Wirtschaft : Auch die Aktionäre zahlen für die Energiewende

RWE und Eon verlierten Milliarden an Börsenwert/Hamburger entscheiden am Sonntag über die Verstaatlichung des Energienetzes.

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Sonne und Wind erzeugen immer mehr Strom – das bringt vor allem die großen Versorger und ihre Großkraftwerke in Bedrängnis. Foto: dpa
Sonne und Wind erzeugen immer mehr Strom – das bringt vor allem die großen Versorger und ihre Großkraftwerke in Bedrängnis. Foto:...Foto: dpa

Berlin - Die deutsche Energiepolitik kostet eine Menge Geld. Die Verbraucher zahlen jedes Jahr mehr für Strom, die Unternehmen klagen über eine Einschränkung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit und die Eigentümer der großen Energiekonzerne sehen den Wert ihrer Unternehmen rasant schrumpfen. Marktführer Eon (minus 29 Prozent) und RWE (minus 27 Prozent) haben in den vergangenen zwölf Monaten im zweistelligen Milliardenbereich an Börsenwert verloren. Allein am Freitag gab die RWE-Aktie mehr als vier Prozent ab und war mit 24,50 Euro noch etwa halb so viel wert wie vor Fukushima. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass uns schwere Zeiten bevorstehen“, hatte Vorstandschef Peter Terium am Donnerstagabend im Zusammenhang mit der Ankündigung einer Dividendenkürzung erklärt. Auch weil „neuere politische Eingriffe in Zukunft erhebliche Belastungen“ mit sich brächten.

Tatsächlich hängt für die großen vier, neben Eon und RWE sind das Vattenfall und die baden-württembergische EnBW, viel ab von der Neu-Justierung der Energiepolitik nach der Bundestagswahl, von der weiteren Förderung der Erneuerbaren und überhaupt vom Mix aus regenerativem und konventionellem Strom. Bei Vattenfall, dem dominierenden Versorger in Berlin und Hamburg, ist darüber hinaus noch von Bedeutung, wie zwei Volksentscheide ausgehen: An diesem Sonntag stimmen die Hamburger darüber ab, ob die Stadt das Netz komplett zurückkaufen soll. Anfang November entscheiden dann die Berliner über „ihr“ Stromnetz. Vattenfalls Engagement in Deutschland steht grundsätzlich infrage, weil zwar noch immer viel Geld verdient wird mit Braunkohle aus der Lausitz. Doch der schwedische Staatskonzern traut der deutschen Politik nicht mehr über den Weg und könnte mittelfristig den Rückzug nach Skandinavien antreten, wenn die Netze in Berlin und Hamburg verloren gehen. Mit Stellenstreichungen und dem geplanten Verkauf eines Kohlekraftwerks in Sachsen reagierte Vattenfall bereits auf die veränderten Umfeldbedingungen hierzulande.

Arbeitsplatzabbau, Investitionskürzung und geringe Tariferhöhungen gehören auch zum Programm der anderen Versorger. Bei RWE hatten die Gewerkschaften Widerstand gegen eine offenbar geplante mehrjährige Nullrunde bei den Gehältern angekündigt. „Dividenden sollen jedoch munter weiter ausgeschüttet werden. Die Beschäftigten werden nicht die Gewinne der Aktionäre finanzieren, das kommt nicht in die Tüte“, hatte die IG BCE getönt. Kurz darauf entschied der Aufsichtsrat eine Kürzung der Dividende von zwei auf einen Euro für dieses Jahr. Für die folgenden Geschäftsjahre kündigte RWE ebenfalls eine geringere Ausschüttung an. Und im gleichen Atemzug mit der Dividendenkürzung erwähnte Konzernchef Terium Sparanstrengungen, die „keineswegs nur die Eigentümer“ betreffen. Mitte November will der Konzern über Kostensenkungsmaßnahmen „einschließlich Beiträgen von Arbeitnehmern und Management“ informieren.

Dann weiß auch das Vattenfall-Management, wem künftig die Netze in Hamburg und Berlin gehören werden. An diesem Sonntag braucht die Initiative „Unser Hamburg – unser Netz“ rund 500 000 Befürworter unter den 1,3 Millionen Abstimmungsberechtigten. Der Senat unter der Leitung von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wendet sich gegen das Bürgerbegehren und argumentiert mit hohen Kosten und Risiken. Die Initiative meint dagegen, in 24 Jahren seien die Kosten der bis zu zwei Milliarden Euro teuren Netzübernahme wieder eingenommen. Ferner sei es für die Energiewende wichtig, dass das Netz in staatlicher Hand liege. Mitarbeit: Dieter Hanisch

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