Aktiengesellschaften : Hohe Dividende dank Steuertrick

Rund ein Dutzend Aktiengesellschaften schütten den Gewinn steuerfrei an die Aktionäre aus. Basis für die Steuerfreiheit ist ein komplizierter steuerlicher Vorgang.

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Frankfurt am Main - Gerade hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) wieder gewettert, dass den Aktionären von der Dividende 25 Prozent plus Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag abgezogen werden. Wo doch davor der Staat schon bei den Unternehmen den Gewinn mit 25 Prozent Körperschaftssteuer belegt hat. Den Anlegern werde so das Aktiensparen vermiest, sagen auch Vertreter von Kleinaktionären. Ändern wird sich an dieser Belastung allerdings nichts. Die Abgeltungssteuer gilt erst seit Anfang 2009 und die Staatskasse ist leer. Doch etliche Aktionäre kann dies kaltlassen, sofern sie ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Denn sie kassieren ihre Dividende steuerfrei. Darunter auch die Anteilseigener von Post und Telekom.

„Das trifft etwa ein Dutzend Unternehmen“, sagt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Und nicht nur aus der zweiten Reihe. Nach ihren Hauptversammlungen am 28. April und am 3. Mai schütten auch die Dax-Schwergewichte Deutsche Post und Deutsche Telekom ihre Dividende aus, ohne dass der Fiskus etwas davon hat. Mehrere hunderttausend Kleinaktionäre kassieren dann bei der Post 60 Cent steuerfrei, bei der Telekom sind es 78 Cent. Genauso ergeht es den Aktionären des Weinhändlers Hawesko, der Deutschen Euroshop, der Deutsche Wohnen, der Your Family Entertainment AG, der Mensch und Maschine Software AG, der Kontron AG und vermutlich weiterer Firmen, die ihre Dividende für 2009 noch nicht beschlossen haben.

Faktisch profitieren diese Unternehmen und ihre Aktionäre von einer Umstrukturierung in der Vergangenheit und von damals angefallenen Verlusten. Tatsächlich können die Unternehmen im eigentlichen Geschäft Gewinne einfahren. Basis für die Steuerfreiheit der Dividende ist ein komplizierter steuerlicher Vorgang. „Unsere Steuerbilanz weist basierend auf unserer Eröffnungsbilanz keinen Gewinn aus. Dadurch können wir die Dividende steuerfrei ausschütten“, sagt Sebastian Steffen von der Deutschen Post. Seit 1995 und damit seit der Aufspaltung der ehemaligen Staatsunternehmen ist dies so. Die Dividende, erläutert DSW-Experte Tüngler, wird aus dem sogenannten steuerlichen Einlagenkonto nach Paragraf 27 des Körperschaftsteuergesetzes gezahlt. Dort werden unter anderem offene und verdeckte Sach- und Bareinlagen und andere Zahlungen gebucht, die nicht in das Nennkapital der Gesellschaft geflossen sind. Von diesem Konto und damit nicht aus dem erwirtschafteten Gewinn zahlen die Unternehmen die Dividende an ihre Aktionäre. „Damit ist die Dividende aus steuerlicher Sicht eine Kapitalrückzahlung und unterliegt nicht der Abgeltungssteuer“, sagt Tüngler. Besonders attraktiv sind die steuerfreien Dividenden für die Aktionäre, die die jeweilige Aktie vor dem 1. Januar 2009 gekauft haben. Sie können bei späteren Verkäufen auch mögliche Kursgewinne unbeschadet vom Fiskus kassieren.

Für Anleger, die danach gekauft haben, gilt die zum 1. Januar 2009 eingeführte Abgeltungssteuer. Danach werden auch Kursgewinne beim Verkauf mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag plus Kirchensteuer vom Fiskus belangt. Die Dividenden werden beim Verkauf vom Kaufkurs des Papiers abgezogen. Die Differenz zwischen diesem Preis und dem Verkauferlös unterliegt der Steuer. Die eigentlich steuerfreie Dividende wird also indirekt nachträglich vom Fiskus erfasst. Trotzdem kann es auch heute attraktiv sein, vor dem Ausschüttungstermin die jeweilige Aktie zu kaufen und von der steuerfreien Dividende zu profitieren. Direkt nach der Ausschüttung kann die Aktie wieder verkauft werden. Dann „leidet“ der Kurs in der Regel unter einem Abschlag in Höhe der Dividende, so dass beim Verkauf eher ein kleiner Verlust entsteht als ein dann steuerpflichtiger Spekulationsgewinn.

Manuel Bauer, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) warnt aber vor überstürzten Käufen. „Anleger sollten nicht nur auf die steuerfreie Dividende schauen, sondern darauf, ob die Aktie generell in ihr Depot passt.“

Post und Telekom wollen auch in den nächsten Jahren steuerfreie Dividende ausschütten. Die Telekom mindestens bis zum Ausschüttungstermin 2013, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte. Wie es bei anderen Unternehmen weitergeht, ist offen. SdK-Sprecher Bauer freilich bezweifelt, ob steuerfreie Dividenden gerade bei der Telekom richtig sind. Auf Dauer gehe das an die Substanz, irgendwann fehle das Geld für Investitionen. Die Dividendenrendite bei den Unternehmen, die auch in Zukunft steuerfrei ausschütten, bleibt aber in jedem Fall attraktiv. Mindestens solange die Zinsen so niedrig sind wie derzeit.

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