Arbeitsmarktintegration : Wie die Wirtschaft Flüchtlinge gewinnen will

Die Industrie- und Handelskammern starten ein Aktionsprogramm mit 20 Millionen Euro, damit Betriebe Flüchtlinge ausbilden. Woran es bislang scheitert.

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Flüchtlinge sitzen  in der Zentrale der IG Metall beim Deutschunterricht der Initiative «Teachers on the Road».
Flüchtlinge sitzen in der Zentrale der IG Metall beim Deutschunterricht der Initiative «Teachers on the Road».Foto: dpa

Praktika, Jobbörsen, Willkommenslotsen – mit mehr als 100 Projekten haben die Industrie- und Handelskammern (IHK) ein bundesweites Aktionsprogramm zur Integration von Flüchtlingen gestartet. „Es gibt viele Betriebe, die etwas tun wollen“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer am Donnerstag in Berlin. Oft scheiterten die guten Absichten aber am komplizierten Asylverfahren. Damit die Projekte trotzdem erfolgreich sind, kümmern sich in den 80 Kammern jetzt 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allein um dieses Thema. Mit einem jährlichen Budget von 20 Millionen Euro.

Ein Motiv: Der Fachkräftemangel

Der Grundgedanke ist: Jede IHK soll ein Konzept entwickeln, das Unternehmen informiert und berät, jungen Geflüchteten die duale Ausbildung in Deutschland erklärt oder sie an einen Betrieb vermittelt. Außerdem sollen die Kammern bei der Vermittlung von Sprachkursen und Gesellschaftskunde helfen, Abschlüsse erfassen, Paten für die Betreuung während der Ausbildung gewinnen oder Flüchtlingen bei Existenzgründungen helfen.

Der Fachkräftemangel ist ein Motiv für das Engagement der Wirtschaft; dazu kommt das gesamtgesellschaftliche Ziel einer funktionierenden Integration. Aus einer aktuellen Umfrage des Ifo Instituts geht hervor, dass nur sieben Prozent der Unternehmen Flüchtlinge beschäftigen.

Was Unternehmen zögern lässt

Frank-Jürgen Weise, Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge vor, nannte am Donnerstag beim DIHK einen Grund dafür: Viele Flüchtlinge haben keinen klaren Status. Das ist eines der größten Probleme, vor dem die Unternehmen stehen. Bevor jemand eine Ausbildung beginnt, ist die Frage zu klären, wie lange er überhaupt in Deutschland bleiben darf. Würde es sich lohnen, ihn einzustellen?

Der DIHK setzt sich deswegen für eine „echte 3+2-Regelung“ ein. Sprich: Keine Abschiebung während der dreijährigen Ausbildung und in den ersten beiden Beschäftigungsjahren danach.
Weitere Einstellungshindernisse seien die unzureichende Sprachkenntnisse und grundsätzlich die Bürokratie. Die Asylverfahren, räumte auch Weise, müssten beschleunigt werden, und die Zuwanderung gezielter ablaufen. „Ich bin skeptisch, dass die Flüchtlinge ein Glücksfall für den Arbeitsmarkt sind“, sagte er. „Jetzt, wo sie aber da sind, sollten wir ihnen eine Chance geben und etwas draus machen.“

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