Arbeitswelt : Wie frage ich nach Bildungsurlaub?

Es kostet Überwindung, den Chef um freie Tage für die Fortbildung zu bitten. Der Karriereexperte Jürgen Hesse erklärt, wie man es machen sollte.

Lernen auf Malta. Sprachkurse als Bildungsurlaub sind beliebt.
Lernen auf Malta. Sprachkurse als Bildungsurlaub sind beliebt.Foto: Deike Uhtenwoldt/picture-alliance

Unser Leser fragt: Ich bin Projektmanager in einer Agentur und habe einen sehr entgegenkommenden Chef, wenn es darum geht, Familie und Beruf zu vereinbaren. Muss ich die Kinder im Notfall aus der Kita abholen oder Zuhause bleiben, weil sie krank sind, ist das kein Problem. Aus diesem Grund, und weil bei uns immer sehr viel zu tun ist, ist es mir unangenehm, ihn auch noch um Bildungsurlaub zu bitten. Wie kann ich mein schlechtes Gewissen überwinden und gute Argumente finden, die ihn überzeugen?

Jürgen Hesse antwortet: Verstehe! Sie wollen den Bogen also nicht überspannen und wissen das bisher großzügige Verhalten Ihres Chefs in Sachen Flexibilität bei Ihrem Nachwuchs sehr zu schätzen. Deshalb sorgen Sie sich jetzt, dass Ihre Bitte von Ihrem Chef als unangemessen empfunden werden könnte und dass das Folgen haben könnte für die bisherige großzügige Handhabung. („Bitte“ wäre hier nur die diplomatische Bezeichnung, denn der Bildungsurlaub steht Ihnen ja zu).

Hinzu kommt auch noch Ihr Bewusstsein, dass im Unternehmen eigentlich immer viel zu viel zu tun ist, als dass Sie sich so einfach Ihren Bildungsurlaub nehmen könnten. In diesem Fall gut, dass das Geschäft so brummt. Nicht gut, wenn Sie sich nicht trauen, zumindest gesprächshalber und terminlich noch nicht festgelegt, Ihren Wunsch vorzutragen.

Entscheidend ist doch Folgendes: Sie spüren den Wunsch und haben sicherlich auch schon an eine spezielle Weiterbildung gedacht. Sie kämpfen aber mit Ihrem schlechten Gewissen, wie Sie es selbst beschreiben. Warum? Es gibt keinen Grund dafür, denn es ist ja kein „Spaßurlaub“, den Sie sich „erbitten“.

Es kommt jetzt vielmehr darauf an, Ihrem Chef zu verdeutlichen, was er und das Unternehmen davon haben, wenn Sie sich weiterbilden. Und einen terminlich günstigen Zeitpunkt dafür zu verabreden. Ihr wechselseitiges (mal einfach unterstellt) gutes Vertrauensverhältnis sollte es aushalten, dass Sie diese Bitte vortragen, ohne zu befürchten, Ihr Chef könnte explodieren. Oder anders formuliert: Fragen muss man dürfen können. Sich über die rechtlichen Bedingungen zu einigen und einen für beide Seiten passenden Termin zu finden, ist dann gelebtes partnerschaftliches Verhältnis.

Sollten Sie sich aber nicht trauen und Ihren Wunsch verkneifen, könnte bei Ihnen eine Enttäuschung zurückbleiben, die, gepaart mit anderen Vorkommnissen, Ihr Verhältnis zum Chef belasten könnte. Und das wäre schade!

– Haben Sie auch eine Frage? Dann schreiben Sie uns: E-Mail: Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

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