Werbinich : Wehrpflicht für Frauen – naja ...

Roberta Huldisch[15 Jahre]

Mit der Gleichberechtigung ist das so eine Sache.

Alle wollen sie und theoretisch gibt es sie ja auch, nur selbstverständlich ist sie nie geworden. Und wenn es um die eigenen Vorteile geht, fällt es oft sehr leicht, sie ganz zu vergessen, selbst wenn diese Vorteile auf altmodische Geschlechterrollen gebaut sind. Die Debatte um die Wehrpflicht für Frauen wird in Deutschland viel zu oberflächlich geführt – gerade, weil es so schwierig ist, dabei nicht auf Klischees zurückzufallen und sich selbst nicht zu widersprechen.

Denn ich will auch nicht zur Bundeswehr. Obwohl die Wehrpflicht ja schon längst umgangen werden kann, habe ich, offen gesagt, Besseres zu tun, als darüber nachzudenken, wie ich mich ausmustern lassen kann.

Ich will nicht zur Bundeswehr. Aber doch nicht, weil ich schwach bin, oder weil es der friedlichen Natur der Frau widerstrebt zu kämpfen, oder weil ich zu Hause bleiben muss, um fleißig Kinder zu kriegen und meinen tapferen Kriegshelden zu bekochen. Sondern weil ich zu nichts gezwungen werden will. Weil ich finde, dass Menschen noch genug Freiheit haben sollten, um selbst über sich zu entscheiden. Weil ich kein Interesse daran habe zu lernen, wie man eine Waffe bedient, weil ich so etwas hoffentlich nie brauchen werde. Und mein Bett kann ich auch schon selbst machen.

Ich könnte jetzt sagen: Gebt den Frauen erst einmal gleiche Chancen und Löhne, dann reden wir über die Ausdehnung der Wehrpflicht. Aber kann man eine Art von Diskriminierung mit einer anderen rechtfertigen?

Eine relativ unkomplizierte Lösung wäre die Abschaffung der Wehrpflicht. Dadurch würden so gut wie alle Ungerechtigkeiten beseitigt. Viele andere Länder werden schon seit langem von einer Berufsarmee verteidigt. Warum sollte das nicht auch bei uns funktionieren?

Roberta Huldisch, 15 Jahre

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