Aldi senkt die Preise : Warum der Käse billiger wird

Am Wochenende hat Aldi die Preise für Käse gesenkt. Die Milchbauern sind besorgt. Der Discounter begründet seinen Schritt mit den sinkenden Milchpreisen. Das Beispiel zeigt, welchen Einfluss der Weltmarkt in diesem Bereich zukünftig haben wird.

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Wenn Aldi am Preis dreht, hat das bundesweit Auswirkungen: Andere Discounter ziehen nach.
Wenn Aldi am Preis dreht, hat das bundesweit Auswirkungen: Andere Discounter ziehen nach.Foto: Jens Büttner / dpa

Die deutschen Käsepreise sind am Wochenende in Bewegung geraten, nachdem der Discounter Aldi angekündigt hatte, die Preise für eine ganze Reihe an Produkten zu senken. Die Preise für Gouda oder Mozzarella sanken zum Teil um bis zu 13 Prozent. Man wolle sinkende Rohstoffpreise an die Kunden weitergeben, hieß es aus dem Unternehmen.

Weil Aldi Marktführer ist, werden andere Discounter nachziehen, das ist auch in der Vergangenheit immer wieder so gewesen. Konkurrent Lidl kündigte bereits an, „die von einem Mitbewerber ausgelöste Preissenkung für Käse ebenfalls nachzuvollziehen“, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte: Bundesweit soll der Käse billiger werden. Dasselbe Signal kommt von Edeka.

Zahl der Erzeuger gesunken

Beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) betrachtet man diese Entwicklung mit Sorge. Diese Preisreduktion sei nicht einfach nur eine Delle in der Preisentwicklung, sondern Ausdruck einer grundsätzlichen Entwicklung: „Das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage hat sich lange aufgebaut“, meint Hans Foldenauer, Sprecher beim BDM.

Dabei gab es bis zum 31. März noch die Milchquote in Europa. Eingeführt worden war sie 1984, um die Milchproduktion zu deckeln. So sollte sichergestellt werden, dass die Preise einigermaßen stabil blieben und die Produktion von Milch ein Geschäft ist, von dem die Bauern leben konnten. Das Höfe-Sterben sollte so verlangsamt und eine Konzentration auf immer weniger, immer größere Höfe verhindert werden. Seit Mitte der Achtzigerjahre ist die Zahl der Milcherzeuger aber trotz Quote von 369.000 auf 77.000 zusammengeschmolzen.

"Der Milchmarkt steht zunehmend unter Druck"

Doch schon bevor die Quote abgeschafft wurde – die Europäische Kommission wollte damit auf die wachsende Nachfrage weltweit reagieren – wurde sie „ausgehöhlt“, wie Foldenauer kritisiert. Sie sei immer wieder erhöht worden, ohne auf die tatsächliche Nachfrage zu achten. „Wir werden nicht von heute auf morgen in Milch ertrinken“, sagt Foldenauer. „Doch der Milchmarkt steht zunehmend unter Druck.“ Er befürchtet weiter sinkende Preise.

Und das sei für den Verbraucher nicht so erfreulich, wie es zuerst klingt: Wenn der Milchmarkt in eine Krise rutsche, müssten die Bürger womöglich mit ihrem Steuergeld Subventionen finanzieren. Etwas entspannter sieht das Björn Börgermann, Referent beim Milchindustrie-Verband (MIV): „Der Milchmarkt weist perspektivisch eher eine positive Tendenz auf“, sagt er. Dass der Käse gerade billiger geworden ist, sei nur eine Momentaufnahme. „Butter zum Beispiel ist bei den letzten Verhandlungsrunden teurer geworden“, sagt er.

Börgermann begrüßt den Wegfall der Milchquote und stellt klar: Die jüngste Preisreduktion bei Käse habe nichts damit zu tun. „Man kann nicht aus dem Stand mehr Milch produzieren“, sagt er. „Bei den Preisen wird es immer ein Auf und Ab geben.“ Und das liege am Weltmarkt. Er erwartet, dass es tendenziell so weitergehen wird wie bisher, ob mit oder ohne Quote – allerdings in schnellerer Abfolge. „Die Volatilität wird zunehmen“, meint er.

Insgesamt bescheinigt er dem Milchmarkt eine gute Zukunftsfähigkeit: Was die Bauern nach dem Ende der Milchquote in Zukunft mehr produzieren werden, werde auf dem Weltmarkt Abnehmer finden. „Die Nachfrage ist vorhanden“, sagt Börgermann. Das unterstützten nicht zuletzt auch die niedrigen internationalen Preise und der momentane Euro-Kurs.

Diesen Optimismus teilt Hans Foldenauer vom BDM nicht uneingeschränkt. „Wir wissen nicht, wie sich der Weltmarkt entwickelt“, sagt er. Zwar steige in Ländern wie China der Pro-Kopf-Konsum von Milch, Käse, Joghurt oder Butter, aber gleichzeitig hat das Land auch seine eigene Milchproduktion in der Vergangenheit stark erhöht.

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