Anklage gegen Schlecker : Späte Genugtuung

Die Schlecker-Pleite wirft viele Frage auf. Sie sollten vor Gericht geklärt werden - auch im Interesse der Schlecker-Frauen. Ein Kommentar.

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Das war einmal. Schlecker war einst der größte Drogeriehändler Europas.
Das war einmal. Schlecker war einst der größte Drogeriehändler Europas.Foto: REUTERS

Manchmal nimmt die Gerechtigkeit einen langen Anlauf. Vier Jahre hat es gedauert, bis die Staatsanwaltschaft so viel Material gesammelt hat, dass sie nun Anton Schlecker, seine Frau, seine Tochter und seinen Sohn vor Gericht bringen will. 20 Millionen Euro sollen der einstige Drogeriekönig und seine Familie beiseite geschafft und dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. Zehn Millionen davon hat der Insolvenzverwalter schon wieder zurück geholt, zehn Millionen Euro aber nicht.

Für ein Imperium, das einst Europas größte Drogeriemarktkette war, das Milliarden umgesetzt und 25 000 Menschen beschäftigt hat, klingt das nicht nach viel. Vor allem gemessen an Forderungen der Gläubiger. Mehr als 22.000 Gläubiger sind auf Forderungen von über einer Milliarde Euro sitzen geblieben. Darunter auch die Arbeitsagentur, die über drei Monate lang die Schlecker-Frauen und –Männer mit Insolvenzgeld über Wasser gehalten hatte und dafür aus der Insolvenzmesse gern 250 Millionen Euro hätte.

Zehn Millionen Euro machen da das Kraut nicht fett. Dennoch ist es gut und richtig, dass der Fall nun - hoffentlich - vor Gericht kommt. Hat Schlecker gewusst, dass sein fieberhaftes Filialwachstum an seine Grenzen stößt und die Pleite bevorsteht und dennoch oder gerade deshalb seine Familie bedacht? Was ist mit den 800.000 Euro für die Enkel, die Reise nach Antigua für 60.000 Euro, was ist mit den üppigen Zahlungen der Schlecker-Kette an die Logistikfirma der Schlecker-Kinder? 13 Straftaten soll Schlecker begangen haben, ob alle Vorwürfe Bestand haben, falls es zum Prozess kommen sollte, bleibt abzuwarten.

Im Interesse der Geschädigten wäre ein solcher Prozess wünschenswert. Vor allem die Schlecker-Frauen, die seinerzeit vergeblich für ihre Jobs gekämpft hatten und die es als „Schlikkerfrauen“ bis ins Unterhaltungsfernsehen geschafft haben, haben eine späte Genugtuung verdient. Viele von ihnen waren nach dem Aus ihres Arbeitgebers arbeitslos, viele haben aber inzwischen wieder neue Arbeit. Denn das Geschäft mit Drogerieartikeln boomt. dm und Rossmann wachsen, eröffnen ständig neue Märkte und verdienen gut mit dem Verkauf von Shampoos, Deos oder Katzenfutter. Viele Schlecker-Frauen haben dort eine neue Heimat gefunden. Wahrscheinlich für länger.

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