Autoclub ACE : „Die Kaufprämie ist eine Mogelpackung“

Der Chef des Autoclubs ACE hält die staatliche Förderung für E-Autos und Dieselautos für unzureichend. "Was nützt ein Elektroauto, wenn nur ein Mensch drinsitzt?", fragt Stefam Heimlich.

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Der ACE fordert einen „Masterplan für die Verkehswende“. Menschen sollen animiert werden, ihr Auto zu teilen.
Der ACE fordert einen „Masterplan für die Verkehswende“. Menschen sollen animiert werden, ihr Auto zu teilen.Foto: imago/photothek

Der nach dem ADAC zweitgrößte Autoclub Deutschlands, ACE, fordert von der künftigen Bundesregierung eine deutlich stärkere finanzielle Unterstützung der Elektromobilität. „Wir brauchen eine konzertierte Aktion von öffentlicher Hand, Herstellern und Stromversorgern“, sagte der ACE-Vorsitzende Stefan Heimlich dem Tagesspiegel. „Der Umweltbonus wirkt nicht – die Kaufprämie muss erhöht werden, neben dem Ausbau der Infrastruktur.“ Heimlich, selbst Tesla-Fahrer, verweist auf Norwegen und die Niederlande, wo die staatliche Förderung höher ausfällt als hierzulande: „Die können rechnen.“

Bis Ende September wurde der Umweltbonus, den Staat und Industrie je zur Hälfte finanzieren, 33.660 Mal beantragt. Seit Jahresanfang hat sich die Nachfrage damit zwar verdreifacht, sie bleibt aber immer noch weit hinter den Erwartungen der Bundesregierung zurück. Sie hatte die Kaufprämie in Höhe von maximal 4000 Euro im Sommer 2016 eingeführt, das Budget von 1,2 Milliarden Euro reicht für mehr als 300.000 Elektroneuwagen.

"Was nützt ein Elektroauto, wenn keiner drin sitzt?"

Der ACE, der mehr als 620.000 zahlende Mitglieder hat, fordert von der künftigen Bundesregierung außerdem einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs und eine Lockerung des Personenbeförderungsgesetzes. Der Rechtsrahmen müsse erweitert werden, „damit beim Thema Sharing neue Geschäftsmodelle überhaupt erst möglich werden können“, forderte Heimlich. „Was nützt ein Elektroauto, wenn nur ein Mensch drinsitzt? Es geht um eine bessere Auslastung, um neue Sharing-Konzepte, um neue Formen der Tür-zu-Tür- Mobilität.“ Deutschland brauche einen „Masterplan für die Verkehrswende“.

Ungewöhnlich scharf für einen Auto- Club kritisiert der ACE die Versäumnisse der deutschen Hersteller. „Die deutsche Automobilindustrie ist vor die Wand gefahren“, sagt Heimlich. „Sie hat die großen Trends, die schon vor zehn Jahren erkennbar waren, verpennt: Elektrifizierung, Digitalisierung und die Befriedigung von Konsumentenbedürfnissen, von denen die Konsumenten bis dato selber noch nichts wussten, also das iPhone-Prinzip.“

ACE rät Kunden von Nutzung der Dieselprämie ab

Die Dieselprämie hält ACE-Chef Heimlich für eine „Mogelpackung“: Rabatte bekomme man in dieser Größenordnung ohnehin im Autohaus. „Wir haben unseren Mitgliedern empfohlen, nicht sofort einen neuen Euro-6-Diesel zu kaufen, sondern auf die neuen Euro-6d-Modelle zu warten.“ Sonst gebe man als Käufer viel Geld aus und falle womöglich trotzdem unter ein Fahrverbot. Bei der Umrüstung älterer Diesel- Fahrzeuge muss die Industrie nach Ansicht des ACE mehr tun. „Software-Updates reichen nicht, die Hersteller müssen an die Hardware ran“, meint Heimlich. Es gebe SCR-Filter, die die Zulieferer und Hersteller sogar ab Werk längst anböten. Heimlich sagt: „Es geht den Herstellern nur ums Geld.“

Der ACE hatte nach der Betrugsaffäre beim deutlich größeren ADAC im Jahr 2014 Mitglieder gewonnen. „Wir wachsen seit acht Jahren ohne Unterbrechung um 8000 bis 12.000 Mitglieder pro Jahr“, berichtet Club-Chef Heimlich. Der ACE wolle weiter wachsen, „aber wir werden nicht 20 Millionen Mitglieder schaffen“.

Auch Radfahrer bekommen einen Schutzbrief

Auch der ADAC hat nach einer Reform und Neuaufstellung den Mitgliederschwund gestoppt. Die Zielgruppen bleiben jedoch unterschiedlich: „Wir wollen die Menschen ansprechen, die ein nachhaltiges, ökologisches und ressourcenschonendes Verkehrssystem befürworten – auch jenseits des Autos“, sagte Heimlich. Laut Satzung solle sich der ACE für ein nachhaltiges Verkehrssystem einsetzen. „Das Wort Auto werden Sie in unserer Satzung nicht finden.“ Mitte Januar startet der ACE eine Kooperation mit BlaBlaCar, um künftig gemeinsam Fahrgemeinschaften zu vermitteln. Und der Club bietet ab 2018 auch einen Fahrrad-Schutzbrief im Rahmen seines „Comfort-Tarifs“ an. „Wir übertragen das klassische Autoclub-Prinzip auf das Fahrrad“, sagte Heimlich.

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