Wirtschaft : 8,8 Millionen Aktionäre in Deutschland

Nach Kurssteigerungen haben viele Kleinanleger ihre Papiere im zweiten Halbjahr 2012 verkauft/Hohe Dividendenrenditen.

von

Frankfurt am Main - Nach einem überraschend deutlichen Anstieg um 1,5 Millionen im ersten Halbjahr 2012 ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland im zweiten Jahresabschnitt wieder fast ebenso rasant um 1,3 Millionen gesunken, so dass für das gesamte Jahr nur noch ein Plus von 200 000 neuen Aktienbesitzern steht. 8,8 Millionen Deutsche und damit 13,7 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre besaßen Ende 2012 Aktien oder Aktienfonds, teilte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) am Dienstag mit. Damit ist die Akzeptanz von Aktien in Deutschland nach Ansicht von DAI-Chefin Christine Bortenlänger nach wie vor unbefriedigend. In den USA, in Großbritannien, Japan, den Niederlanden oder Schweden liegt die Aktionärsquote über 20, zum Teil sogar über 30 Prozent.

Nur 2,8 Millionen Deutsche besitzen der Studie zufolge direkt Aktien, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 4,3 Prozent. 4,7 Millionen halten nur Aktienfonds, 1,3 Millionen Aktien und Aktienfonds. Damit ist die Zahl der Aktionäre weit vom Höchststand aus dem Jahr 2011 mit 12,8 Millionen entfernt. Allerdings sind es deutlich mehr als beim Tief im Jahr 1997 mit 5,6 Millionen.

DAI-Chefin Bortenlänger vermutet, dass viele Aktionäre die gute Entwicklung der Aktienkurse – der Deutsche Aktienindex Dax hat im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent zugelegt – genutzt haben, um ihre Aktien zu verkaufen. Ursache des deutlichen Anstiegs der Aktienbesitzer im ersten Halbjahr waren die niedrigen Zinsen und die Verunsicherung durch die Euro-Schuldenkrise, die Anleger vom Kauf von Staatsanleihen abgehalten und zu Aktienkäufen veranlasst hätten. „Wenn ein Anleger nur wegen niedriger Zinsen die Aktie als Anlageform wählt, ist es nachvollziehbar, dass er nach den erfreulichen Kursgewinnen seine Gewinne sicherstellt“, erläutert Bortenlänger den Rückgang der Aktionärszahlen im zweiten Halbjahr 2012.

Alles in allem wird die Aktie als Anlageform von Privatanlegern nach Ansicht des DAI immer noch nicht adäquat genutzt. „Besonders die Aktienanlage ermöglicht als Sachwertanlage eine Rendite, die mittel- und langfristig über der Inflationsrate liegt. Mit Anleihen ist dies beim aktuellen Zinsniveau bei gleichem Risiko kaum zu erreichen“, sagt Bortenlänger. Aktuell liegt die Dividendenrendite, also das Verhältnis der Dividende zum Aktienkurs, der wichtigsten deutschen Aktien zwischen drei und vier Prozent. Allerdings wirken nach Ansicht der DAI-Chefin immer noch der Zusammenbruch des Neuen Marktes aufgrund zahlreicher Skandale vor mehr als zehn Jahren ebenso nach wie die dramatischen Kurseinbrüche durch die Finanz- und Staatsschuldenkrise in den Jahren seit 2008. Rolf Obertreis

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben