Werbinich : Fortschritt statt Bibeltreue

Ruth Appel[15 Jahre]

Im vergangenen Jahr erschien ein offener Brief an alle Mitglieder der Synoden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), verfasst von acht Alt-Bischöfen. Hier ein Zitat daraus: „Umso wichtiger wird es jetzt, dass die Synoden der Gliedkirchen (…) dem Wink der „Begründung“ nicht folgen, die Möglichkeit der Ordination und Anstellung von Pfarrerinnen und Pfarrern, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, durch ein eigenes Kirchengesetz zu beschließen.“

Für mich ist diese ganze Diskussion, inwiefern homosexuelle Lebensgemeinschaften mit Ehepaaren gleichzusetzen sind, überflüssig.

Auch wenn es uns etwas mulmig vorkommen mag, wenn sich Frau und Frau oder Mann und Mann verliebt ansehen, so ist es letztlich doch einfach nur Liebe.

Schwule und Lesben können genauso eine Vorbildfunktion ausüben oder auch ebenso fies sein wie jeder andere Mensch. Die Forderung des offenen Briefes, Artikel 39 des Pfarrerdienstgesetzes der EKD ja nicht um die schwulen- und lesbenfreundliche „Begründung“ zu ergänzen, ist völlig hinter unserer Zeit. Nicht zufällig wurde der offene Brief ausschließlich von pensionierten Bischöfen verfasst.

Glücklicherweise ist es nicht so, dass homosexuelle Pfarrer in der Kirche ständig benachteiligt werden, so viel lässt sich zumindest für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sagen. Ich weiß von einigen schwulen Pfarrern, dass sie dort gut zurechtkommen. Mit der Gleichstellung kann es andererseits noch nicht allzu weit her sein, wenn eine Ökumenische Arbeitsgruppe HuK – Homosexuelle und Kirche – sich als Ziel den Abbau von Diskriminierung und die volle Teilhabe Schwuler und Lesben am kirchlichen Leben gesetzt hat. Eine Pfarrerin sagte mir kürzlich: „Über dieser Debatte steht die Frage: Will sich die Kirche einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung entgegenstellen und wortgetreu an der Bibel festhalten oder sich dieser Entwicklung anpassen?“

Die acht Bischöfe im Ruhestand wollen wortgetreu an der Bibel festhalten, nach 1. Kor. 6,9f, und 1. Tim. 1,10 schließe gleichgeschlechtliches Zusammenleben wie alles andere gerechtigkeitswidrige Tun von der Teilhabe an Gottes Reich aus. Ich finde, ein bisschen Fortschritt könnte nicht schaden. Ich halte es für wichtig, dass die Kirche endlich von einer zwar bibeltreuen, aber faktisch diskriminierenden Haltung gegenüber Homosexuellen abrückt.Ruth Appel, 15 Jahre

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