Wirtschaft : 6900 Autos verkauft

Der große Hype um das Elektroauto ist in China vorbei. Daimler stellt in Peking Gemeinschaftsauto vor.

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Daimler-Chef Dieter Zetsche selbst präsentierte in Peking mit den chinesischen Partnern von BYD und Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber das gemeinsame Elektroauto „Denza“. Foto: dpa
Daimler-Chef Dieter Zetsche selbst präsentierte in Peking mit den chinesischen Partnern von BYD und Daimler-Forschungsvorstand...Foto: dpa

Peking - Eine besondere Eigenschaft des neuen Denza-Konzeptautos ist im Lärm der Messe untergegangen, deshalb weist Olivier Boulay noch einmal eigens darauf hin. „Wenn man den Schlüssel in das Lenkrad steckt, hört man für einige Sekunden Vogelgezwitscher“, sagt der Chef des Daimler-Designzentrums in Peking, „piep, piep, piep, danach können Sie das Auto starten“. Tatsächlich soll das neue Gemeinschaftsprojekt von Daimler und dem chinesischen Hersteller BYD den Autokäufern eine neue Welt eröffnen – die der Elektromobilität.

Am Montagnachmittag hat die neue deutsch-chinesische E-Automarke Denza auf der Fachmesse das bislang fortgeschrittenste Projekt in Sachen Stromautos in China vorgestellt. „Elektromobilität ist superwichtig“, sagte Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, dem Tagesspiegel. „Chinas Zukunft ist ohne Elektromobilität nicht denkbar – und das hier ist die Speerspitze dafür.“ Zumal die Rahmenbedingungen im Reich der Mitte besonders günstig seien, ergänzte Zetsche. Tatsächlich hat die chinesische Regierung den ehrgeizigen Plan, im Jahr 2015 in China eine halbe Million Fahrzeuge mit Elektroantrieb produzieren zu lassen. 2020 sollen es sogar fünf Millionen sein.

Die im März von Daimler und BYD gegründete Gemeinschaftsmarke Denza könnte auf diesem Zukunftsmarkt eine bedeutsame Rolle spielen. Immerhin ist man früh dran mit dem Konzeptauto, von dem die ersten Prototypen bereits fahren. „Es ist der erste ernstzunehmende E-Launch in China“, sagte Ashvin Chotai von der Unternehmensberatung Intelligence Automotive Asia, „dieses Auto gibt eine Richtung vor“. Und die scheint futuristisch zu sein. Im Innenraum blinken Multimedia-Screens, warten elektrisch verstellbare Sitze, die der Ersten Klasse in Flugzeugen nachempfunden sind. Das E-Auto kommt Ende 2013 auf den Markt, über Preis und Stückzahl schweigt der Hersteller. Das ist im Moment auch das Problem in China.

Nach einer aktuellen Studie von McKinsey sind in China trotz großer Förderungsmaßnahmen seit 2009 erst 6900 Elektro-Fahrzeuge verkauft worden. Und die seien 150 Prozent teurer als mit Benzin angetriebene Fahrzeuge. Trotzdem sieht Ashvin Chotai gute Chancen für E-Mobilität in China. „Die Gesellschaft hier ist für Neuerungen offener als die westliche“, sagt der Unternehmensberater, „wenn es einmal losgeht, dann wird es eine schnelle Entwicklung geben“. Bei Fahrrädern mit Leichtmotor und Rollern ist die E-Mobilität in China bereits weit fortgeschritten.

Die Infrastruktur für Elektromobilität sei das größte Problem in China, findet ein Porsche-Manager. „Es ist hier nicht so einfach, den Stecker mal einfach irgendwo reinzustecken, ohne dass etwas Unvorhergesehenes passiert“, sagte Helmut Broeker, Porsche-Chef in Asien. Es fehle an Ladestationen. „Der Hype der Regierung hat sich ein bisschen gelegt.“ Doch im 1,3-Milliarden-Volk China könne man nicht annähernd so viele herkömmliche Autos pro Kopf wie in Europa oder den USA verkaufen. „Dann würden wir das ganze Öl der Welt verbrauchen“, sagte Broeker. Deshalb werde auch Porsche in ein oder zwei Jahren mit einem Plug-in-Hybrid auf den chinesischen Markt kommen. Bis dahin gibt es womöglich gigantische Überkapazitäten. Die Zahl der Autofabriken werde sich zwischen 2009 und 2014 von 120 auf knapp 160 erhöhen, berichtete die Unternehmensberatung KPMG zur Eröffnung der Pekinger Automesse. Dadurch ergebe sich eine Kapazitätsausweitung um 117 Prozent auf 35 Millionen Fahrzeuge pro Jahr. „Hersteller in China scheinen gewillt zu sein, hohe Risiken einzugehen, um ihre Marktpräsenz im Reich der Mitte sicherzustellen“, sagte Mathieu Meyer, Leiter des Automobilbereichs bei KPMG.

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