Alexander Erdland : Der Versicherungschef wird jetzt Bauer

Roggen statt Rendite - Alexander Erdland, Präsident des Versicherungsverbands, wird Landwirt. Aber vorher hat er noch etwas mitzuteilen.

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Alexander Erdland, Chef des Versicherungsverbandes.
Alexander Erdland, Chef des Versicherungsverbandes.Foto: Mike Wolff

Wenn sich die Versicherungsbranche an diesem Mittwoch zu ihrem alljährlichen Versicherungstag in Berlin trifft, soll es um „Umbrüche“ gehen. Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird dort vor den Vertretern der Versicherungsunternehmen auftreten – als Kronzeuge quasi, denn Umbrüche hat der Ex-Kanzler in seinem politischen und wirtschaftlichen Leben ja einige erlebt.

Doch Umbrüche bleiben auch der Branche nicht erspart – und auch nicht ihrem Spitzenpersonal. So steht der langjährige Präsident des Versicherungsverbands GDV, Alexander Erdland (65), ebenfalls vor einer Veränderung. Nach fünf Jahren an der Verbandsspitze wird Erdland an diesem Mittwoch vom Ex-Chef der Huk Coburg, Wolfgang Weiler, abgelöst. Den Chefsessel beim Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische hatte Erdland bereits zum Jahreswechsel frei gemacht. Der Westfale, Sohn eines Landwirts, kehrt zurück auf den elterlichen Hof in Oelde, den er künftig mit seinem Sohn bewirtschaften will. Roggen statt Rendite – der Kontrast zum politischen Leben in Berlin könnte größer kaum sein.

"Rentenniveau von 48 Prozent nicht finanzierbar"

Der Auftritt auf der großen Bühne dürfte ihm fehlen. Vor allem, wo jetzt nach der Wahl die Weichen gestellt werden. Erdland warnte am Dienstag in Berlin vor weiteren Rentengeschenken wie der Rente mit 63. „Das Renteneintrittsalter von 67 Jahren darf nicht weiter durchlöchert werden“, mahnte der scheidende GDV-Präsident die Politik. In dieser Legislaturperiode würden die ersten Babyboomer in Rente gehen, der Fachkräftemangel werde sich verschärfen. Hinzu komme die steigende Lebenserwartung. „Ein Mädchen, das heute geboren wird, wird statistisch gesehen 100 Jahre alt“, sagt der Versicherungschef. Ein Rentenniveau von 48 oder 50 Prozent sei angesichts dieser Rahmenbedingungen nicht finanzierbar. Erdland wäre nicht oberster Lobbyist der Versicherungswirtschaft, wenn er nicht zugleich bessere Rahmenbedingungen für die private und betriebliche Altersvorsorge fordern würde, darunter eine Dynamisierung der förderfähigen Einzahlungen in die Riester-Rente.

Für das laufende Jahr rechnen die Versicherer mit einem moderaten Einnahmeplus. „Wir erwarten für das Gesamtjahr ein Beitragswachstum über alle Sparten hinweg von etwa 1,2 Prozent“, sagte Erdland. Schlechter sieht es dagegen in der Lebensversicherung aus. „Wir erwarten in diesem Jahr einen leichten Rückgang des Beitragsaufkommens“, räumte der GDV-Chef ein. Zum Vorjahr falle das Minus aber deutlich geringer aus. 2016 hatte es einen Beitragsrückgang von zwei Prozent gegeben. Trotz des hohen Anpassungsdrucks durch die niedrigen Zinsen und die Digitalisierung bleibe die Branche alles in allem auf hohem Niveau stabil.

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