An Apple vorbei : Samsung stellt die Smartwatch Galaxy Gear vor

Ein Computer zum Anziehen: Am Mittwoch hat Samsung in Berlin die Smartwatch Galaxy Gear vorgestellt. Die "smarte" Uhr ist jedoch nur in Kombination mit einem Smartphone oder Mini-Tablet von Samsung einsetzbar.

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Die Stunde der Smartwatch hat geschlagen. Zumindest auf Samsungs Galaxy Gear.
Die Stunde der Smartwatch hat geschlagen. Zumindest auf Samsungs Galaxy Gear.Foto: dpa

Kein Anruf geht mehr verloren, kein Foto bleibt ungeschossen, und beim Telefonieren kann das Smartphone in der Tasche bleiben. Möglich macht dies eine intelligente Uhr mit dem Namen Galaxy Gear, die der koreanische Elektronikproduzent Samsung am Mittwoch im Vorfeld der Internationalen Funkausstellung (Ifa) vor Medienvertretern im Tempodrom vorgestellt hat. „Ich bin mir sicher, dass die Galaxy Gear zu einer echten Mode-Ikone wird“, sagte Samsung-Manager J.K. Shin. Tatsächlich handelt es sich bei der Smartwatch um einen anziehbaren Computer, also um modernste Informationstechnik, die der Besitzer am Körper trägt. Samsung hat damit auch Google überholt. Der US-Konzern will seine Datenbrille Google Glass im kommenden Jahr auf den Markt bringen. Die Galaxy Gear wird es hingegen noch in diesem Monat zu kaufen geben, wobei ein Preis nicht genannt wurde. Vor allem aber haben die Koreaner den Erzrivalen Apple in die Schranken gewiesen, über dessen iWatch derzeit nur geredet wird

Die Ifa soll der Branche wichtige Impulse für das Weihnachtsgeschäft geben. Die Messe ist erneut ausgebucht. Die Veranstalter konnten die Ausstellungsfläche noch einmal um zwei Prozent auf 145 000 Quadratmeter vergrößern. Auch die Zahl der Aussteller ist wieder gestiegen – um knapp vier Prozent auf 1493.

Samsung schaut aufs Handgelenk
Sieht aus wie eine Uhr, soll aber wesentlich mehr sein. Zum Auftakt der Ifa in Berlin präsentiert Samsung-Manager J.K. Shin die Smartwatch Gear.Alle Bilder anzeigen
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05.09.2013 10:47Sieht aus wie eine Uhr, soll aber wesentlich mehr sein. Zum Auftakt der Ifa in Berlin präsentiert Samsung-Manager J.K. Shin die...

Die Smartwatch von Samsung wird wie ein modernes Handy über einen berührungsempfindlichen Bildschirm gesteuert, der in diesem Fall eine Diagonale von 4,1 Zentimetern hat. Mit einem Fingerstrich bewegt sich der Nutzer von Anwendung zu Anwendung, ein Tippen führt die Befehle aus und ein weiterer Fingerstrich von oben nach unten führt wieder zurück zum Hauptbildschirm. Galaxy Gear dient dabei als Erweiterung eines vorhandenen Smartphones, mit dem es über den Nahbereichsfunk Bluetooth verbunden ist. Geht auf dem Smartphone ein Anruf ein, wird dies auf der Uhr angezeigt. Es reicht dann aus, den Arm mit der Uhr Richtung Kopf zu heben, um das Gespräch anzunehmen. Zudem kann über die Uhr auch selbst ein Telefonat gestartet werden, auf Wunsch sogar per Sprachbefehl. Über die Sprachsteuerung lassen sich zudem Informationen aus dem Internet abfragen. Derzeit kann die Galaxy-Gear-Uhr nur in Kombination mit den Spitzenmodellen der Galaxy-Smartphone-Reihe sowie mit mehreren Tablets aus der Galaxy-Note-Reihe genutzt werden, im ersten Schritt funktioniert Galaxy Gear sogar nur in Kombination mit dem ebenfalls in Berlin vorgestellten Galaxy Note III.

In das Armband der Uhr ist eine Kamera eingebaut. Damit lassen sich Fotos und Videos schießen, nicht zuletzt als Gedankenstütze. Aber auch zum Scannen von Produkten oder zum Übersetzen von gedruckten Informationen im Ausland kann die Uhr eingesetzt werden. Mit dem eingebauten Bewegungssensor und dem Schrittmesser eignet sich die Smartwatch zudem als Sportuhr. Zum Start der Uhr soll es 70 Apps geben, die den Funktionsumfang erweitern. Die Galaxy Gear wiegt knapp 75 Gramm, der Akku ist für 25 Stunden ausgelegt.

Jeder sechste Deutsche plant den Kauf einer Smartwatch

Nach einer Umfrage des deutschen IT-Branchenverbandes Bitkom sind smarte Uhren ein zukunftsweisendes Geschäft. Jeder sechste Bundesbürger plant die Anschaffung einer Smartwatch. Fast 40 Prozent können sich vorstellen, eine solche Uhr zu erwerben. „Die intelligenten Uhren werden eine Welle von Innovationen anstoßen“, hofft Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Am größten ist das Interesse an smarten Uhren im Fitnesseinsatz oder zur Kontrolle von Puls und Blutdruck. Zudem wollen viele Interessenten die Uhren zum Anzeigen von Mails oder SMS-Botschaften sowie zum Auswählen von Musikstücken auf dem Smartphone einsetzen.

In der IT-Branche gelten die smarten Uhren darum auch als nächster großer Trend nach Smartphones und Tablet-PCs. Von den großen Konzernen ist Samsung nun an den Konkurrenten vorbeigezogen. Apple hat die Meldungen über Pläne für eine iWatch nicht offiziell bestätigt. Mit entsprechenden Geräten der Kalifornier wird nicht vor 2014 gerechnet. Google hat den Markt ebenfalls in den Blick genommen. Vor wenigen Tagen bestätigte der Konzern, der mit Android das derzeit erfolgreichste System für Smartphones und Tablets entwickelt hat, den Kauf des Smartwatch-Spezialisten Wimm. Die Smartwatch Pebbles ist hingegen seit Anfang des Jahres auf den Markt. Die Entwicklung der Uhr, die sowohl mit Apples iPhones als auch mit Android-Smartphones kompatibel ist, wurde mit Crowdfunding-Mitteln finanziert.

Microsoft hatte bereits vor zehn Jahren eine intelligente Uhr auf den Markt gebracht, die das Unternehmen allerdings seit dem Jahr 2008 nicht mehr verkauft. Möglicherweise lag es an der sperrigen Bezeichnung „Smart Personal Objects Technology“ (Spot) . Diese Spot-Uhren erhielten ihre Daten via UKW-Signal. Dass die Galaxy Gear von Samsung nur in Verbindung mit wenigen anderen Geräten des Herstellers harmoniert, dürfte die Absatzaussichten aber ebenfalls bremsen.

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