Air Berlin und Etihad dürfen nicht kooperieren : Mehdorn wittert "Komplott" gegen Air Berlin

Berliner Senat, Flughafen, IHK und Gewerkschaften kritisieren die Beschlüsse, die Air Berlins Partnerschaft mit Etihad erschweren. Sie fürchten Auswirkungen für Berlin.

von
Am Boden geblieben. Etihad Airways darf Air-Berlin-Flüge nicht als eigene vermarkten.
Am Boden geblieben. Etihad Airways darf Air-Berlin-Flüge nicht als eigene vermarkten.Foto: picture alliance / dpa

Das Verbot der Fortführung der Codesharedienste mit Etihad Airways auf 34 Flügen von Air Berlin im kommenden Winterflugplan hat zu einer Protestwelle von Gewerkschaften und Wirtschaft geführt. So sprach Flughafenchef Hartmut Mehdorn gegenüber dem Tagesspiegel von einem „Komplott der Lufthansa und des Frankfurter Flughafens gegen Berlin". Zahlreiche Mitarbeiter der Fluggesellschaft haben indessen in Mails und Briefen an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ihre Sorge um eine mögliche Gefährdung ihrer Arbeitsplätze geäußert.

Er sei überrascht, dass plötzlich alles falsch sein soll was über Jahre funktioniert hat“, sagte der Flughafenchef. Das Verbot hätte „sehr starke Auswirkungen auf Air Berlin und den Flughafen Berlin“, betonte Mehdorn, selbst ehemaliger Chef von Air Berlin. In einem Brief habe er Minister Dobrindt auf die „großen Nachteile für den Standort Berlin“ hingewiesen. „Die Berliner haben wie alle Deutschen das Recht auf internationale Verbindungen.“

Air Berlin verliert ein wichtiges Standbein

„Mit der Entscheidung gefährdet die Behörde tarifierte und sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Deutschland“, erklärte Peter Büddicker von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Obwohl das Verbot formal den Partner Etihad treffe, liege der wirtschaftliche Schaden bei Air Berlin, die damit ein wichtiges Standbein verliere. Es sei zu befürchten, dass ausländische Fluggesellschaft wie Turkish Airlines und Qatar Airways die Gewinner sind.

Ähnlich äußerte sich auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Deren Präsident Ilja Schulz brachte in einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ebenfalls die Befürchtung zum Ausdruck, dass das Verbot nicht zur Sicherung, sondern zum Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland führt. „Es ist unverständlich, warum nun auf einmal genehmigte Verfahren ungesetzlich sein sollen“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer, Christian Wiesenhütter. „Dies schädigt massiv die Luftfahrtentwicklung der deutschen Hauptstadt.“

Klaus Wowereit soll in der Sache bereits Gespräche führen

Senatssprecher Richard Meng teilte mit, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sei in Gesprächen zu dem Thema. „Wir erwarten eine faire Behandlung der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. Es geht um Fairness, nicht um Sonderrechte“, sagte Meng dieser Zeitung.

Am Mittwoch tagte bei Verkehrsminister Dobrindt die Initiative Luftverkehr für Deutschland. Der gehört formal zwar auch Air Berlin an, doch gilt das Bündnis in der Branche überwiegend als Schutzgemeinschaft der Lufthansa und ihrer Drehkreuz-Flughäfen Frankfurt und München, die sich gemeinsam gegen eine Expansion der Airlines vom Golf in Deutschland stark machen. Thomas Kropp, Vorstandsbevollmächtigter und Leiter Konzernpolitik der Lufthansa, wies Berichte zurück, wonach sich seine Airline auch über die Ministerpräsidenten in Bayern und Hessen, Horst Seehofer (CSU) und Volker Bouffier (CDU) bei Dobrindt für ein Verbot der Codesahre-Regelungen zwischen Air Berlin und Etihad stark gemacht hat. Aus Sicht der Lufthansa sei aber durch das Verbot ein rechtswidriger Zustand beseitigt worden.

Air Berlin generiert aus der Kooperation zehn Prozent ihres Umsatzes

Das Verbot gilt, wie berichtet, für 34 von insgesamt 64 Verbindungen der Air Berlin, die zusätzlich auch eine Flugnummer von Etihad Airways tragen. Die in Abu Dhabi ansässige Fluggesellschaft hält 29 Prozent der Anteile an der zweitgrößten deutschen Airline. Die sogenannten Codeshare-Flüge erlauben durchgehende Tarife und Tickets. Die nach wie vor mit wirtschaftlichen Problemen kämpfende Air Berlin generiert aus dieser Kooperation rund zehn Prozent ihres Umsatzes, der im zweiten Quartal dieses Jahres bei 1,14 Milliarden Euro lag.

9 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben