Ärger für Aigner : Foodwatch: Noch mehr Gift in Verpackungen

Adventskalender sind nicht die einzigen Verpackungen, durch die Lebensmittel schwer mit Mineralölen belastet werden könnten. Verbraucherministerin Aigner soll eine kritische Studie verschwiegen haben.

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Naschen und Gift. In Adventskalendern hatte die Stiftung Warentest kürzlich schädliche Substanzen entdeckt.
Naschen und Gift. In Adventskalendern hatte die Stiftung Warentest kürzlich schädliche Substanzen entdeckt.Foto: dapd

Hat Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) die Öffentlichkeit wider besseren Wissens nicht über die Gefahren aufgeklärt, die von Mineralölrückständen in Lebensmittelverpackungen ausgehen können? Das behauptet die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch unter Berufung auf ein Gutachten, das das Ministerium selbst in Auftrag gegeben hat, dessen Ergebnisse Aigner jedoch seit Mai unter Verschluss halten soll.

In der Untersuchung stellen die Wissenschaftler nach Foodwatch-Angaben hohe Mengen krebserregender Mineralöle, wie sie die Stiftung Warentest kürzlich in Schokoladen-Adventskalendern gefunden hatte, auch in anderen Lebensmitteln wie Reis, Gries, Backmischungen oder Frühstücksflocken fest. Zudem könnten noch andere, potenziell gefährliche Stoffe von der Verpackung auf die Lebensmittel übergehen, zitiert Foodwatch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart, die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen des Freistaats Sachsen, die Technische Universität Dresden sowie das Kantonale Labor. Insgesamt hätten die Forscher 250 Substanzen identifiziert, darunter krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Klebstoffe und Weichmacher.

Das Problem betrifft Lebensmittelverpackungen aus Recyclingpapier. Das Altpapier – Zeitungen, Zeitschriften, Kataloge und Verpackungsmaterialien – ist oft mit mineralölhaltigen Farben bedruckt. Mineralölrückstände können von der Verpackung in das Lebensmittel eindringen.

Sowohl das Bundesinstitut für Risikobewertung als auch das Bundesverbraucherministerium drängen deshalb darauf, den Mineralölgehalt in Lebensmittelverpackungen so weit wie möglich zu minimieren. Zu diesem Zweck hat Aigner in der vergangenen Woche zwei Verordnungen auf den Weg gebracht, mit denen zum einen Höchstmengen für den Übergang von Mineralöl aus der Verpackung auf das Lebensmittel festgelegt werden sollen, zum anderen mineralölhaltige Farben für das Bedrucken von Lebensmittelverpackungen generell verboten werden sollen. Beide Verordnungen werden derzeit mit anderen Ministerien, den Ländern und der Wirtschaft abgestimmt. „Kein einziges Land in der Europäischen Union handelt – außer uns“, sagte Aigners Sprecher Holger Eichele dem Tagesspiegel. Zudem wies Eichele den Vorwurf, das Ministerium halte das Gutachten unter Verschluss, zurück. Die Untersuchung sei – wie üblich – im Internet veröffentlicht und frei zugänglich.

Eines dürfte Aigner jedoch nicht gefallen: Die Wissenschaftler fordern deutlich strengere Maßnahmen. Sie plädieren für eine zusätzliche Beschichtung als Schutz. Die Einführung einer Barriereschicht für Verpackungen mit Recyclingkarton erscheine „unverzichtbar“, heißt es in dem Gutachten.

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