Wirtschaft : Amsterdam ist nicht weit

Ein Nachtflugverbot würde den Frankfurter Flughafen benachteiligen.

Jens Koenen (HB)
Landebahn Nordwest.
Landebahn Nordwest.Foto: dapd

Frankfurt am Main - Sollte der Bundesverwaltungsgerichtshof im März ein endgültiges Nachtflugverbot für den Flughafen Frankfurt verhängen, droht der größte deutsche Flughafen im Frachtverkehr den Anschluss zu verlieren. Das zeigt ein Vergleich der Regelungen an den europäischen Flughäfen. Danach gibt es nur noch in Zürich ähnliche Beschränkungen. Ansonsten sind die Bahnen an den großen europäischen Drehkreuzen nachts frei.

Die meisten Nachbarstaaten Deutschlands haben ihre Regelungen für die Nachtruhe auf die kleineren Flughäfen in der Umgebung der Metropolen beschränkt. So darf in Paris Orly nachts nicht gestartet und gelandet werden, am größten Pariser Flughafen Charles de Gaulle gibt es dagegen keine Beschränkungen.

Die liberalen Regelungen in Europa machen ein Nachtflugverbot für Frankfurt besonders gefährlich. Der Flughafen zählt zu den zehn größten Drehkreuzen für Luftfracht weltweit. Doch die Führungsposition ist bedroht, denn Waren werden fast ausschließlich in der Nacht geflogen.

Fracht-Experten wie Dirk Steiger von der Beratungsgesellschaft Aviainform befürchten, dass Fracht-Airlines auf andere europäische Flughäfen ausweichen werden. „Aus der asiatischen Sicht ist Europa klein, liegen Amsterdam, Paris und Frankfurt gar nicht so weit auseinander. Für die Asiaten ist es also relativ egal, ob man in Frankfurt oder Amsterdam landet“, warnt er.

Karl Ulrich Garnadt, Vorstandsvorsitzender von Lufthansa Cargo, beziffert die finanziellen Folgen eines Flugverbots auf einen „signifikanten zweistelligen Millionenbetrag“. Außerdem hat die Frachttochter von Lufthansa weitere Investitionen in das Fracht-Drehkreuz Frankfurt stets davon abhängig gemacht, hier auch nachts fliegen zu können.

Doch der Druck gegen eine Nachtflugerlaubnis wächst. Seit Wochen schon protestieren Tausende von Bürgern im Frankfurter Flughafen gegen die wachsende Lärmbelastung. Jens Koenen (HB)

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