Wildereikrise : Umweltschützer leben gefährlich

Im Jahr 2012 sind 147 Aktivisten ermordet worden. Kaum ein Täter wird gefasst und vor Gericht gestellt. Mit Wildereiprodukten werden jährlich zwischen 70 und 213 Milliarden US-Dollar verdient.

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Ein tödlicher Job. Nicht nur für Elefanten steigt das Risiko im Tsavo Nationalpark. Das Foto zeigt zwei Ranger der kenianischen Wildnisbehörde KWS, die die Überreste eines gewilderten Elefanten gefunden haben. Auch für die Ranger wird der Schutz der Elefanten nicht nur in Tsavo immer gefährlicher.
Ein tödlicher Job. Nicht nur für Elefanten steigt das Risiko im Tsavo Nationalpark. Das Foto zeigt zwei Ranger der kenianischen...Foto: picture-alliance/dpa

Allein im vergangenen Jahr sind weltweit 38 Wildhüter in Nationalparks ermordet worden. Diese Zahl hat die Internationale Ranger Stiftung (IRF) gerade veröffentlicht. Wilderer, die Stoßzähne von Elefanten oder Nashörner erbeuten wollen, kommen mit Maschinengewehren und schweren Waffen. Dagegen haben die oft schlecht bezahlten Ranger immer seltener eine Chance. Das UN-Umweltprogramm hat ermittelt, dass mit Wilderei jährlich zwischen 70 und 213 Milliarden Dollar verdient werden.

2012 sind 147 Umweltschützer ermordet worden

Aber Umweltschützer leben nicht nur in Nationalparks immer gefährlicher. 2012 war nach Recherchen der Nichtregierungsorganisation Global Witness das „tödlichste Jahr für Umweltaktivisten“. 147 Morde hat die Organisation in ihrem Bericht vom April 2014 aufgelistet. Und das sind nur die, deren Namen, Todeszeitpunkt und Todesart öffentlich bekannt geworden sind. Die Dunkelziffer liegt wohl deutlich höher. Zwischen 2002 und 2013 hat Global Witness 908 Morde an Umweltschützern weltweit registriert. Lediglich in einem Prozent dieser Fälle, also zehn, sind die Mörder verfolgt und vor Gericht gestellt worden.

Mordanschlag auf den Chef des Virunga-Parks

Auch 2014 wird für Umweltaktivisten wohl kein gutes Jahr werden. Am 15. April ist der Chef des ältesten afrikanischen Nationalparks, Emmanuel de Merode, im Virunga-Park im Osten der Demokratischen Republik Kongo angeschossen worden. Er hatte Glück. Er überlebte den Anschlag und nahm sechs Wochen später seine Arbeit im Nationalpark wieder auf. Aber allein im Virunga-Park sind seit 1996 insgesamt 130 Ranger getötet worden, und mindestens ebenso viele wurden bei Angriffen zum Teil schwer verletzt.

Wenige Tage nach dem Angriff auf de Merode berichtete die Umweltstiftung WWF von massiven Drohungen gegen zwei ihrer Mitarbeiter in der nahe gelegenen Stadt Goma. WWF und Virunga-Park haben jahrelang dagegen gekämpft, dass die britische Ölfirma Soco International in dem Gebiet, wo unter anderem die letzten Berggorillas ihren Rückzugsraum haben, nach Öl sucht. Vor gut sechs Wochen hat Soco zwar seine Erkundungspläne gestoppt. Doch der Streit darüber, ob die Ölförderung der Bevölkerung Reichtum und Jobs bringen oder die durch den Nationalpark existierenden Einkommensmöglichkeiten zerstören würde, ist damit noch nicht beendet.

UN verlangen, Umweltschützer besser zu schützen

John Knox, der die Vereinten Nationen als Experte für Menschenrechte und die Umwelt berät, forderte vor wenigen Tagen aus Anlass des Tages der Umwelt: „Staaten sollten alles tun, um die Rechte von Umweltaktivisten zu schützen.“ Denn „sie stehen an vorderster Front, um uns alle vor den schwerwiegenden Konsequenzen der Umweltzerstörung zu beschützen“. Weiter meinte Knox, dass Umweltaktivisten für ihr Tun nicht „ihr Leben und ihre körperliche Unversehrtheit riskieren müssen“.

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