Wirtschaft : Abheben ohne Verspätung EU will Flughäfen regulieren

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Brüssel - Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 800 Millionen Passagiere haben vergangenes Jahr die europäischen Flughäfen genutzt – drei Mal so viel wie Anfang der Neunziger. Der Trend hält trotz Krise an: Prognosen sehen eine weitere Verdoppelung des Luftverkehrs in den nächsten 20 Jahren. Im Jahr 2030 werden schon 19 Airports in der EU an ihre Kapazitätsgrenze stoßen. Das könnte dazu führen, schreibt die Aufsichtsbehörde Eurocontrol, „dass es bei der Hälfte aller Passagier- und Frachtflüge zu Verspätungen kommt.“

Zeit zum Handeln also, dachte sich der EU-Verkehrskommissar Siim Kallas. Er hat am Donnerstag in Brüssel ein entsprechendes Airport-Paket vorgelegt, das nun von den 27 EU-Regierungen und dem Europaparlament beraten und verabschiedet werden muss. Dabei geht es um insgesamt drei Bereiche: die Start- und Landerechte, die verschiedenen Dienstleistungen am Boden sowie die Einschränkungen des Verkehrsbetriebes wegen Fluglärms.

Bei den Start- und Landerechten soll der Wettbewerb zwischen den Fluggesellschaften angefacht werden. 89 Flughäfen in Europa geben schon wegen begrenzter Kapazitäten feste Start- und Landezeiten aus. Airlines können bisher diese Slots auch in ihrem nächsten Flugplan behalten, wenn sie sie zu 80 Prozent nutzen. Sie betreiben die wenig genutzten Zeitfenster oft weiter, damit sie nicht an die Konkurrenz fallen. Daher will die EU-Kommission nun den Handel mit diesen Start- und Landerechten erlauben.

Das heikelste Thema wird die Neuregelung der Bodendienste sein. Kallas will hier mehr Wettbewerb ermöglichen, da allein 70 Prozent aller Verspätungen auf Probleme bei den Bodenzeiten zurückzuführen sind, wie seine Behörde errechnet hat. So sollen Flughäfen verpflichtet werden, etwa bei der Gepäckabfertigung mehr Firmen zuzulassen. Sowohl der europäische Flughafenverband als auch die Gewerkschaften kündigten Protest an.

Auch die neuen Regeln für den Fluglärm sind hoch umstritten: Zwar soll es Flughäfen künftig leichter gemacht werden, besonders lauten Flugzeugen die Landeerlaubnis zu verweigern. Gleichzeitig sieht die Kommission keine einheitlichen Mindeststandards beim Lärmschutz vor, auf die mancher gehofft hatte. Christopher Ziedler

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