Alba-Miteigentümer Schweitzer : "Wir sind weltweit unter den Top Ten"

Axel Schweitzer führt mit seinem Bruder die Alba Group. Mit dem Tagesspiegel spricht er über die Zusammenführung des Berliner Entsorgungsunternehmens und Interseroh.

„Möglichst viele Rohstoffe aus Abfall gewinnen“, ist das Geschäftsmodell von Axel Schweitzer. Foto: T. Rückeis
„Möglichst viele Rohstoffe aus Abfall gewinnen“, ist das Geschäftsmodell von Axel Schweitzer. Foto: T. Rückeis

Herr Schweitzer, künftig können Sie als Alba-Vorstand dem Interseroh-Vorstand, der Sie auch sind, Weisungen erteilen. Ist das der Sinn der Zusammenführung der beiden Firmen?

Sicher nicht. Wenn die Hauptversammlung am 17. Mai zustimmt, ist das einer der größten Zusammenschlüsse im europäischen Recyclingmarkt. Gemeinsam können Alba und Interseroh die ganze Bandbreite an Recyclingdienstleistungen abdecken – von Konzepten zur Abfallvermeidung und Rücknahme, über die Sammlung und das Recycling von Wertstoffen oder Abfällen bis hin zur Versorgung der Industrie mit Rohstoffen. Im Übrigen löst der Bereich der „green technologies“ laut Roland Berger mittelfristig die Autoindustrie als größten Wirtschaftssektor in Deutschland ab. Und zu diesem gehört auch unser Bereich.

Und deshalb muss Alba die Tochter Interseroh entmündigen?

Unter dem Dach der Alba Group hat Interseroh eine andere Position am Markt. Interseroh bleibt an der Börse notiert und auch der Firmensitz ist weiter Köln. Entscheidend ist, dass wir künftig die gesamte Wertschöpfungskette abdecken. Mit beiden Firmen können wir Wachstumspotenziale besser erschließen.

Wie groß sind die?

Aktuell fallen weltweit zwölf Milliarden Tonnen Abfall pro Jahr an. Das wird sich in den nächsten zehn Jahren auf etwa 18 Milliarden Tonnen erhöhen, vor allem wegen der Entwicklung und des steigenden Konsums in den Schwellenländern. Gleichzeitig werden immer mehr Rohstoffe gebraucht. Und so schließt sich der Kreis: Wir versuchen Wertstoffkreisläufe zu organisieren und so viel Abfall wie möglich wiederzuverwerten.

Das kann Alba jetzt auch schon, ohne die Zusammenführung mit Interseroh.

Heute muss jedes Geschäft zwischen Alba und Interseroh einen aufwendigen Prüfungsprozess durchlaufen, ob es mit dem Börsenrecht vereinbar ist. Das macht uns langsam und für den Kunden wird es kompliziert, wenn man beispielsweise mit mehreren Verträgen arbeiten muss. Jedes einzelne Geschäft zwischen den Gesellschaften muss dokumentiert und testiert werden. Das kostet Zeit und Geld. Mit einem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag würde das entfallen. Als Alba Group wären wir dann die einzige Unternehmensgruppe, die sowohl im Lizenzierungs- und Entsorgungsmarkt als auch in der Versorgung der Industrie mit Sekundärrohstoffen eine führende Rolle spielt. Weltweit wären wir mit diesem Portfolio dann unter den Top Ten.

Und dann, wie geht es weiter?

Der Haupttreiber für unsere Industrie ist die Endlichkeit von Rohstoffen. Deshalb muss es darum gehen, so viele Rohstoffe wie möglich aus dem Abfall zurückzugewinnen und diese wieder zu verwerten.

2012 kommt das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz. Gibt das noch einmal einen Schub?

Das hoffe ich. Deutschland ist beim Recycling ja schon Spitze und die Recyclingquoten weiterzusteigern wäre sinnvoll, wird aber auch mit jedem Schritt aufwendiger. Für uns ist wichtig, dass auch die Politik auf Länderebene erkennt, welcher Innovationsschub von den privaten Unternehmen ausgegangen ist. Die Leitlinie sollte nicht sein, Monopolstellungen abzusichern, sondern das Einfachste und Sinnvollste für die Bürger zu erreichen.

In Berlin wollen sich Alba und die landeseigene BSR künftig den Verpackungsmüll und weitere Wertstoffe aufteilen. Wie wird das genau funktionieren?

Es gibt zurzeit Gespräche, wie eine Lösung im Wettbewerb aussehen kann, aber noch nichts Konkretes.

Aber der Berliner hat demnächst nicht ein halbes Dutzend unterschiedlicher Tonnen im Hof stehen?

Sicher nicht. Recycling fängt beim Bürger an – er muss es verstehen und mitziehen. Da sind sich wohl inzwischen alle einig.

Das Gespräch führte Alfons Frese

KARRIERE

Axel Schweitzer, Jahrgang 1969, ist seit 2008 Vorstandsvorsitzender der Interseroh SE. Der Wirtschaftsingenieur führt daneben gemeinsam mit seinem Bruder Eric die Geschäfte der Berliner Alba Group, die beide nach dem Tod ihres Vaters 1998 übernahmen.

KONZERN

Alba selbst kam zuletzt auf einen Umsatz von 920 Millionen Euro. Inklusive der Belegschaften von Beteiligungen beschäftigt die Alba Group 7300 Mitarbeiter. Die börsennotierte Interseroh SE kam 2010 mit rund 1800 Mitarbeitern auf fast zwei Milliarden Euro Umsatz. Nach und nach haben Eric und Axel Schweitzer ihre Anteile an Interseroh in den vergangenen Jahren auf gut 75 Prozent aufgestockt.

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