40 Prozent Preisanstieg : Butter ist so teuer wie noch nie

"Fast in Gold aufzuwiegen": Die Bauern produzieren weniger, aber die Nachfrage steigt – auch von Seiten der Lebensmittelindustrie.

Das Stück Butter kostet beim Discounter Aldi derzeit mindestens 1,79 Euro.
Das Stück Butter kostet beim Discounter Aldi derzeit mindestens 1,79 Euro.Foto: imago/blickwinkel

So mancher Kunde reibt sich verwundert die Augen: Erst zehn Cent mehr, dann noch einmal 20 und jetzt sogar 30 Cent. Mit immer größeren Preissprüngen im Monatstakt ist Butter in diesen Tagen so teuer wie noch nie in der Bundesrepublik.

Die Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd haben den Preis für Deutsche Markenbutter in der untersten Preiskategorie Anfang Juli auf 1,79 Euro je 250-Gramm-Stück angehoben. Das bestätigten Sprecherinnen beider Unternehmen. Zuvor hatte die „Lebensmittel Zeitung“ darüber berichtet.

40 Prozent Preisanstieg in sechs Monaten

Damit hat sich Billig-Butter bei Aldi nun schon im dritten Monat in Folge kräftig verteuert. Anfang Mai stieg der Preis auf 1,29 Euro, Anfang Juni auf 1,49 Euro und nun Anfang Juli um rund 20 Prozent auf 1,79 Euro. Auch andere Butter-Produkte wurden teurer. „Erhöht wurden unter anderem die Preise für Süßrahmbutter (aktuell 1,79 Euro), Bio-Butter (1,99 Euro), und Irische Butter (1,89 Euro)“. Nach Auskunft von Aldi Nord haben sich auch verschiedene Käseartikel und Buttermilch verteuert.

An den Preisen der Kette orientieren sich üblicherweise auch die großen Konkurrenten. „Die 1,79 Euro werden wir über kurz oder lang im gesamten Preiseinstiegssegment sehen“, sagt Andreas Gorn, Milchexperte bei der unabhängigen Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI). Vor einem Jahr hätten die Verbraucher noch von einem historischen Tiefpreis profitiert, Butter sei regelrecht verramscht worden.

Das kann sich nicht jeder leisten

Gorn geht davon aus, dass je nach Dauer der Lieferverträge auch Butter in den oberen Preislagen teurer wird. Angesichts des Rekordpreises gibt es bereits mahnende Stimmen. „Das ist schon ein ungesunder Anstieg“, sagt Frank Maurer, Sprecher der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen. Bei den Verbrauchern sei bereits eine gewisse Zurückhaltung zu spüren. Im ersten Halbjahr 2017 sei Butter um rund 40 Prozent teurer geworden. Gleichzeitig sei die Nachfrage um mehr als sieben Prozent zurückgegangen.

Das Palmöl ist Schuld – weil es ausgemustert wird

Auch die Großabnehmer könnten reagieren. „Es wird nicht lange dauern, dass sich die Lebensmittelindustrie nach Alternativen umschaut“, meint Maurer. AMI- Mann Gorn zufolge hält sich die Lebensmittelindustrie derzeit bewusst mit Einkäufen zurück. Bei Blockbutter sei das Marktgeschehen gegenwärtig sehr ruhig. „Das kann man im Moment mit Gold aufwiegen. Wer nicht kaufen muss, der tut es nicht“, verdeutlicht er.

Grund für den Rekordpreis ist Gorn zufolge einerseits eine niedrigere Milcherzeugung. Die Käseproduktion nehme eine Menge Fett auf. Aber auch das Verbraucherverhalten habe sich geändert: „Genuss steht wieder im Vordergrund.“ Die Entwicklung gehe hin zu fettreicheren Molkereiprodukten. Die Light-Welle ebbe ab, bestätigt Verbandssprecher Maurer, es gehe wieder mehr um den Geschmack. Zudem setze auch die weiterverarbeitende Industrie auf hochwertige Zutaten – und stelle vermehrt von Palmöl auf tierische Fette um. dpa

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