Ausbildung : Jeder zweite Lehrling beklagt Überstunden

Auszubildende empfinden ihre Arbeitsbelastung laut einer Umfrage als hoch. Schon ohne die Doppelbelastung Karriere und Familie sind Berufsanfänger gestresst.

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Ständig Akten ordnen? Wenn Lehrlinge nur Aufgaben erhalten, die nichts mit der Ausbildung zu tun haben, ist das nicht erlaubt.
Ständig Akten ordnen? Wenn Lehrlinge nur Aufgaben erhalten, die nichts mit der Ausbildung zu tun haben, ist das nicht erlaubt.Foto: dpa

Fast die Hälfte der Auszubildenden fühlt sich von den Arbeitgebern als billige Arbeitskraft ausgenutzt. Annähernd jeder Zweite klagt über Überstunden, fast ebenso viele über körperliche Strapazen und zu viele Aufgaben. Das sind die Ergebnisse einer Befragung unter 16- bis 27-Jährigen im Auftrag der Gewerkschaft Verdi. Die Belastung werde von jungen Beschäftigten insgesamt als hoch erlebt, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Frank Bsirske am Montag. „Sie sind schon ohne die Doppelbelastung Beruf und Familie gestresst.“

Neben dem Arbeitsdruck seien fehlende Perspektiven „Stimmungskiller“ bei den jungen Menschen. Nur jeder Zweite erhält eine Übernahmegarantie nach der Ausbildung. „Das ist hochgradig demotivierend und alarmierend zugleich, zumal die Zufriedenheit mit der Qualität der dualen Berufsausbildung grundsätzlich sehr hoch ist“, sagte Bsirske. Trotz der Beschwerden sind 80 Prozent mit ihrer Ausbildung zufrieden.

Mehrheit ist generell zufrieden

Der Anteil ist laut Umfrageergebnissen in tarifgebundenen Betrieben höher. Bei Mitgliedern einer Gewerkschaft liegt die Rate bei 89 Prozent. Diejenigen Azubis, die keinen Tarifvertrag haben, sind weniger glücklich als der Durchschnitt. Die überwiegende Mehrheit der Befragten (81 Prozent) sieht sich auf die Arbeitswelt gut vorbereitet. Auch hier schwanken die Ergebnisse abhängig davon, ob es Beschäftigungsvertretungen und Tarifverträge in dem Unternehmen gibt. 62 Prozent der Berufsanfänger sehen Gewerkschaften als „unverzichtbaren Bestandteil“ an.

An die Arbeitgeber gerichtet mahnte der Verdi-Chef: „Die Tarifflucht der letzten Jahre sorgt für Unzufriedenheit unter den Beschäftigten, die auch der gute Ruf der Ausbildungsqualität nicht zukleistern kann.“ Gerade in Zeiten des digitalen Wandels seinen Tarifverträge sehr wichtig. Laut Statistischem Bundesamt sind nur noch 15 Prozent der Betriebe tarifgebunden.

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