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Youtuber will GDL-Lokführer "nach Auschwitz fahren" : "JuliensBlog" mit provokanten Aussagen

"Zugführer alle nach Auschwitz". Mit Aussagen wie diesen hat sich der Youtuber "JuliensBlog" mehr als nur unbeliebt gemacht. Einige Menschen taten ihren Unmut zum Beispiel bei der Polizei in München kund. Kann es zu einer Ermittlung kommen?

Robert Klages
Der Mann hinter "JuliensBlog" hat sich mit seinen Auschwitz-Vergleichen nicht nur bei der GDL unbeliebt gemacht.
Der Mann hinter "JuliensBlog" hat sich mit seinen Auschwitz-Vergleichen nicht nur bei der GDL unbeliebt gemacht.Screenshot Youtube

Nach dem mittlerweile beendeten erneuten Streik der GDL regten sich viele Leute über die Lokführer auf, die ihre Arbeit im Sinne des Protestes niedergelegt hatten. In den Medien und an den Theken des Landes wird nicht gerade nett über Streik-Führer Weselsky und seine Mannen gesprochen. Der Youtube-Star "Julien" ist ebenso wenig für sein Feingefühl bekannt. In seinem neuen Video, das auf Youtube unter JuliensBlog läuft, beschimpft der 26-Jährige die GDL-Streikenden als "Mistviecher", die man alle vergasen sollte. Da hört der Spaß auf - finden viele User in den Sozialen Medien. Und auch die Polizei in München wurde auf JuliensBlog aufmerksam gemacht.

In dem fast fünfminütigen Video geht der Youtuber die Forderungen der GDL durch. Er bezeichnet sie als Gejammer von "austauschbaren Nullnummern" oder "irrelevanten Spasten", auch von einer "Hurensohnarmee" ist die Rede. Welche wichtige Bahnreise der Streik der Lokführer dem Youtuber vereitelte, wird nicht deutlich. Aber es muss schon eine enorm wichtige Fahrt gewesen sein, die ihn zu solchen Beleidigungen führt. Der Weg zur Arbeit kann es nicht gewesen sein, kann der Youtuber doch von zuhause aus arbeiten, immerhin verdient er sein Geld mit Klicks. Die Sucht nach diesen könnte ihn zu solch überzogenen Äußerungen gebracht haben.

Das Video verzeichnete an einem Tag bereits mehr als 219.000 Aufrufe, dem Kanal von JulienBlog folgen rund 1,24 Millionen Menschen. "Julien" gilt als Sprachrohr der "Youtube-Generation", er gehört zu den Top 20 der beliebtesten Youtubern Deutschlands. Doch mit einer Speerspitze der Beleidigungen findet auch er bei seinen Fans keinen Anklang mehr: "Vergasen sollte man diese Mistviecher. Wisst Ihr noch, wie die Juden mit Zügen nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dahinbringen. Ich fahre auch den Zug, und zwar umsonst."

"Der @JuliensBlog sagt das, was ich mich nicht traue auf Youtuber (sic!) auszusprechen. I like. Soo hart!", bekommt das Video Zuspruch von einem User names "MasterJam", den man jedoch in den Kommentaren auf seinen Beitrag nicht gerade lobt.

Auch, wenn also einige Reaktionen des Zuspruchs zu finden sind, antworten viele User mit ähnlichen Beleidigungen oder schlichter Abneigung. Einige User wollen den Blogger gar anzeigen und meldeten sich via Twitter bei der Polizei in München. Diese antwortete promt, sie habe "den Hinweis an das bei uns zuständige Fachkkommissariat weitergeleitet. Ob da eine Ermittlung auf den Youtuber Julien Sewering zukommt, steht noch nicht fest. Das "Beweisvideo" ist jedenfalls nicht schwer zu finden. Untermalt werden die Beleidigungen durch Bilder von Auschwitz. Auf eine Anfrage des Tagesspiegels konnte die Polizei in München am Mittwoch keine weiteren Auskünfte geben. Es müsse zunächst die Zuständigkeit geprüft werden. Julien Sewering ist in Wees in Schleswig-Holstein geboren und lebt derzeit (mutmaßlich) in Osnabrück. Ob in dem Fall ermittelt werde, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Eine konkrete Anzeige liege nicht vor, die Nachrichten auf Twitter werden als "Hinweise" gesehen.


Auch "Julien" hatte sich bereits am Tag der Veröffentlichung des Videos zu den Vorwürfen geäußert. Jörgen Camrath, der einen Artikel in der Berliner Morgenpost verfasst hatte, antwortete der Youtuber auf eine Anfrage. „Es ging eigentlich um die Korrelation zwischen den Zügen von damals und den Zügen von heute und das [sic!] die Zugführer von heute zu Zugpassagieren von damals gemacht werden ... Natürlich soll niemand vergast werden, auch wenn das Streikrecht vergewaltigt wird und Machtspiele gespielt werden ... Die ‚Pointe' in der es heißt, dass ich umsonst den Zug fahren würde OHNE zu streiken ist der Hauptgrund für das extreme Beispiel. [sic!] ... Das soll schwarzer Humor sein."

Schwarzer Humor also. Na dann gute Fahrt. Satire geht anders. "Das ist auch keine gelungene Satire, sondern einfach nur ein menschenverachtender, auf erbärmliche Art und Weise nach Applaus heischender Kleinbürger-Wutanfall", findet Matern Boeselager vom Vice-Magazin.

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