Auch bei Start und Landung : Lufthansa erlaubt dauerhafte Handynutzung im Flugzeug

Dranbleiben statt Abschalten: Lufthansa-Kunden dürfen Handys nun auch bei Start und Landung benutzen – andere Airlines ziehen nach.

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Mobiles Büro. Viele Geschäftsleute nutzen die Zeit an Bord für die Arbeit am Computer.
Mobiles Büro. Viele Geschäftsleute nutzen die Zeit an Bord für die Arbeit am Computer.Foto: IMAGO

Berlin - Ausschalten? Womöglich ausgerechnet dann, wenn auf dem Handy eine wichtige Kurznachricht eingegangen ist oder man bei der Spiele-App auf dem Tablet kurz davor ist, ins nächste Level zu kommen? Die sanfte, aber bestimmte Aufforderung der Stewardessen vor Start und Landung hat schon so manchem Fluggast die gute Laune verhagelt.

Mit der lästigen Unterbrechung der Unterhaltung und des Kommunikationsflusses ist bei der Lufthansa und anderen Airlines wie Germanwings ab sofort Schluss: Passagiere dieser Fluggesellschaften dürfen ihre Notebooks, Telefone und andere mobile Geräte auf Kurz- und Mittelstreckenflügen in Airbus-Maschinen seit diesem Samstag während der kompletten Reise eingeschaltet lassen und im Flugmodus benutzen. Telefonieren an Bord bleibt bei beiden Fluggesellschaften aus Rücksicht auf Mitreisende erst einmal tabu; im Flugmodus können Handys oder Laptops weder Daten senden noch empfangen.

Ein Drittel der Deutschen will keine Handys an Bord

„Unsere Kunden haben bei Umfragen sehr deutlich gesagt, dass sie sich durch Telefonate im Flugzeug gestört fühlten“, sagt Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. „Diese Ruhezone geht also nicht verloren.“ Dass die Lufthansa mit dieser Einschränkung richtig liegt, zeigt auch eine aktuelle Studie des IT-Branchenverbands Bitkom. In der repräsentativen Umfrage sprechen sich zwei Drittel der Befragten dafür aus, dass Telefonieren und Surfen an Bord eines Flugzeugs zumindest eingeschränkt möglich sein sollte. Ein Drittel verlangt, dass die Geräte weiter ausgeschaltet bleiben müssen. Bei einer Erhebung vor drei Jahren hatte noch eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten die Handynutzung an Bord abgelehnt. „Heute sind Handys, Smartphones und Tablets unsere alltäglichen Begleiter“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Viele Menschen wollen sie unterwegs privat oder beruflich einsetzen und so die Reisezeit sinnvoll nutzen. „Technisch spricht schon lange nichts mehr für das generelle Handy-Verbot an Bord.“

Dass man Funktelefone und Laptops nun zumindest beim Fliegen nicht mehr auszuschalten braucht, haben die Kunden von Lufthansa und Germanwings dem Luftfahrtbundesamt zu verdanken. Die Behörde hatte den Betrieb von Handys in Flugzeugen Anfang des Jahres in Umsetzung geänderter Leitlinien der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) prinzipiell zugelassen. Allerdings benötigen die Airlines dafür eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Flugzeugproduzenten, die bestätigt, dass durch den Betrieb von mobilen Geräten der sichere Betrieb der Maschine nicht gestört wird.

Air Berlin überlegt, Telefonate zuzulassen

Die Fluggesellschaft Air Berlin klärt derzeit nach eigener Auskunft mit ihren Flugzeugproduzenten, ob elektronische Geräte künftig auch an Bord ihrer Maschinen im Flugmodus benutzt werden dürfen. Das könnte auch Telefonate an Bord einschließen. Bei der Lufthansa liegt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung bislang nur für 250 der insgesamt rund 400 Maschinen umfassenden Flotte vor. Man strebe aber an, den Komfort in absehbarer Zeit in allen Flugzeugen anzubieten, sagt Sprecher Lamberty. Wann Europas größte Fluggesellschaft ihren Kunden auch das Telefonieren an Bord mit dem eigenen Handy erlaubt, darüber will er nicht spekulieren. Technisch jedenfalls wäre die Sache möglich – wenn auch mit einigem Aufwand verbunden. Um Mobilfunk während des Fluges zu gewährleisten, müssen die Airlines eine Basisstation an Bord ihrer Maschinen installieren, die Gespräche der Passagiere über eine Außenantenne an einen Satelliten weiterleitet. Auch SMS können auf diesem Wege versendet werden. Laut Bitkom ist für Mobilfunk an Bord nach derzeitigem Stand der Technik eine Flughöhe von 3000 Metern erforderlich, auch um Störungen der Handynetze am Boden zu vermeiden.

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