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Analphabetismus : Nie zu spät: Lesen und schreiben lernen

15.01.2012 00:00 Uhrvon
Ein Wirrwarr. Für viele Analphabeten sind Buchstaben ein Rätsel. Ihnen bleibt nur eins: Lernen.Bild vergrößern
Ein Wirrwarr. Für viele Analphabeten sind Buchstaben ein Rätsel. Ihnen bleibt nur eins: Lernen. - Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland können nicht richtig Lesen und Schreiben. Doch es gibt Hilfe.

So ist das nicht richtig. Ines steht vor dem Regal im Supermarkt und kann den Käse nicht finden. Den Käse, den sie immer kauft, weil ihr Sohn den so gerne mag. Der immer im dritten Regalfach im Kühlregal liegt, oben links. Sie scannt das Kühlregal nach der Verpackung ab – sie findet nichts. Der Supermarkt hat sein Sortiment geändert. Würde sie lesen können, es wäre so einfach, sie würde eine andere Marke kaufen, sie wüsste, wie sich Emmentaler schreibt. Ines ist eine von 7,5 Millionen Analphabeten in Deutschland. Dies haben Wissenschaftler der Universität Hamburg in der Studie „Leo. Level-One“ herausgefunden. Weniger als 20 000 der Betroffenen besuchen Kurse, um Lesen und Schreiben zu lernen.

Ines gehört nicht dazu.

Die Scham, sich Hilfe zu suchen und lesen und schreiben zu lernen, ist einfach zu groß. „Dabei sind Analphabeten sehr clever“, sagt Urda Thiessen vom "Lesen und Schreiben e.V." in Berlin. Denn sie haben zahlreiche Tricks und Strategien entwickelt, durch den Alltag zu kommen. Sie stehen täglich vor der Herausforderung, in einer schriftgeprägten Welt zurecht zu kommen. So wie Ines. Sie wird gleich jemandem erzählen, dass sie ihre Brille vergessen hat und wo denn der Emmentaler stehe, sie könne es ohne Brille nicht lesen.

Mehr als sieben Millionen, das bedeutet, 14 Prozent der Erwerbsfähigen sind so genannte funktionale Analphabeten: Jemand, der durch die begrenzte Schriftkompetenz nicht in der Lage ist, am gesellschaftlichen Leben in angemessener Form teilzuhaben. Vier Prozent sind gar nicht in der Lage, einzelne Sätze oder gar Wörter fehlerfrei aufzuschreiben. Und es sind nicht nur Migranten, sondern auch viele Deutsche, die hier zur Schule gegangen sind – und trotzdem nicht lesen oder schreiben können.

Trotzdem ist es immer noch ein Tabuthema in Deutschland. Eine gute Rechtschreibung wird als Indikator für Intelligenz gesehen. „Rechtschreibsicherheit ist ein hohes Gut in Deutschland“, sagt Peter Hubertus vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. Wer nicht richtig schreiben und lesen kann, werde als ganzer Mensch in Frage gestellt. „Das ist keine Sichtweise, die es einem leicht macht, damit offen umzugehen“, sagt Hubertus. Leider denken auch viele der Betroffenen, sie wären die einzigen mit diesem Problem. „Und sie denken, sie wären zu doof zum Lernen“, sagt Thiessen.

Aber wie kann es sein, dass so viele erwerbsfähige Erwachsene so gravierende Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben? Es gibt viele Gründe. „Aber keine typische Biographie, nur vergleichbare Elemente“, sagt Thiessen. Heißt: Es kann eigentlich jeden treffen. Auch Menschen aus Akademikerfamilien saßen schon in ihren Kursen. Es reiche schon, in der ersten und zweiten Klasse im Krankenhaus zu sein. Oder durch familiäre Krisen wie eine Scheidung der Eltern zu abgelenkt zum Lernen zu sein. Wer in den ersten beiden Schuljahren das Lesen und Schreiben verpasst, bekommt im normalen Schulbetrieb keine zweite Chance, es nochmal zu lernen.

„Natürlich ist auch das Elternhaus von großer Bedeutung“, sagt Hubertus. Die Lernfähigkeit ist nicht bei jedem gleich, einige Kinder lernen langsamer oder ihre mündliche Sprachentwicklung ist nicht so ausgeprägt. Solche Kinder müssten sehr viel lernen und bräuchten große Unterstützung. Fehlt es den Eltern an finanziellen Mitteln für Fördermaßnahmen oder sehen die Eltern diese Alarmsignale nicht, weil sie es nicht besser wissen oder Schule für nicht so wichtig erachten, ist das eine ungünstige Ausgangssituation, wie es Peter Hubertus nennt.

„Unsere Gesellschaft muss dafür sorgen, dass die Herkunft nicht über die Bildungskarriere entscheidet“, sagt das Gründungsmitglied des Bundesverbandes. Denn diese Kinder fallen dann durch das schulische Raster, holen den Rückstand nicht mehr auf und beenden die Schule oft ohne Abschluss. Bundesweit verlassen 25 Prozent der Hauptschüler heute die Schule mit unzureichenden Schreibfähigkeiten.

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