Alternde Gesellschaft : Die Hauptstadt will gepflegt sein

Auf Deutschland rollt in den kommenden anderthalb Jahrzehnten eine massive Pflegewelle zu. Was Berlin und Brandenburg erwartet.

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Eine Pflegekraft hilft in einem Seniorenheim in Frankfurt (Brandenburg) einer alten Frau beim Trinken aus einem Becher.
Eine Pflegekraft hilft in einem Seniorenheim in Frankfurt (Brandenburg) einer alten Frau beim Trinken aus einem Becher.Foto: dpa

Auf Berlin und Brandenburg rollt in den kommenden anderthalb Jahrzehnten eine massive Pflegewelle zu. Damit der Bedarf an ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen im Jahr 2030 gedeckt werden könne, müssten deutschlandweit etwa 255 000 und allein in der Hauptstadt mehr als 11800 zusätzliche Plätze für Pflegebedürftige entstehen, heißt es im „Pflegeheim-Atlas 2016“.

Urheber der am Donnerstag veröffentlichten Studie sind die beiden Immobilienberatungsunternehmen Wüest & Partner und Ottenströer. Sie haben die allgemein erwartete Bevölkerungsentwicklung und Pflegequote in 400 deutschen Städten und Landkreisen bis zum Jahr 2030 ins Verhältnis zu den dort heute vorhandenen Pflegeplätzen gesetzt.

Wie es in Zukunft aussieht

In 14 Jahren werden laut der Untersuchung rund 3,6 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein, wobei etwa ein Drittel davon auf eine Pflegeeinrichtung angewiesen sein wird. Derzeit benötigen hierzulande 83 Prozent aller Bürger über 65 Jahre stationäre oder ambulante Pflege. Ihr Anteil an der Bevölkerung wird ab 2020 erheblich zunehmen, weil dann die geburtenstarke „Babyboomer“-Generation ins Rentenalter kommt.

Betrachtet man den künftigen Bedarf im Verhältnis zur jetzigen Zahl an Pflegeplätzen, stechen vor allem Berlin und Brandenburg hervor. In der Hauptstadt gibt es derzeit rund 112 500 Pflegebedürftige, wobei etwa 30 000 von ihnen derzeit stationär in Heimen versorgt werden. Die Auslastung der Pflegeeinrichtungen liege zwischen 85 und 90 Prozent.

Prognosen für Brandenburg

Derzeit herrscht auf dem Sektor also eine leichte Überversorgung – noch. Doch das könne sich rasch ändern, sagt Wüest & Partner-Geschäftsführer Karsten Jungk. Nach den Berechnungen seines Hauses werden in der Hauptstadt im Jahr 2030 fast eine Viertel Million Menschen wohnen, die mindestens 80 Jahre alt sind. Hinzu kämen rund 566 000 Menschen zwischen 65 und 79 Jahren. Davon dürften etwa 16 3000 pflegebedürftig sein.

Ähnlich sehen die demografischen Prognosen für das benachbarte Brandenburg aus. Der aktuelle Bestand müsse bis zum Jahr 2030 besonders in den Landkreisen Barnim, Potsdam-Mittelmark und Havelland um rund die Hälfte aufgestockt werden, um den Pflegebedarf der Zukunft zu decken, heißt es in der Studie.

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