Angeblich klimaschonend : Daimler trommelt für Gigaliner

"Ich schlage vor, alle Bundesautobahnen für Lang-Lkws freizugeben", sagt Wolfgang Bernhard. Das kann er tun. Ob Verkehrsminister Dobrindt sich dem Daimler-Manager anschließt, ist offen.

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Passt kaum aufs Bild. Die sogenannten Gigaliner sollen gegenüber herkömmlichen Lkw sparsamer sein.
Passt kaum aufs Bild. Die sogenannten Gigaliner sollen gegenüber herkömmlichen Lkw sparsamer sein.Foto: dpa

Wenn Alexander Dobrindt (CSU) über die Zukunft des Verkehrs spricht, redet er gerne von Straßen und Schienen als „pulsierende Lebensadern“, von Wohlstand, den die Mobilität mit sich bringt und von zusätzlichem Geld, das er demnächst in die Infrastruktur stecken will. Er ist ja der Bundesverkehrsminister. Doch allein damit wird es nicht getan sein, glauben viele in der Industrie.

Wolfgang Bernhard etwa, Nutzfahrzeug-Vorstand bei Daimler, hält weitere Schritte für nötig – auch wenn sie umstritten sind. „Angesichts der steigenden Transportmengen sollte die Politik dem Lang-Lkw den Weg ebnen und Vorurteile über Bord werfen“, sagte er dem Tagesspiegel. „Zwei Lang-Lkws können drei herkömmliche Fahrzeuge ersetzen, das würde den Verkehr reduzieren, Infrastruktur und Klima schonen“, fügte er hinzu.

Kritiker sehen eine erhöhte Unfallgefahr

Lang-Lkws sind maximal 6,5 Meter länger als übliche Lastwagen und werden derzeit im Rahmen eines Feldversuchs in sieben Bundesländern getestet. 39 Unternehmen mit 80 Fahrzeugen nehmen derzeit daran teil. Im April hatte das EU-Parlament die Pläne von Verkehrskommissar Siim Kallas gestoppt, der den Lang-Lkws freie Fahrt in allen 28 Mitgliedsstaaten gewähren wollte. Kritiker bezeichnen die Lkws auch als Giga-Liner oder Monstertrucks und warnen vor erhöhter Unfallgefahr.

Bernhard zufolge gibt es bei dem aktuellen Test „nur positive Ergebnisse“. Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen sänken mit diesen Fahrzeugen um 20 bis 30 Prozent. „Einsparungen wie beim Lang-Lkw werden wir mit anderen Technologien niemals erreichen“, bekannte der Auto-Manager. Zudem würden die Transportkosten sinken, die durch Steuern, Maut und teureren Diesel zuletzt stetig gestiegen seien.

Verbindungsstraßen müssten ausgebaut werden

Bernhard will nun das Streckennetz für die Lastwagen deutlich ausweiten. „Ich schlage vor, alle Bundesautobahnen für Lang-Lkws freizugeben.“ Das wäre eine Ausweitung um fast 40 Prozent gegenüber heute. Zugleich solle jede Kommune für sich entscheiden, welche Verbindungsstraßen zu wichtigen Standorten sie freigibt und ob diese ausgebaut werden müssen. „Für die Verteilerverkehre in den Städten und auf dem Land wäre der Lang-Lkw nicht erlaubt.“

Darüber hinaus macht sich Bernhard dafür stark, den Transportsektor fit für die Zukunft zu machen. Dazu hat Daimler zusammen mit der Deutschen Bahn eine Studie über den Transportsektor im Jahr 2030 in Auftrag gegeben.

Bernhard: Auf langen Strecken keine Alternative zum Diesel

Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik hat ermittelt, dass durch den vermehrten Einsatz des Internets, durch vernetzte Verkehrsleitsysteme, Hilfssysteme in den Fahrzeugen und neue Antriebe der Warenfluss effizienter und umweltschonender gemacht werden kann. Der Truck der Zukunft werde mit anderen Lkws, der Unternehmenszentrale, dem Hersteller und den Kunden vernetzt sein und auf diese Weise Zeit und Treibstoff sparen.

Bei den Antrieben wird die Brennstoffzelle nach Bernhards Einschätzung auf absehbare Zeit keine Rolle spielen. „Für große Entfernungen und schwere Güter wird es bei Dieselmotoren bleiben, dazu ist keine Alternative in Sicht.“ Bei der Effizienz der Motoren sieht er in Zukunft nur noch „minimale Verbesserungen“. Für die Logistik in Innenstädten eigneten sich Erdgasfahrzeuge gut, weil sie leise unterwegs seien. Hybrid- oder Elektroantriebe könnten indes zur Belieferung in Fußgängerzonen eingesetzt werden.

Straße und Schiene sollen sich ergänzen

Bernhard plädierte zudem dafür, den Konkurrenzkampf Straße gegen Schiene zu beenden. „Bahn und Lkw werden die weiter wachsenden Transportmengen nur bewältigen, wenn sie gemeinsam agieren“, bekannte er. „Es geht nicht gegeneinander, nur miteinander.“ Es gebe eine „saubere“ Aufgabenteilung: Schwere Lasten und Schüttgüter über große Entfernungen eigneten sich eher für die Bahn. „Bei Erdbeeren aus Spanien, die pünktlich und frisch im Ruhrgebiet sein müssen, ist der Lkw die beste Wahl.“

Die Schiene alleine wäre nicht in der Lage, den Mehrbedarf an Transport zu übernehmen. Hier müsse der Staat helfen, sagte Bernhard. „Auch die Politik muss ihren Beitrag leisten – sie muss in eine funktionierende Infrastruktur investieren und helfen, Innovationen für Verkehr und Logistik umzusetzen.“ Engpässe im Verkehrsnetz gehörten aufgelöst. „Selbst ein noch so effizienter Truck kann keinen Kraftstoff sparen, wenn er im Stau steht.“

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