Zoo Wuppertal : Tierrechtler sorgen sich um Knuts Halbschwester Anori

Das Eisbärenbaby Anori in Wuppertal soll zu früh von seinem Muttertier getrennt werden, fürchten Tierschützer. Die Halbschwester von Knut steht angeblich einem neuen Zuchtversuch mit Mutter Vilma im Weg.

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Abhängen. Anori, Knuts Halbschwester, geht es im Zoo Wuppertal gut. Die am 4. Januar 2012 geborene Eisbärin wird von ihrem Muttertier Vilma aufgezogen – noch. Foto: F. Gambarini/dpa
Abhängen. Anori, Knuts Halbschwester, geht es im Zoo Wuppertal gut. Die am 4. Januar 2012 geborene Eisbärin wird von ihrem...Foto: F. Gambarini/dpa

Manche Tierfreunde wollen die Ähnlichkeit erkennen: Das Eisbärenbaby Anori, das von seinem Muttertier Vilma seit fünf Monaten im Zoo Wuppertal aufgezogen wird, ist die Halbschwester von Berlins Eisbärstar Knut. Anoris Vatertier ist Eisbär Lars, der im Zoo Berlin sein ruhiges Gemüt an den vom Pflegerteam rund um Thomas Dörflein handaufgezogenen Eisbärliebling Knut weitervererbt hatte. Der verstarb vor gut einem Jahr plötzlich und auch das Zooidyll um die Halbschwester ist gefährdet: Die Tierrechtsorganisation „Endzoo“ befürchtet, dass Anori bald viel zu früh von ihrer noch intensiv aufziehenden Mutterbärin Vilma getrennt wird.

Den nahenden Zeitpunkt der Trennung nach womöglich schon 12 oder 14 Monaten habe der Wuppertaler Zoochef bereits angekündigt, kritisiert die Tierschutzorganisation „Endzoo“ – und dahinter stecke letztlich Profitwille.

Denn die Zoos haben ein Problem: „Ich habe die Zuchtbücher ausgewertet, und seitdem nicht mehr die erste Generation der Wildfänge Nachwuchs zeugt, sind die Statistiken der Aufzuchten von Eisbären in Zoos schlechter geworden“, sagt der zu Knut-Zeiten bekannt gewordene Tierrechtler und Zoo-Gegner Frank Albrecht. Das heißt, die Weibchen werden nicht trächtig, oder sie nehmen die Babys nach der Geburt nicht an. Auch Knuts Muttertier Tosca ließ ihren Nachwuchs allein.

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Foto: Inga Höltmann
Todestag von Eisbär Knut

Doch da infolge des Knut-Aufzuchthypes, der von Berlin aus um die Welt ging, immer mehr Tierparks mit Eisbären Publikum ziehen wollen, sind Jungbären für Tauschgeschäfte der Zoos untereinander begehrt – und ihre fruchtbaren Muttertiere für Nachzüchtungen gefragt. Eisbärenbabys kommen beim Publikum immer noch super an. Aktuell profitiert der dänische „Skandinavisk Dyrepark Djursland“ in Kolind, rund 170 Kilometer nordwestlich von Kopenhagen, vom Berliner Knut-Faktor: Die Videos vom Hand aufgezogenen Baby Siku waren zu Jahresbeginn auf Youtube millionenfach geklickt worden. In Wuppertal war am Sonntag kein Presseverantwortlicher zu erreichen. Die Aufzucht von Knuts Halbschwester läuft dort harmonisch. Doch weil Vilma eben trächtig werden kann, befürchten die Tierschützer, dass Lars nach dem Zuchtausflug in Rostock schnell wieder Vilma decken soll und Anori weg muss. In der Natur würde ein Muttertier Männchen meiden, weil sie Jungtiere töten.

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Knut, der Eisbär
Einige Jahre ist der weltweit bekannte Eisbär Knut nun schon tot. Seine wahren Fans pilgern zuweilen dennoch in den Zoo - um Blumen an seinem Gedenkstein niederzulegen. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
1 von 230Foto: dpa
05.12.2012 13:36Einige Jahre ist der weltweit bekannte Eisbär Knut nun schon tot. Seine wahren Fans pilgern zuweilen dennoch in den Zoo - um...

Die internationale Tierrechts- und Artenschutzorganisation„Endzoo“ lehnt die Züchtung von großen Raubtieren wie Eisbären hinter Gittern generell ab – darin wird sie beispielsweise von Berlins Tierschutzbeauftragtem Klaus Lüdcke unterstützt. Bessere Haltungsbedingungen müssten her, und natürliche Lebensräume in Freiheit erhalten werden. Doch das Nordpoleis schmilzt wegen der Erderwärmung – und in unnatürlicher Haltung sei „das Mutter-Kind-Gehege von Anori und Vilma in Wuppertal kleiner, als es das Säugetiergutachten für Zoos vorschreibt“, behauptet Albrecht.

Die Debatte um Zwangstrennung hat es auch in Berlin gegeben. Dort ordnete der Zoodirektor an, dass Thomas Dörflein nach etwa einem Jahr nicht mehr mit Knut herumtollen durfte – um den Pfleger vor dem Bären zu schützen, der ihn hätte unabsichtlich verletzen können. Die „Knut-Show“ im Gehege war schon abgesetzt. Dörflein „kuschelte“ aber heimlich hinter Kulissen weiter, damit sein Schützling keine Verhaltensanomalien wie automatisiertes Hin- und Herlaufen oder Kopfwackeln davonträgt. Dieses haben Tierfreunde etwa bei Jungbärin Flocke beobachtet und bei Wilbär aus Stuttgart. In freier Natur beißen Mütter ihren Nachwuchs erst nach rund zwei bis drei Jahren weg, in die Selbstständigkeit.

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