Air Berlin : Kein Platz für Rollstuhlfahrer

Eine Gruppe behinderter Russen macht sich auf den Weg nach Düsseldorf. Gebucht haben sie bei Air Berlin - fliegen müssen sie dann mit Aeroflot. Die deutsche Fluggesellschaft spricht von einem Missverständnis.

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Nur begrenzt Platz für Rollis. Air Berlin beruft sich auf Vorschriften.
Nur begrenzt Platz für Rollis. Air Berlin beruft sich auf Vorschriften.Foto: dapd

Russische Behinderte und ihre Begleiter waren guter Dinge: Zoll, Grenz- und Sicherheitskontrollen auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo hatten sie problemlos passiert. Nun freuten sie sich auf Erfahrungsaustausch und Seminare zu Barrierefreiheit und behindertengerechter Umwelt in Düsseldorf. Für vier der sechs Rollstuhlfahrer der Reisegruppe kam jedoch das Aus, als Air Berlin am Montag für Flug AB8415 zum Einstieg bat. Aus Sicherheitsgründen, ließ der Flugkapitän unter Berufung auf die Dienstvorschriften mitteilen, dürften nur maximal zwei Rollstuhlfahrer an Bord gehen. Den anderen bot er an, sie im Laufe der nächsten zwei Tage zu befördern. Die indes buchten inzwischen einen Flug bei der russischen Aeroflot.

Air Berlin erklärte, dass es für die Beförderung von Rollstuhlfahrern feste Sicherheitsbestimmungen gebe und daher jeder Rollstuhlservice gesondert anzumelden sei. „Im Fall der russischen Gruppe der Rollstuhlfahrer wurde im Vorfeld des Fluges leider eine unrichtige Information an Air Berlin übermittelt“, teilte die Fluggesellschaft mit. Nur zwei Teilnehmer seien als komplett immobil angemeldet worden. „Wir bedauern die daraus entstandenen Unannehmlichkeiten und haben der betroffenen Gruppe umgehend eine alternative Lösung angeboten, damit sie ohne weitere Kosten – im Wege der Umbuchung – zu ihrem Ziel gelangen.“

Doch die Empörung in Russland ist groß. Die Zurückgelassenen wollen die Fluggesellschaft verklagen. „Wir werden unser Geld zurückfordern und eine moralische Entschädigung verlangen“, sagte der behinderte Duma-Abgeordnete Wladimir Krupennikow der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. „Ihr könnt fliegen“, habe es bei Air Berlin geheißen, als die Fluggesellschaft vor mehr als einem Monat informiert wurde, dass eine größere Gruppe Rollstuhlfahrer und andere Gehbehinderte nach Düsseldorf fliegen wollen. Krupennikow habe Dokumente, die das bestätigten. Mit dem Einsteigeverbot verstoße Air Berlin gegen die UN-Konvention zu Rechten von Behinderten, die auch Russland im Mai ratifizierte.

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