“, wie Jörg Kachelmann seine zahlreichen Geliebten nannte. Heute kämpft sie wie eine Besessene für den Wettermoderator, der von einer Ex-Geliebten der Vergewaltigung beschuldigt wurde, in Untersuchungshaft saß und im Mai 2011 in dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten, freigesprochen wurde. Gemeinsam haben sie jetzt ein Buch über Kachelmanns Fall geschrieben. Sie wollen sich für Menschen einsetzen, die zu Unrecht beschuldigt werden. Seine Geschichte ist ihre Geschichte geworden.

Im „Spiegel“, in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), bei „Günther Jauch“, überall tritt das Paar derzeit im Doppelpack auf – und doch wirkt es derzeit so, als ob Miriam Kachelmann die Stärkere von beiden ist. In den Interviews antwortet immer wieder sie, obwohl ihr Mann gefragt ist. Auch bei Jauch. Während Kachelmann immer leiser wurde, nahm sie es lautstark mit den anderen Talkshowgästen auf, scheute sich nicht, Moderator Günther Jauch zurechtzuweisen, als er ein falsches Foto präsentierte. Sie spricht von „unserem Prozess“ – es hört sich an, als habe sie zusammen mit Kachelmann auf der Anklagebank gesessen.

26 Jahre ist Miriam Kachelmann alt, 28 Jahre jünger als ihr Mann. Kennengelernt haben sie sich im Internet. Sie ist „ausgebildete Bühnendarstellerin“, dürfte wissen, wie sie sich in der Öffentlichkeit und vor der Kamera inszenieren kann. Bei Jauch trägt sie eine unauffällige Bluse zur schwarzen Jacke, spricht mit tiefer, bestimmter Stimme, lacht die scharfen Bemerkungen von Ex-„Bild“-Chef Hans-Hermann Tiedje überheblich weg.

Für ihr Psychologiestudium zog sie nach Konstanz, Kachelmann lebte in der benachbarten Schweiz. Als er am 20. März 2010 wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung nach einer Reise am Frankfurter Flughafen festgenommen wurde, wollte sie ihn abholen. Von all den anderen Frauen hat sie aus der Presse erfahren.

„Wenn einem ein Mensch wirklich wichtig ist, interessiert es einen erst mal nicht, dass man betrogen oder angelogen wurde. Es geht darum, ob es diesem Menschen gut geht, gerade wenn er in einer lebensgefährlichen Situation ist“, sagte Miriam Kachelmann der „FAZ“. In einer solchen Situation habe sich Kachelmann während der drohenden Haftstrafe befunden. Sie hat Kachelmann noch während des Prozesses geheiratet. Zu ihrer heutigen Rolle an Kachelmanns Seite will sie keine Auskunft geben, teilt der Anwalt des Wettermoderators mit.

„Gemahlinnenzeugin“ nennt Kachelmann seine Frau in dem gemeinsamen Buch. „Wir sind in einer Situation, in der wir aufeinander aufpassen. Nicht weil man aufpassen muss, dass ich niemandem etwas tue, sondern dass mir niemand etwas tut“, sagte Kachelmann. Er trägt am rechten Handgelenk das gleiche Armband wie seine Frau. Offensichtlich sind darauf Heiligenfiguren zu sehen. Was für ein Zeichen.

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