Werbinich : Selbstfindung in Istanbul

ZEITUNG IM SALON: Als Deutsche in der Heimat der Eltern –  Hatice Akyün liest aus ihren Tagesspiegel-Kolumnen.

Schreibt ein neues Buch: Kolumnistin Hatice Akyün.
Schreibt ein neues Buch: Kolumnistin Hatice Akyün.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Kann eine Frau, die in Deutschland aufgewachsen ist, sich in der Türkei heimisch fühlen? Womöglich sogar heimischer als in Berlin? Das wollte Hatice Akyün ausprobieren. Die Eltern der Tagesspiegel-Kolumnistin stammen aus Anatolien, sie selbst spricht Türkisch, kennt das Land von vielen Urlauben her, aber in der Türkei gelebt hatte sie nie. Darum ist sie im Sommer zu einer „Selbstfindungsreise“ aufgebrochen, hat sechs Monate in Istanbul und einen Monat im Heimatdorf ihrer Eltern auf dem Land verbracht. Im Januar kommt Hatice Akyün zurück nach Berlin. Und hat sie sich gefunden?

Jedenfalls hat sie ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben, über das sie noch nicht viel verraten möchte, nur so viel: „Mir sind sehr viele verrückte Sachen passiert, das wird ein sehr witziges Buch.“ Vielleicht wird es auf eine andere Weise witzig sein als ihre beiden anderen Bücher „Einmal Hans mit scharfer Soße“ (2007) und „Ali zum Dessert“ (2010), denn „ich bin ja jetzt reifer“. Der Aufenthalt in Istanbul hat sie in vielfacher Hinsicht zum Nachdenken gebracht. „Es gab Momente, da dachte ich: Du bleibst in Istanbul – und im nächsten Moment wollte ich ganz schnell wieder zurück.“ Ihr erstes Buch ist gerade verfilmt worden, die Hauptfigur Hatice im Buch wird von einer professionellen Schauspielerin dargestellt, aber die Autorin spielt auch selbst eine kleine Rolle. Das Jahr 2013 bringt also Großes für die 43-Jährige: ein neues Buch, der erste Film – und ganz sicher viele weitere Kolumnen auf der Meinungsseite des Tagesspiegels mit Zitaten ihres Vaters.

Denn die Kolumnen sind ihr sehr wichtig. „Sie sind immer bei mir“, sagt Hatice Akyün. „Kaum habe ich eine abgegeben, fange ich an, über die nächste nachzudenken.“ Auch in Istanbul fühlt sie sich über deutsche Befindlichkeiten gut informiert, liest morgens als Erstes die Online-Ausgaben von Tagesspiegel und Spiegel und guckt deutsches Fernsehen. Und als eingefleischte Zeitungsleserin schneidet sie ihre Kolumnen aus und heftet sie ein – online hin oder her.

Kurz nach ihrer Rückkehr wird Hatice Akyün im Tagesspiegel-Salon auftreten: Sie liest aus ihren Kolumnen und erzählt von ihrer Selbstfindungsreise in die Heimat der Eltern. Moderieren wird Anna Sauerbrey aus der Meinungsredaktion, die ihre Kolumnen redigiert. Dazu spielt der deutsch-türkische Musiker Derya Takkali auf der Langhalslaute Istanbul-Lieder, oder, wie Hatice Akyüns Vater sagen würde: Istanbul Sarkilari. D.N.

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