Wochenende : Ein Traum von einem Herbst

Sonne, blauer Himmel, leuchtendes Herbstlaub - warum ganz Deutschland eines der sonnigsten und wärmsten Herbstwochenenden bevorsteht.

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Aufstieg in der Frühe. Langsam kämpft sich die Sonne durch den Hochnebel und legt einen traumhaften Herbsttag frei.
Aufstieg in der Frühe. Langsam kämpft sich die Sonne durch den Hochnebel und legt einen traumhaften Herbsttag frei.Foto: dapd

Wer früh aufsteht, kann ein besonders schönes Schauspiel erleben. Die Landschaft ist ganz in Nebel getaucht, es ist noch kalt und klamm. Hinter dem Hochnebel ist am Horizont die Sonne verschwommen zu sehen. Langsam kämpft sie sich durch den Nebel, löst ihn auf und legt einen traumhaften Herbsttag frei. Strahlende Sonne, leuchtendes Herbstlaub, sommerliche Temperaturen – ganz Deutschland steht eines der schönsten Herbstwochenenden bevor. Das gilt für den Süden wie den Norden, vor allem aber den Osten.

Der Grund für das außergewöhnlich warme und sonnige Wetter ist eine sogenannte Südwestlage. Die Sonne alleine wäre um diese Zeit nicht mehr in der Lage, die Luft derart aufzuwärmen. Aber ein Tief über dem Atlantik und ein Hoch im Osten schaufeln mit ihren entgegengesetzten Drehungen Luft aus dem Süden an. Diese Luftmasse stammt aus Afrika und kühlt auf 20 Grad ab, bis sie Deutschland erreicht.

Die warme Herbstsonne hat zu einem Ansturm auf die Ostseebäder in Mecklenburg-Vorpommern geführt. Eine Karawane von Kurzurlaubern machte sich schon am Freitag auf den Weg an die Küste. Viele kamen aus Sachsen. Dort begannen die Herbstferien, was sich nicht zuletzt am erhöhten Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen rund um Berlin zeigte. „Wir freuen uns sehr über die gute Auslastung von Hotels und Pensionen“, sagte der Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Tobias Woitendorf.

„Aber wir haben immer noch genügend Platz für spontane Ausflügler gerade aus Berlin.“ Viele Hotels haben besonders günstige Arrangements aufgelegt, so dass sich auch ein Kurzurlaub lohnt. Das Licht im Herbst sei derzeit außergewöhnlich. Dazu kämen die rund 55 000 Kraniche, die sich an der Küste vor ihrem Weiterflug von Skandinavien und dem Baltikum in wärmere Gefilde stärken. Gute Beobachtungsmöglichkeiten bietet beispielsweise die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, die in dreistündiger Fahrt von Berlin aus mit dem Auto zu erreichen ist.

Berlin im Herbst
Gelbe Blätter treiben im Wannsee, der Himmel ist grau: In Berlin neigt sich der Herbst dem Ende zu. Haben auch Sie ein Bild für unsere Galerie? Schicken Sie Ihre Aufnahmen an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
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29.11.2012 08:33Gelbe Blätter treiben im Wannsee, der Himmel ist grau: In Berlin neigt sich der Herbst dem Ende zu. Haben auch Sie ein Bild für...

Da die Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Rostock noch bis zum Frühjahr wegen Bauarbeiten gesperrt ist, müssen sich Ausflügler ohne Auto derzeit auf längere Fahrtzeiten mit dem Bus oder dem Umweg über Schwerin einstellen. Aber gerade in der Umgebung von Zingst vollziehen die großen Formationen von Kranichen ein einmaliges Naturschauspiel, wenn diese zur Schlafenszeit die Boddengewässer aufsuchen. „Wir rechnen nicht zuletzt wegen der schönen Herbsttage im Oktober mit rund 2,5 Millionen Übernachtungen, das entspricht den langfristigen Zahlen für November und Dezember zusammengenommen“, sagte Sprecher Woitendorf.

Das Land Brandenburg stellt sich auf viele ausflugsfreudige Berliner ein. „Die Pilze sprießen endlich sehr reichlich in unseren Wäldern“, sagte Regina Zibell von der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH. „Außerdem wird vielerorts ein Kürbisfest gefeiert, unter anderem im historischen Scheunenviertel in Kremmen am nordwestlichen Berliner Stadtrand.“ Mit einem großen Andrang rechnet auch Brigitte Hesterberg vom gleichnamigen Gut in Lichtenberg bei Neuruppin. In einer Umfrage der ARD wurde der Landwirtschaftsbetrieb unter 500 000 Bewerbern zum „schönsten Bauernhof Deutschlands“ gewählt. Die Besucher können hier den ganzen Weg der tierischen Produkte von der Weide bis zum Hofladen nachvollziehen.

Das vor zwölf Jahren gegründete Familienunternehmen hat sich auf die Zucht und die Verarbeitung von Galloway-Rindern spezialisiert. Besucher können gleich vor Ort die Spezialitäten probieren und kaufen und in der Dämmerung ungewöhnliche Laute vernehmen: Die Rothirsche röhren. „Da geht allen Gästen das Herz auf“, sagt die Chefin Brigitte Hesterberg. Die Kraniche stehen hier in einer Entfernung von höchstens 200 Metern.

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