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Abmahnwesen : 956 Euro für "Die Superbullen"

19.03.2012 00:00 UhrVon Maximilian Vogelmann
Zweifelhaftes Vergnügen. Im gleichnamigen Film jagen „Die Superbullen“ den Entführer von Hennes. Das ist der Geißbock, der dem 1. FC Köln als Maskottchen dient. Im wirklichen Leben sieht die Jagd anders aus: Anwälte durchsuchen das Internet nach Menschen, die solche Filme ohne Erlaubnis herunterladen. Denen schicken sie dann eine Abmahnung. Foto: pa/ob Foto: pa/obsBild vergrößern
Zweifelhaftes Vergnügen. Im gleichnamigen Film jagen „Die Superbullen“ den Entführer von Hennes. Das ist der Geißbock, der dem 1. FC Köln als Maskottchen dient. Im wirklichen Leben... - Foto: pa/obs

Downloaden kann teuer werden: Wer sich bei Musik, E-Books oder Filmen bedient, wird schnell abgemahnt. Was Anwälte raten.

Als Anna Meier, 24, und Franz Müller, 28, Post aus München erhalten, ahnen sie nichts Gutes. Zu Recht: Denn der Brief der Anwaltskanzlei Waldorf-Frommer enthält eine Abmahnung. Müller habe die Spielfilmkomödie „Die Superbullen“ von einer Internet-Tauschbörse heruntergeladen und dabei anderen Personen zum Tausch angeboten. Die IP-Adresse seines Internetanschlusses liege vor, innerhalb von sieben Tagen solle Müller 956 Euro überweisen und eine Unterlassungserklärung unterschreiben. Sollte der Kölner dieser Forderung nicht nachkommen, werde man vor Gericht gehen, und das werde teuer.

Das junge Paar will anonym bleiben – aus Furcht vor weiteren Problemen.

Das gilt auch für die meisten anderen Betroffenen, mit denen wir gesprochen haben. Die hier verwendeten Namen sind daher nicht die echten. Echt sind aber die Zahlen, die das Geschäft illustrieren. 218 560 Abmahnungen hat es wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen im Jahr 2011 gegeben, berichtet der „Verein gegen den Abmahnwahn“. Vor allem Musik-MP3s, Spiel- und Erotikfilme sind betroffen, die Forderungen bewegen sich im Durchschnitt zwischen 300 und 1500 Euro.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger plant, solch horrenden Gebühren einen Riegel vorzuschieben. Die FDP-Ministerin will die Kosten, die Anwälte für Abmahnschreiben verlangen können, begrenzen. Außerdem sollen sich Verbraucher gegen ungerechtfertigte Abmahnungen besser wehren können. Momentan ist das schwierig, die Betroffenen sind oft hilflos.

„Wir kennen diesen Film noch nicht einmal“, sagt Müller. „Und wir laden auch nichts herunter!“ Die beiden haben sich an die Verbraucherzentrale NRW gewandt. Diese hat ihnen eine Liste von Anwälten gegeben, die auf solche Fälle spezialisiert sind. Darunter ist die Kanzlei Wilde, Beuger und Solmecke, die auch in Berlin vertreten ist. Die rät dem Paar, eine modifizierte Unterlassungserklärung abzugeben: Müller verspricht, dass er den Film nie wieder ohne Einverständnis des Rechteinhabers herunterladen wird, gibt aber – anders als von der Gegenseite gewollt – kein Schuldeingeständnis. Jetzt können die beiden nur noch warten und hoffen. Denn spätestens dreieinhalb Jahren nach Erhalt der Abmahnung verjährt die Forderung. Und die wenigsten Kanzleien zögen tatsächlich vor Gericht, sagen Verbraucherschützer.

Wenn das aktuelle Abmahnwesen in Deutschland eine Farbe hätte, wäre es schmutzig-grau. Mit allerlei Tricks versuchen Geschäftemacher, über Abmahnungen Geld zu verdienen. Privatleute, die sich als Anwälte ausgeben und betrügerische Massenabmahnungen per E-Mail verschicken, Anwälte, die das Internet nach Verstößen durchforsten und bei einem Fund die Rechteinhaber fragen, ob die Kanzlei ihre verletzten Rechte vertreten soll – das Geld könne man sich teilen. Sogar „Schnellzahlerrabatte“ gibt es – wer innerhalb von drei Tagen überweist, muss 20 Prozent weniger zahlen.

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