"Amazon Locker" : Amazon will Hunderte neue Abholstationen installieren

Das US-Unternehmen will mit den Stationen an Tankstellen und in Supermärkten DHL Konkurrenz macht. Die meisten sollen in Berlin stehen.

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Die Abholfächer öffnen bei Eingabe des richtigen Codes - und ähneln auch sonst den Packstationen der Deutschen Post.
Die Abholfächer öffnen bei Eingabe des richtigen Codes - und ähneln auch sonst den Packstationen der Deutschen Post.Foto: promo

Der Versandhändler Amazon bringt die Deutsche Post DHL weiter unter Druck: Der US-Internetkonzern will Deutschland nach und nach mit eigenen Paket-Schließfächern überziehen. Eine erste Testphase sei erfolgreich verlaufen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Berlin mit. Jetzt treibt es den Ausbau weiter voran. An insgesamt 180 Orten seien die „Amazon Locker“ ab sofort zu finden, 100 davon an Shell-Tankstellen. Bis Ende des Jahres sollen es allein 200 Tankstellen sein.

Auf diese Art will der Konzern vornehmlich Pendler erreichen, die ihre Sendung auf dem Nachhauseweg „einsammeln“ können. Außerdem kooperiert Amazon mit weiteren Partnern für Abholstationen in Innenstädten. So können sich Kunden ihr Paket künftig in ausgewählte Filialen des Mobilfunkanbieters O2 liefern lassen – etwa am Berliner Tauentzien. Aktuell finden sich 80 Stationen in Berlin, einige davon auch in „Spätis“. Und obwohl der hierzulande vor vier Monaten gestartete Lieferdienst „Fresh“ eine Kampfansage an traditionelle Lebensmittelhändler ist, geben selbst einzelne Märkte der Ketten Edeka und Aldi Süd den Fächern des Konkurrenten Raum.

Nach drei Tagen wird die Sendung automatisch retourniert

In den USA ist das Modell längst gang und gäbe. Wie hoch dort der Anteil an Kunden ist, die sich für das Schließfach als Zustellform entscheiden, dazu macht der Konzern keine Angaben. Praktisch funktioniert das Ganze so: Durch Eingabe der Postleitzahl auf www.amazon.de/locker können Stationen gefunden und am Ende jeder Bestellung als Lieferadresse ausgewählt werden. Ist die Sendung im Locker eingetroffen, gibt es eine E-Mail mit Code und der Information, zu welchen Zeiten das Schließfach zugänglich ist. Dem Kunden bleiben dann drei Tage, seine Sendung abzuholen – danach wird sie automatisch retourniert. Am Locker öffnet sich bei Eingabe des Codes das individuelle Fach.

Den Einkauf so bequem wie möglich zu gestalten, das ist seit jeher die erklärte Maxime des Onlinehändlers. Wer also tagsüber nicht zuhause ist, so die Idee, muss sich nicht länger sorgen, ob Nachbarn das Paket annehmen – oder er sich am Samstagvormittag in der Schlange vor der Postfiliale wiederfindet.

Jedes siebte Paket kommt von Amazon

Aus den gleichen Gründen betreibt DHL in Deutschland eigenen Angaben nach inzwischen rund 3000 eigene Packstationen. Dort dürfte man mit Schrecken verfolgen, wie Amazon seine Zustellung mehr und mehr unabhängig organisiert. Schließlich stecken mittlerweile in jedem siebten Paket in Deutschland die Produkte des US-Händlers. Beliefert werden die Amazon-Locker überwiegend von eigenen Mitarbeitern – den Rest übernimmt Hermes.

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