Wirtschaft : Atomausstieg treibt Strompreise Kunden zahlen pro Jahr

2,6 Milliarden Euro mehr.

Klaus Stratmann (HB)

Berlin - Der beschleunigte Atomausstieg erhöht die Strompreise in Deutschland aufs Jahr gerechnet um 2,6 Milliarden Euro. Das ergeben Berechnungen des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), die dem „Handelsblatt“ vorliegen. Der Verband steht für 80 Prozent des industriellen Energieeinsatzes in Deutschland. Der VIK hat Deutschland mit Großbritannien und Skandinavien verglichen. Die Preisentwicklung auf diesen Märkten korrelierte bis zur Abschaltung der acht deutschen Kernkraftwerke kurz nach der Atomkatastrophe in Fukushima vor einem Jahr traditionell stark. Seitdem ist es jedoch damit vorbei: Der Preis in Deutschland hat gegenüber dem britischen um vier Euro je Megawattstunde zugelegt, gegenüber dem skandinavischen sogar um sechs Euro.

Auf Basis des Mittelwertes dieser Ergebnisse ergibt sich laut VIK ein Preiseffekt der beschleunigten Energiewende, der sich auf 2,6 Milliarden Euro pro Jahr beläuft. Dabei entfallen 1,1 Milliarden Euro auf die Industrie. Der Vergleich widerlege „die Behauptung, der deutsche Strompreis sei vom beschleunigten Kernenergieausstieg unbeeindruckt geblieben“, sagte VIK-Hauptgeschäftsführerin Annette Loske. Ein weiterer Anstieg ist wahrscheinlich: „Ich sehe in jedem Bereich der Energiewende preistreibende Effekte“, sagte Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, dem „Handelsblatt“. Die Energiewende werde „die Bürger über viele Jahre finanziell in die Verantwortung nehmen“.

Die Energiewende hat auch Folgen für die französische Stromwirtschaft. Nach Berechnungen des französischen Beratungsunternehmens SIA haben dortige Versorger durch erhöhte Stromexporte nach Deutschland zwischen März und Dezember 360 Millionen Euro zusätzlich eingenommen.Klaus Stratmann (HB)

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