Welt : Wie man ein Kind hält

Bettina Wulff kämpft gegen Vernachlässigung

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„Eine Chance für Kinder“. Bettina Wulff gestern in Berlin. Foto: dpa
„Eine Chance für Kinder“. Bettina Wulff gestern in Berlin. Foto: dpaFoto: dpa

Mit so einer First Lady könnten sich auch junge Frauen identifizieren, die weitab von bürgerlichen Sicherheiten ihre Kinder zur Welt bringen. Zu ihrer ersten Pressekonferenz im Schloss Bellevue trägt Bettina Wulff Jeans mit modischer Waschung zur weißen Bluse und einem kurzen grauen Blazer. Die häufigste Frage an eine neue First Lady lautet in der Regel, welche wohltätigen Projekte sie unterstützen will. „Eine Chance für Kinder“, heißt die Antwort von Bettina Wulff.

Bisher war die Stiftung nur in Niedersachsen tätig, nun will sie ihre Aktivitäten auf das ganze Bundesgebiet ausweiten. Ihr Ziel ist es, die Lebensbedingungen von sozial benachteiligten jungen Müttern und deren Kindern auf Dauer zu verbessern.

Rund zehn bis zwölf Prozent aller Neugeborenen seien von Vernachlässigung bedroht, sagte der Kinderarzt und Stiftungsvorsitzende Adolf Windorfer. Vor zehn Jahren hat er die Stiftung gegründet, die nicht nur physische, sondern auch emotionale Vernachlässigung bekämpft. Erfolgreich ist dabei vor allem der Einsatz von Familienhebammen.

„Als Mutter von zwei kleinen Kindern weiß ich, dass es zu Situationen kommen kann, in denen man sich überfordert fühlt“, sagte Bettina Wulff. Familienhebammen erreichen auch solche Frauen, die sich sonst scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Familienhebammen stehen während des ganzen ersten Lebensjahres zur Verfügung. Manchmal seien es ganz einfache Sachen, in denen sie weiterhelfen könnten, sagte Bettina Wulff, Tipps zum Beispiel, wie man ein Kind richtig hält oder welcher Brei zu welchem Zeitpunkt richtig ist.

Geholfen wird vor allem Müttern im Teenageralter, jungen Migrantinnen, Frauen mit Suchterkrankungen oder Behinderungen, mittellosen Alleinerziehenden. An einer Fachkonferenz im Schloss Bellevue nahm gestern neben Vertretern von Jugendämtern auch Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky teil.

Die Familienhebamme Nicole Rosier-Nobel berichtete von der Begleitung einer 20-jährigen Mutter, die ihr drittes Kind gern selber großziehen wollte, nachdem die ersten beiden wegen Überforderung in anderen Familien untergebracht worden waren. Sie half ihr, die Bedürfnisse des Kindes zu erkennen, begleitete sie zum Kinderarzt und organisierte eine Tagesmutter, damit sie ihren Schulabschluss nachholen konnte.

Bettina Wulff, die vor zwei Jahren die Schirmherrschaft der Stiftung übernommen hat, erzählte, wie sehr es sie berührt hat, bei Besuchen in den Familien zu erfahren, mit welchen Ängsten etwa geistig behinderte Mütter konfrontiert sind. Mit der Stiftung will sie die Öffentlichkeit sensibilisieren für die vielfältigen Probleme, denen Neugeborene ausgesetzt sein können und einen guten Kreislauf in Gang setzen: „Es geht uns darum, dass die Kinder in einem liebevollen Umfeld groß werden und diesen liebevollen Umgang später an ihre eigenen Kinder weitergeben.“

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